Etwas Bibbern war am Freitagabend bei Michelle Geser und Claudius Beck schon angesagt, doch vertrauten die Kulturmanager aus der Zähringerstadt und dem badischen Rheinfelden ihren soliden Planungen und einem engagierten Team.

An der Eröffnung der ersten grenzüberschreitenden Kulturnacht in der Trinkhalle der Kurbrunnenanlage gab es dann kein Nervenflattern mehr, als Kulturstadträtin Béa Bieber eine illustre Gästeschar willkommen hiess. Überwiegend Kunstschaffende sowie Politik- und Vereinsvertreter trafen sich zum Apéro, den kostümierte Chor- und OK-Mitglieder der Fricktaler Bühne servierten, um gleichzeitig für ihre Herbstaufführungen zu werben.

«Ein tolles Projekt»

«Das ist wirklich ein ganz tolles Projekt, um mit jenem Vorurteil aufzuräumen, in Rheinfelden sei nichts los», betont Stadträtin Bieber. Das Konzept orientiere sich an den Aktionsmöglichkeiten in beiden Städten. Die Kulturnacht verdeutliche zweifellos, dass «ein riesiges Angebot» existiert, das vielfältigen Interessen gerecht werde. Und voller Überzeugung ruft sie in den Saal: «Kulturschaffen schafft Bindungen.»

Béa Bieber deutet auf die gesellschaftliche Bedeutung eines vielseitigen und gut funktionierenden Kulturlebens, mit Blick auf Neuzuzüger aber auch auf die Chance, eine Integrationsarbeit zu leisten. «Das Publikum darf erleben, was es in unseren Städten alles gibt.»

Für diese eine Nacht hatten sich rund 120 Ensembles und Kunstschaffende angemeldet, die sich an 40 Spielorten präsentierten. Es gibt Chöre, Orchester, Theater, Workshops und sogar Schmiedevorführungen im Fricktaler Museum. Eine Rarität stellt die Gruppenausstellung einheimischer Künstler von beidseits des Rheins in der Trinkhalle der Kurbrunnenanlage dar; gegen 50 Werke dürfen bewundert werden.

Die Bandbreite reicht vom Abstrakten bis zum Gegenständlichen, wobei auch politische oder gesellschaftliche Entwicklungen künstlerisch interpretiert werden. Die Ausstellung gibts übrigens noch bis zur Finissage am 25. Mai.

Fortsetzung erwünscht

Speziell diese Vielfalt beeindruckte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt vom badischen Rheinfelden. «Ich wünsche mir, dass diese interessante und wichtige Kulturnacht im nächsten Jahr eine Fortsetzung findet.» Er lobt das «überwältigende Spektrum» künstlerischen Schaffens und das ehrenamtliche Engagement zur Bereicherung der Kunstszene. Dann liefert Eberhardt noch eine Überraschung: «Der Trinationale Euro-District Basel unterstützt dieses Projekt mit 38 000 Euro.» Das Geld stamme aus dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung.

Ob und vor allem wann eine Zweitauflage der Kulturnacht kommt, blieb in zahlreichen Gesprächsrunden am Rande des Events unklar; schliesslich kamen immer wieder Hinweise auf den immensen Organisationsaufwand für alle Beteiligten. Und der finanzielle Kraftakt, trotz Sponsoren, blieb nicht verborgen: Im Vorfeld war ein Budget von total 60 000 Euro genannt worden.

«Eine super Stimmung»

Der Premieren-Erfolg war jedenfalls sicht- und spürbar. So auch die Impressionen von Kulturstadtätin Béa Bieber. Im Bilanz-Gespräch mit der Aargauer Zeitung schwärmt sie von einer «super Stimmung unter den Kulturakteuren und den Schaulustigen», zeigt sich beeindruckt von den «vielen positiven Begegnungen» dieser grenzüberschreitenden Kulturnacht. «Ich bin begeistert.» Sie zeigt allerdings auch Realitätssinn:

«Wir müssen prüfen, ob wir solch einen Event beispielsweise in einem Turnus von drei oder vier Jahren erneut planen.» Damit geht sie auf Distanz zum badischen Oberbürgermeister Klaus Eberhardt.