Saisonstart

«Proben, proben, proben»: Direktorin Franziska Nock über die Zukunft des ältesten Zirkus der Schweiz

Die Verkürzte Zirkus-Saison startet am 22. Juni. Das Jubiläum steht jetzt im Fokus.

Es war für viele Zirkusfans ein veritabler Schock: Der Circus Nock verkürzt seine Tournee 2019 massiv. Statt acht Monate geht er nur gut drei Monate auf Tournee, statt im März findet die Premiere in Frick erst Ende Juni statt.

Drei Gründe nannte Zirkusdirektorin Franziska Nock vor einem Monat, als die AZ die Pläne publik machte für die Verkürzung der Tournee. Erstens die gesellschaftliche Entwicklung, die den Zirkussen das Leben schwermacht; sie kämpfen seit Jahren mit sinkenden Zuschauerzahlen. So ging beim Circus Nock die Zahl der Besucher in den letzten zwei Jahren je um fünf Prozent zurück. «Die vergangene Saison war schwer für uns», bilanzierte denn auch Franziska Nock, die zusammen mit ihrer Schwestern Verena und Alexandra den Zirkus in siebter Generation führt.

Um diese Entwicklung abzufangen und eine Trendwende einzuleiten, will das Familienunternehmen, zweitens, das tourneearme Jahr auch nutzen, um den Zirkus für die Zukunft zu trimmen.

Drittens führt Franziska Nock das Jubiläum ins Feld; im nächsten Jahr wird der älteste Schweizer Zirkus 160 Jahre alt – und das soll gebührend gefeiert werden. Die Verkürzung der Tournee sei notwendig, «weil wir einfach die finanziellen und zeitlichen Ressourcen brauchen, um für die Jubiläumstournee ein hochkarätiges Programm auf die Beine zu stellen», sagte Nock Mitte Januar zur AZ.

Gute einen Monat später umschreibt Franziska Nock die aktuelle Herausforderung mit einer Zirkus-Metapher: «Wir jonglieren mit vielen Bällen in der Luft.» Man arbeite an der aktuellen Tournee, plane das Jubiläum und suche «nach kreativen Ideen, um Zirkus wieder näher an die Schweizerinnen und Schweizer zu bringen, die sich in den letzten Jahren anderen Entertainments zugewandt hatten». So wolle man sich Schulklassen, Altersheimen und Unternehmen öffnen, «die auf diese Weise Zirkusluft schnuppern und sich so wieder einen Zirkusfloh ins Ohr setzen lassen können».

Franziska Nock bei einer ihrer Pferdenummern auf der Tournee 2018.

Franziska Nock bei einer ihrer Pferdenummern auf der Tournee 2018.

In diese Strategie passt auch das Gastspiel im März; der Circus Nock wird sein Chapiteau auf der Zirkuswiese in Frick für die Mitgliederversammlungen der Raiffeisenbank Regio Frick aufbauen. «Anlässe wie diese gehören zu unserer Strategie, den Zirkus zu öffnen für neue Zielgruppen wie Unternehmen mit ihren General-, Kunden- oder sonstigen Versammlungen und Veranstaltungen», sagt Franziska Nock. Die Zirkusdirektorin ist überzeugt: «Sie können aus der Magie der Zirkuswelt Inspiration schöpfen und ihren Stakeholdern unvergessliche und originelle Erlebnisse bieten.» Was an den Mitgliederanlässen der Raiffeisenbank gezeigt wird, will Nock nicht verraten. Nur so viel: «Unsere achte Generation, Artist Francesco Nock, wird eine tragende Rolle spielen.»

Zirkus neu interpretieren

Eine tragende Rolle will der Zirkus auch künftig spielen. «Unser Anspruch als ältester Zirkus der Schweiz ist es, die Magie, die der Zirkuswelt innewohnt, in die Zukunft zu führen», umschreibt Franziska Nock die Zielsetzung. Es gehe immer noch um Entertainment, «aber wir werden Zirkus neu interpretieren und neue Themenwelten schaffen, die alle Sinne einbeziehen: Farben, Aromen, Musik». Man experimentiere derzeit und sei selber gespannt, was daraus entstehen werde.

Ebenfalls noch im Entstehen ist das Programm für die verkürzte Tournee 2019. Man werde das Motto und einige Highlights in den nächsten Tagen kommunizieren, sagt Nock. Eine Herausforderung bei der Zusammenstellung des diesjährigen Programms war, Artisten zu finden, die sich für eine halbe Saison verpflichten lassen. «Aber wir haben mit unserer langen Tradition und mit unserer Nock-Dynastie im Rücken eines der besten Netzwerke zu grossartigen Artisten und Künstlern auf internationalem Niveau», so Nock.

Gestartet wird die Tournee 2019 am 22. Juni in Frick. Die Artisten werden rund zwei Wochen vor Tourneestart im Fricktal eintreffen. Dann heisst es: «Das Motto verinnerlichen und proben, proben, proben, damit zur Premiere alles perfekt sitzt.»

Viele der Gemeinden, die der Circus Nock in den letzten Jahrzehnten immer wieder ansteuerte, müssen in diesem Jahr auf ein Gastspiel des Zirkus verzichten. Natürlich seien viele der Gemeinden, die im verkürzten Tourneeplan keinen Platz fanden, enttäuscht, sagt Franziska Nock. «Wir verstehen das. Aber wir müssen in diesem VorJubiläumsjahr mit unseren Ressourcen sehr haushälterisch umgehen, um dafür 2020 umso fulminanter zu unseren Fans in allen Regionen zurückkehren zu können.»

An 26 Orten wird gespielt

26 Ortschaften steuert der Circus Nock in diesem Jahr an. Auffallend dabei: Fast die Hälfte davon liegt im Bündnerland. «Wir sind der einzige Schweizer Zirkus, der regelmässig im Kanton Graubünden gastiert», sagt Franziska Nock. Dieses Alleinstellungsmerkmal pflege man. «Wir haben in Graubünden daher auch eine sehr, sehr treue Fangemeinde.» Mit Sack und Pack überwindet der Zirkus dabei jedes Jahr drei Alpenpässe. «Einmal vor Ort, lohnt es sich dann auch, in viele verschiedene Spielorte in der Region zu ziehen.»

Unter den Bündner Gastspielorten sind auch vier im Engadin. «Wir gelten als der ‹Engadiner Nationalzirkus›», sagt Nock. «Unsere Bindung zum Engadin hat eine lange Tradition und ist gegenseitig.»

Diese Tradition mit der Moderne zu verknüpfen, ist die Herausforderung, vor der der Circus Nock steht. Damit es noch lange heisst: Manege frei.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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