Dieser Fund ist ungewöhlich – und gefährlich: Das Personal eines Rheinfelder Recyclingwerks hatte vier Geschosse unterschiedlichen Kalibers im Alteisen entdeckt. Ein Mitarbeiter brachte diese am Montagmorgen kurzerhand auf dem Polizeistützpunkt Rheinfelden. «Der Beamte am Schalter schöpfte sofort den Verdacht, dass von den Geschossen noch Gefahr ausgehen könnte», sagt Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei. Aufgebotene Fachleute der Armee bestätigten diese Annahme. Sie identifizierten eines der Geschosse als scharfe deutsche 90 mm-Artilleriegranate aus dem Ersten Weltkrieg. 

Blindgänger-Alarm auf Polizeiposten

Blindgänger-Alarm auf Polizeiposten

Ohne es zu wissen, brachte ein Mitarbeiter des Recyclingunternehmens Thommen einen Blindgänger auf einen Polizeiposten. Das sagt man zum brisanten Fund.

Die Kampfmittel-Beseitiger transportierten den über 100-jährigen Blindgänger am Montagmittag mit einem Spezialfahrzeug ab. Das Gebäude der Polizei und Staatsanwaltschaft wurde dazu evakuiert und die Strasse davor gesperrt. Die drei übrigen Geschosse entpuppten sich als leer und ungefährlich.

Kontrolliert gesprengt

«Das darf als ungewöhnlicher Vorfall bezeichnet werden», sagt Graser. «Es kommt selten vor, dass Munition auf einen Polizeiposten gebracht wird – erst recht eine scharfe Granate.» Zuletzt seien im Aargau vor fast zehn Jahren zwei scharfe Granaten aus dem Ersten Weltkrieg gefunden worden. Damals in einem Keller eines Wohnhauses in Seon. Diese mussten daraufhin von Experten kontrolliert gesprengt werden. Das werde nun nach ersten Einschätzungen auch mit der Granate aus Rheinfelden passieren, sagt Graser. 

Der Beamte am Schalter habe gut reagiert. «Als Polizist ist man sich gewohnt, sich rasch auf eine Gefahrensituation einzustellen. Das kam ihm sicher entgegen», sagt Graser. Trotzdem sei es ein «mulmiges Gefühl», von den Experten über die Gefahren des Blindgängers informiert zu werden. 

Keinen Vorwurf macht Graser den Findern der Munition, obwohl diese die Gefahr wohl falsch eingeschätzt haben. «Wir sind in erster Linie froh, dass sie rasch reagiert haben und dass nichts passiert ist», sagt Graser. Wer die Munition im Recyclingwerk entsorgen wollte und wie sie in dessen Besitz gekommen war, ist derweil noch unklar. Die Kantonspolizei hat die entsprechenden Ermittlungen aufgenommen.

Polizeibilder vom Januar