Rheinfelden
Prämierter Forscher: Kinder mit einer Lähmung sind als Avatar aktiver

Der Forschungspreis der Reha Rheinfelden geht an Rob Labruyère. Er widmete sich der Frage, wie die Motivation von Kindern mit einer Lähmung von einem oder beiden Beinen gesteigert werden kann, damit sie aktiver mit dem Gangroboter trainieren.

Sarah Serafini
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Von links: Administrativer Direktor der Reha Rheinfelden Matthias Mühlheim, Preisträger Dr. Rob Labruyère, Leiterin wissenschaftliche Abteilung Dr. Corina Schuster, Chefarzt Prof. Dr. Thierry Ettlin. (sar)

Von links: Administrativer Direktor der Reha Rheinfelden Matthias Mühlheim, Preisträger Dr. Rob Labruyère, Leiterin wissenschaftliche Abteilung Dr. Corina Schuster, Chefarzt Prof. Dr. Thierry Ettlin. (sar)

Sarah Serafini

Rob Labruyère untersuchte in einer Studie, ob Kinder mit einer Lähmung eines oder beider Beine, motiviert werden können, aktiver und länger mit einem Gangroboter zu laufen. Bei einem Gangroboter handelt es sich um ein elektronisches Skelett, dass sich Menschen mit einer Lähmung in den Beinen überziehen können, um sich damit fortzubewegen. Laut Labruyère fehlt bisher der Beweis, dass das Training mit dem Gangrobotor für Kinder besser sei, als ein reguläres Training ohne Robotor. Er forscht am Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche in Affoltern am Albis.

Am Anfang seiner Studien überlegte sich Labruyère, wie er die Motivation der Kinder steigern könnte, damit sie sich aktiver am Training mit dem Gangroboter beteiligen. In Zusammenarbeit mit Gamedesignern entwickelte er ein Computerspiel, das die Bewegungen der Kinder auf einen Avatar im Bildschirm überträgt. Je aktiver sich die Kinder bewegen, desto aktiver bewegt sich auch ihr Avatar. Labruyère kam in seinen Studien zum Schluss, dass Kinder durchaus fähig sind, ihre Aktivität den Anforderungen anzupassen. Jedoch sei das Computerspiel nicht für alle Kinder geeignet.

Für diese Analysen bekam Labruyère gestern den Forschungspreis der Reha Rheinfelden überreicht. Es ist das zweite Mal, das der jährliche Preis übergeben wurde. Es ist der einzige Forschungspreis im Bereich der Rehabilitation in der Schweiz.

Reha beschafft sich Computergame

100 Stühle wurden im Vortragssaal der Rehaklinik aufgestellt. Diese blieben vorerst bis auf ein paar wenige Plätze leer. Dann, kurz nach dem eigentlichen Beginn der Preisübergabe strömten dann doch noch eine Schar von Weisskittel in den Raum und Gesundheitsschuhe an Füssen von Reha-Mitarbeitern bahnten sich einen Weg zu einem freien Stuhl. Gespannt lauschte man den Ausführungen des Gewinners des Forschungspreises. Für die Reha-Mitarbeiter waren die Ausführungen von Labruyère insbesondere darum spannend, da sich in der Rehaklinik Rheinfelden auch eine Abteilung für Kinder befindet. Der Chefarzt der Klinik, Thierry Ettlin, sagte denn auch, dass die Beschaffung des Computergames von Labruyère für den Gangroboter schon in naher Zukunft geplant sei.

Labruyère bedankte sich für den überreichten Preis. «Es ist eine Bestätigung für meine Arbeit der letzten Jahre», sagte er. Nebst dem Preisgeld von 1500 Franken ist der Forschungspreis vor allem wegen seiner Publizität wichtig.

Labruyères Studie war eine von sechs eingereichten Arbeiten, die von einer dreiköpfigen Jury ausgewählt wurde.