Gipf-Oberfrick
Primarschüler in Gipf-Oberfrick sollen auf Sexualkunde vorbereitet werden

In interaktiven Gesprächen sollen die Primarschüler in Gipf-Oberfrick Fragen zu ihrem Körper stellen können - als Vorbereitung für den Sexualkunde-Unterricht.

Nadine Pfeifer
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Der Umgang mit sozialen Medien will gelernt sein, damit keine Fotos im BH auf Facebook landen.

Der Umgang mit sozialen Medien will gelernt sein, damit keine Fotos im BH auf Facebook landen.

Colourbox

Die Primarschule Gipf-Oberfrick möchte als Vorbereitung auf die Sexualkunde in der Oberstufe bereits für Primarschüler interaktive Gesprächsrunden einführen. Im Lehrplan ist der Umgang mit Fragen zum eigenen Körper als Fach «Mensch und Natur» festgehalten.

Bisher wird vor allem reaktiv mit Fragen von Primarschülern umgegangen. In Gipf-Oberfrick plant man nun einen proaktiven Unterricht zu Themen wie dem eigenen Körper, aber auch sozialen Medien.

Umgang mit sozialen Medien

Auch wenn vieles noch in Planung ist, eines ist jetzt schon klar: Es soll kein auf Biologie fokussierter Sexualkundeunterricht werden, wie man sich das vorstellt. «Es geht nicht darum, zu erklären, welches Körperteil wie heisst oder wie Geschlechtsverkehr funktioniert», sagt Schulsozialarbeiterin Carole Steiger.

Ein viel grösseres Anliegen ist ihr, den Kindern ein gutes Selbstwertgefühl zu vermitteln, das dann auch den Umgang mit Sexualität erleichtern kann. «Es geht um Dinge wie: ‹Wieso ist es wichtig, kein Foto von mir im BH zu verschicken?› Also darum, was für ein Bild die Schüler von sich selbst vermarkten und wie man miteinander umgeht.»

Das ist ein Thema, das längst auch bei den jungen Schülern der Primarschule angekommen ist. Carole Steiger sagt: «Ich habe zwar das Gefühl, hier auf dem Land sind die Kinder noch etwas behüteter und nicht jeder Primarschüler hat schon ein eigenes Handy. Aber einige haben auch hier schon einen Klassenchat auf What’s App.»

In diesen Chats ist der Umgangston zwischen den Kindern manchmal ganz schön rau und gewisse Mitschüler werden sogar bewusst aus den Chats ausgegrenzt. Während die Schüler auf dem Pausenhof respektvoll und anständig miteinander umgehen, komme es in den Chats doch hin und wieder zu unschönen Beleidigungen wie «Schlampe» oder «Hure». «Auch bei den Primarschülern», sagt Carole Steiger.

Auch Fotos auszutauschen, gewisse freizügiger als andere, kommt bereits bei jungen Jahrgängen vor. Im Moment bereitet Carole Steiger sich für einzelne Lektionen vor, indem sie diverse Unterlagen und Materialien sammelt, auf denen der Unterricht dann aufbauen wird.

Klar ist, darunter befindet sich kein Sex-Koffer, wie man ihn vielleicht von Basel kennt. «Wir stellen uns vor, mit Übungsblättern und Spielen an das Thema heranzugehen», erklärt sie. Der Unterricht soll möglichst interaktiv sein und die Schüler sollen auch von sich aus Fragen stellen dürfen.

Einzelne Lektionen können nach Geschlecht getrennt stattfinden mit einem Lehrer für die Jungs und einer Lehrerin oder Carole Steiger selber für die Mädchen, damit sich alle ungehemmt austauschen können. «Mädchen haben häufig Fragen zu ihrem Zyklus und zur Hygiene im Zusammenhang mit ihrem Zyklus», sagt Carole Steiger.

Jungs fragen eher mal nach, wie sie sich einem Mädchen, in das sie verliebt sind, annähern können. Und ob sie in ihrem Alter wirklich schon eine Freundin haben müssen. Carole Steiger sagt: «Die Jungs geben vielleicht etwas mehr an mit Erfahrung, die sie aber unter Umständen nicht haben.»

Es gehe der Schulsozialarbeiterin klar nicht darum, die Schüler einfach rund um das Thema Sex zu schulen. «Ich finde, man muss sie auch nicht auf etwas ‹ufelüpfe› oder sie mit dem Thema überfordern», erklärt sie. Wenn man feststellen würde, dass eine Klasse noch nicht reif ist für ein Thema, hält man sich offen, das auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Auf welcher Stufe welche Themen gerade aktuell sind, werden die Schulleitung, der Schulsozialdienst und die Lehrer in den nächsten Wochen noch besprechen.