Die Fricktaler Liste des Poststellensterbens ist lang. Seit 2000 hat die Post 28 Poststellen geschlossen – zuletzt traf es diejenigen in Herznach und Mettau. Die Schliessungen begründet der Konzern mit einem Rückgang der Schaltergeschäfte. Vor diesem Hintergrund überprüft er auch neue Lösungen für das Post-Angebot in Kaiseraugst. Die Ortsparteien CVP, FDP, SP und SVP haben sich mit einer Petition, die von 1029 Personen unterzeichnet wurde, für den Erhalt der Poststelle im Quartier Liebrüti eingesetzt (die AZ berichtete).

Dass die Zukunft der Post die Einwohner in Kaiseraugst bewegt, wurde auch am Donnerstagabend im Violahof ersichtlich, wo sich Vertreter von Post und Gemeinde sowie rund 200 Einwohner zu einem Dialoganlass trafen.

Dort verkündete die Post, dass die Poststelle geschlossen und eine Filiale mit Bedientheke in Zusammenarbeit mit Valora im Einkaufszentrum Liebrüti favorisiert wird. «Zum einen können die Kunden weiterhin in Kaiseraugst ihre Postgeschäfte erledigen, was positiv für die Standortattraktivität ist. Zum anderen können die Kunden am gleichen Ort ihre Einkäufe erledigen», sagt Post-Sprecher François Furer. Die Post strebe einen möglichst nahtlosen Übergang von der Poststelle zur Filiale mit Bedientheke an. «Wir gehen aktuell von einer Umsetzung im Sommer oder Herbst dieses Jahres aus», so Furer.

Alle Leistungen unter einem Dach

Natürlich habe man sich gewünscht, dass die Poststelle in der Gemeinde erhalten bleibt, sagt Gemeindepräsidentin Françoise Moser und schiebt nach: «Man muss aber sehen, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind.» So seien mit der neuen Lösung alle Post-Dienstleistungen unter einem Dach abgedeckt.

Darüber hinaus findet Moser positiv, dass die Post zugesichert hat, dass der Postomat erhalten bleibt. «Davon profitiert das umliegende Gewerbe.» Ein Bonbon sei, dass die Post einen «My Post 24»-Automaten anbieten möchte, an dem rund um die Uhr Sendungen abgeholt und entgegengenommen werden können. «Aktuell laufen dazu noch Abklärungen für den idealen Standort», sagt Furer.

Die Öffnungszeiten der Filiale mit Bedientheke richten sich dabei nach denjenigen des Kiosks. «Das ist ein grosser Pluspunkt», sagt Moser. Während die Poststelle von 11.30 bis 14 Uhr werktags geschlossen hat, wird es in der neuen Filiale möglich sein, die Postgeschäfte über den Mittag zu erledigen. Während die Poststelle am Samstagmorgen um 11 Uhr schliesst, wird die neue Filiale den Kunden bis 16 Uhr offen stehen.

Andreas Heller, der rund 25 Jahre in Kaiseraugst lebt und 2018 als Gemeinderat kandiert hat, findet die Schliessung der Poststelle vor dem Hintergrund ihres Kernauftrages, dem Service public, schwierig. «Andererseits ist sie aus wirtschaftlichen Überlegungen verständlich.» Unter dem Strich sei die Lösung jedoch akzeptabel, weil weiterhin alle Leistungen rund um Brief und Paket durch Valora angeboten werden. Kritisch sieht Heller die Distanz, die zwischen der Post im Quartier Liebrüti und dem Dorf-Quartier liegt. Aus diesem Grund gingen einige Anwohner in den Nachbarort Augst, um dort ihre Postgeschäfte zu erledigen. Deshalb sagt Heller: «Eine zweite Postfiliale im Dorf-Quartier ist wünschenswert.»

Zufrieden mit der neuen Lösung ist Marianne Grauwiler, Präsidentin der SP-Ortspartei. «Vom Dienstleistungsangebot her müssen kaum Abstriche in Kauf genommen werden.» Dass in der neuen Agenturkeine Bargeldeinzahlungen mehr getätigt werden können, hält sie für unproblematisch. «Auch das Gros der älteren Leute ist heutzutage im Besitz einer Karte, um Zahlungen zu tätigen», sagt sie. Der ideale Standort für den «My Post 24»-Automaten liegt für Grauwiler im Dorf-Quartier. «Dann könnten sich einige den Weg zur Post nach Augst sparen.»