Frick
Postauto-Chauffeur versus Junioren-Trainer: SVP will zurück in den Gemeinderat

Adrian Speckert will den 2013 verlorenen Sitz zurückholen – FDP-Mann Eugen Voronkov kandidiert «wild».

Thomas Wehrli
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Wer zieht am 24. September neu in den Fricker Gemeinderat ein? Zur Wahl stellen sich neben den vier Bisherigen Adrian Speckert und Eugen Voronkov.

Wer zieht am 24. September neu in den Fricker Gemeinderat ein? Zur Wahl stellen sich neben den vier Bisherigen Adrian Speckert und Eugen Voronkov.

Thomas Wehrli

Die Ausgangslage vor den Gemeinderatswahlen in Frick ist speziell: Mit Thomas Stöckli tritt Ende Jahr einer der beiden FDP-Gemeinderäte von der politischen Bühne ab. Die FDP aber stellt bei den Wahlen am 24. September neben Ammann Daniel Suter keinen zweiten Kandidaten, «weil wir den Sitzanspruch der SVP anerkennen», sagt FDP-Ortspräsident Rudolf Heusser.

Diesen Anspruch attestieren der SVP auch die Präsidenten von CVP und SP. «Es macht Sinn, wenn die wählerstärkste Partei in die Exekutive eingebunden ist», sagt Gunthard Niederbäumer, Gemeinderat und SP-Präsident in Personalunion.

Dass die SVP heute nicht in der Exekutive vertreten ist, hat sie sich selber zuzuschreiben. Die Partei war vor vier Jahren beim Rücktritt des langjährigen Gemeindeammanns Anton Mösch schlicht nicht in der Lage, einen Kandidaten zu finden – und musste SP-Mann Gunthard Niederbäumer den Sitz kampflos überlassen.

Adrian Speckert, SVP.

Adrian Speckert, SVP.

Thomas Wehrli

Diesmal hat die SVP in der Person von Ortsparteipräsident Adrian Speckert, 40, einen Kandidaten gefunden – und nun tritt doch ein FDPler gegen ihn an: Eugen Voronkov, 36. Er kandidierte bei den letzten Grossratswahlen jeweils auf der FDP-Liste und sass auch schon im Bezirksparteivorstand. Heusser spricht im Gespräch mit der az zwar davon, dass Voronkov aus der Ortspartei ausgetreten sei; Voronkov dementiert. Dies sei ein Missverständnis, er sei 2015 lediglich aus dem Vorstand zurückgetreten. Zudem sei er nach wie vor Mitglied der Bezirkspartei.

Eine verzwickte Situation für die FDP. Heusser will sich deshalb noch nicht festlegen, welche Wahlempfehlung die Partei neben jener für Suter abgeben wird. Das werde man in der Partei noch besprechen.

Zudem findet nächste Woche eine Besprechung der Präsidenten der vier grossen Parteien statt. Dies bestätigt CVP-Präsident Viktor Müller. Auch er will sich noch nicht dazu äussern, wen die CVP unterstützen wird.

Eugen Voronkov, FDP.

Eugen Voronkov, FDP.

Thomas Wehrli

Die az weiss: Zur Diskussion steht ein gemeinsames Flugblatt, auf dem die vier Parteien alle offiziellen Kandidaten unterstützen – also die vier Bisherigen sowie Adrian Speckert. Sollte es so kommen, «macht die SP mit», sagt Niederbäumer.

Voronkov selber, der nun «wild» antritt und dessen Kandidatur als «parteilos» gilt, sieht es locker. Er habe die FDP im Vorfeld über seine Kandidatur informiert. Eine offizielle Unterstützung durch die FDP «wäre natürlich toll», sagt er, hält dies aber für sekundär. Er habe denn auch «keine Erwartungshaltung», was die Wahlempfehlung seiner Partei betrifft.

Er respektiere, dass die FDP den Sitzanspruch der SVP anerkenne. Das hindere ihn aber nicht, zu kandidieren, «denn ich möchte die Entwicklung der Gemeinde aktiv mitgestalten».

Wer hat die besseren Karten?

Das möchte auch Speckert. Vor allem möchte er, dass die SVP, die in Frick klar stärkste politische Kraft, wieder mitreden kann. «Nicht im Gemeinderat vertreten zu sein, hat die politische Arbeit erschwert», räumt er ein.

«Man muss sich alle Informationen selber beschaffen und von vielem, was im Gemeinderat entschieden wird, ist man abgeschnitten.» Dass die SVP an diesem Abgeschnitten-Sein selber schuld ist, räumt er ein, will den Sitzverlust vor vier Jahren aber gleichwohl nicht als ein Verschlafen-Haben bezeichnet sehen. «Man hat als Partei nicht immer einen Kandidaten in der Hinterhand», sagt er.

Es brauche die Stimme der SVP im Gemeinderat, ist Speckert überzeugt. «Ich will unsere Gedanken und Positionen in die Politik einbringen.» Die Frage, ob er denn von den anderen Parteien ein klares Ja zu seiner Kandidatur erwarte, umschifft Speckert. «Die Mitglieder der anderen Parteien wissen sehr gut, was sie stimmen wollen und was gut für die Gemeinde ist.»
Beide Kandidaten sind in Frick recht gut verankert, Voronkov wohl noch etwas besser.

Während Speckert seit 14 Jahren im Dorf lebt und in keinem Verein aktiv ist («das verunmöglicht mir mein Beruf als Postauto-Chauffeur»), wohnt Voronkov seit 25 Jahren im Dorf, hat lange für den FC Frick gestürmt und trainiert heute die B-Junioren. Man kann sagen: 1:0 für Voronkov. Die breitere Wählerbasis bringt das Tor zum Chancen-Ausgleich. Da die SVP-Wähler meist stramm parteipolitisch wählen, übernimmt Speckert die Führung.

Wie Voronkov trat er bei den letzten Grossratswahlen an. Er holte in Frick 299 Stimmen. «Das war ein Testlauf», sagt er. Dieser zeigte ihm, «dass ich im Dorf recht gut ankomme». Voronkov, dessen FDP in Frick rund halb so viele Parteistimmen holte wie die SVP, kam auf 106 Stimmen.

Mit Thomas Stöckli tritt Ende Jahr der Baudirektor ab. Es deutet derzeit wenig darauf hin, dass einer der amtierenden Gemeinderäte sein Departement übernehmen will. Der Neue muss also wohl den Bau übernehmen. Hier haben beide gleich viel – oder, je nach Perspektive, gleich wenig Erfahrung. Speckert war bei seiner Lehre als Elektromonteur oft auf Baustellen, Voronkov hat schon bei einigen Privatumbauten mitgewirkt.

Es sei zudem eine Frage das Einarbeitens, ist er überzeugt, und Speckert verweist darauf, dass der Gemeinderat für die fachspezifischen Fragen auf Profis in der Verwaltung zählen könne.

Einig sind sich die beiden Kandidaten in einem Punkt: Sie begrüssen es, dass der Bürger nun die Qual der Wahl hat. Mehr Kandidaten als Sitze sei «ein Zeichen der gelebten Demokratie», sagt Voronkov. Das mache «die Wahl spannend», so Speckert.