Fricktal

Pro Senectute: Suche nach Freiwilligen wird immer schwerer

Ein Freiwilligeneinsatz kann auch die Begleitung bei einem Spaziergang sein. WAL

Ein Freiwilligeneinsatz kann auch die Begleitung bei einem Spaziergang sein. WAL

Immer weniger Frauen und Männer schenken anderen Menschen gratis ihre Zeit. Dabei wäre es gerade in der Zeit der zu Vereinsamung neigenden Gesellschaft enorm wichtig, mit anderen Menschen Zeit zu verbringen.

Ohne den Einsatz von Frauen und Männern, die ihre Zeit anderen schenken, würde es in den Gemeinden, Vereinen und sozialen Institutionen nicht mehr funktionieren. «Wir leben wesentlich von der Freiwilligenarbeit», sagt Eva Schütz, Stellenleiterin bei der Pro Senectute, Beratungsstelle Bezirk Laufenburg.

«Wir haben bei der Pro Senectute Aargau 1750 Mitarbeitende, der grosse Teil davon auf Freiwilligenbasis.» Viele würden gratis arbeiten oder für ein Sackgeld, sprich Entschädigung der Spesen. Die Rekrutierung von Freiwilligen sei schwieriger geworden, so Schütz.

Das dem so ist, veranschaulicht Ursula Jutzi, Präsidentin des Besuchsdienst Regio Laufenburg, am Beispiel des Frauenvereins Laufenburg. Der 152-jährige Verein – er hatte sich im sozialen Bereich stark engagiert –, musste Ende Mai seine Auflösung bekannt geben, weil trotz intensiver Suche keine Vorstandsmitglieder gefunden werden konnten.

Die Schwierigkeit, Leute zu finden, zeigt Eva Schütz bei den Pro Senectute Ortsvertretern auf. Sie – in der Regel Frauen – machen bei der älteren Dorfgeneration Geburtstagsbesuche und gehen im Herbst für die Pro-Senectute-Spendensammlung von Haustür zu Haustür.

Gerade letztere Aufgabe ist immer weniger beliebt, was die Rekrutierung von neuen Freiwilligen erschwert. Bei der Herbstsammlung wird unter anderem einer der Gründe deutlich, weshalb die Freiwilligenarbeit in der zur Vereinsamung neigenden Gesellschaft so wichtig ist.

«Viele ältere Leute freuen sich sehr, wenn unsere Ortvertreter an den Haustüren klingeln. Für sie ist es eine willkommene Abwechslung im ansonsten oft sehr einsamen Alltag», weiss Eva Schütz. Dass solche Leute in ihrem Zuhause, aber auch in Spitälern und Pflegeheimen regelmässig besucht werden, dafür sorgt der Besuchsdienst Regio Laufenburg.

562 Besuche in einem Jahr

Er könnte sein 5-Jahr-Jubiläum nächste Woche nicht feiern, wenn nicht auch hier Leute ihre Zeit unentgeltlich zur Verfügung stellen würden. Wie gut das Besuchsangebot genutzt wird, zeigt sich alleine schon in den 562 Besuchen, die im Jahr 2014 gemacht wurden.

«Wir haben zurzeit Wartelisten von Leuten, die gerne besucht werden möchten», sagt Myrta Zimmermann, die den Besuchsdienst Regio Laufenburg mit seinen Gemeinden Schwaderloch, Mettauertal, Laufenburg und Kaisten betreut.

Vor fünf Jahren ist der Dienst mit vier Besuchern gestartet. Sie sind noch dabei, teilen sich ihre Aufgabe zwischenzeitlich mit 15 weiteren Kolleginnen und Kollegen. Trotz dieser erfreulichen Zahl an Besuchern verhehlt Myrta Zimmermann nicht, dass es schwierig ist, noch weitere Personen für die anspruchsvolle Arbeit zu finden. «Es ist viel Verantwortung, die hier übernommen werden muss.» Die Besucher werden ausgebildet und müssen gewährleisten, dass sie regelmässig im Einsatz stehen.

Im sozialen Bereich wird sehr viel freiwillige Hilfe von Frauen geleistet. «Heute gehen viel mehr Frauen arbeiten», nennt Eva Schütz eine der Schwierigkeiten bei der Suche nach Freiwilligen. Da auch Mütter wieder vermehrt früh in den Beruf einsteigen, sind die pensionierten Eltern zunehmend für die Betreuung ihrer Enkel in Anspruch genommen.

«Die Rekrutierung ist zwar schwieriger geworden, aber es ist auch immer wieder sehr beeindruckend, was alles geleistet wird in Freiwilligenarbeit und wie für alle eine Win-win-Situation entsteht», so Eva Schütz.

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