Fussball-Randale
Polizeiauto demoliert: Aargauer FC-Basel-Ultra (20) erhält harte Strafe

Beim Fussballspiel FC Basel - FC Zürich vom April 2016 ist der erste Täter vom Basler Strafgericht der Sachbeschädigung und des Landfriedensbruchs schuldig gesprochen worden: Es handelt sich um einen heute 20-jährigen Mann aus Rheinfelden.

Patrick Rudin
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In Brand gesteckt: Der Schaden am Polizeiauto, das nach dem FCB-Spiel zerstört wurde, wird auf 92000 Franken beziffert.ZVG

In Brand gesteckt: Der Schaden am Polizeiauto, das nach dem FCB-Spiel zerstört wurde, wird auf 92000 Franken beziffert.ZVG

ZVG/ Polizei Baselland
Aargauer FCB-Ultra verurteilt

Aargauer FCB-Ultra verurteilt

Kapo BL

Es waren ausserordentlich wilde Randale nach einem Spiel im St. Jakob-Park zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich: Im April 2016 lieferten sich Matchbesucher und die Polizei eine regelrechte Schlacht auf der Eventplattform vor der Muttenzerkurve. Soweit man überhaupt Tatverdächtige ermitteln konnte, sollen die Fälle bald in Basel-Stadt vor Gericht landen (siehe Box). Am Montag wurde im Strafgericht in Muttenz lediglich der Teil jenes Tages aufgearbeitet, der sich auf Baselbieter Boden abgespielt hatte.

Bereits 2014 gewalttätig

Dort spazierte eine Horde von ungefähr 65 Personen über den Parkplatz vor der St. Jakobshalle, einige davon demolierten ein Polizeifahrzeug. Eine Überwachungskamera des Parkhauses zeichnete das Geschehen auf, die Aufnahmen reichten wegen der beschränkten Bildqualität für eine Identifizierung allerdings nicht aus. Die Bilder wurden gestern im Gerichtssaal in Muttenz vorgespielt: Die Meute spaziert relativ ruhig über den Parkplatz, einige Personen beschädigen die Scheiben, schliesslich wirft eine Person offenbar Pyrotechnik in das Fahrzeug. Allerdings ist auch zu sehen, wie jemand einen Pyro-Artikel aus dem Wagen entfernt und hinterher wegwirft. Der Spuk dauert nur wenige Sekunden.

Erwischt hat man von der Truppe nur eine Person: Die DNA eines heute 20-jährigen Mannes aus Rheinfelden klebte an einem Stein, mit dem eine Seitenscheibe des Fahrzeuges eingeschlagen worden war. Er ist kein Unbekannter: Im April 2014 war er dabei, als ein Mob von FCB-Anhängern eine Gruppe FCZ-Fans verfolgte und ihnen in Muttenz mit Gewalt die Fanartikel abnahm. Da der Jüngling aus Rheinfelden zum Tatzeitpunkt erst 16 Jahre alt war, kümmerte sich die Aargauer Jugendanwaltschaft um den Fall: Dort gab es einen Schuldspruch wegen Raubes, dieses Urteil ist rechtskräftig.

Stawa erhebt Anklage in 16 Fällen

Am 10. April 2016 kam es nach dem Fussballspiel FC Basel gegen den FC Zürich zu heftigen Ausschreitungen, zuerst auf der Eventplattform (auf Basler Boden), kurz später auch auf dem Parkplatz der St. Jakobshalle (auf Baselbieter Boden). Wie Peter Gill von der Basler Staatsanwaltschaft auf Anfrage der bz bestätigt, konnte man im Zusammenhang mit den Ausschreitungen auf der Eventplattform 16 Tatverdächtige identifizieren.

Hauptsächlich geht es dabei um Delikte wie Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Beamte sowie Sachbeschädigungen. An jenem Tag wurden auch mehrere Polizisten verletzt. Die Untersuchungsverfahren sind inzwischen offenbar abgeschlossen, bis September will die Staatsanwaltschaft in diesen 16 Fällen Anklage erheben. Unklar ist noch, ob weiterhin gegen jenen Polizisten ermittelt wird, der mit Gummischrot einem der Randalierer ins Auge geschossen hatte. (rud/haj)

Danach ging es auf die Galapagos-Inseln, in einem Tierschutzprojekt kümmerte er sich um die Aufzucht von Schildkröten. Ansonsten arbeitete er in einem Callcenter und betreibt Krafttraining und Kampfsport. Kurz nach seiner Rückkehr in die Schweiz war er dann am Match im April 2016 dabei. «Ich habe gesehen, wie ein Polizist einem Fan ins Gesicht geschossen hat. Dieser hat sein Auge verloren.

Das hat mich schwer schockiert», sagte der heute 20-jährige Mann. Danach habe er vom Stadion wegwollen und dann beim Polizeiauto den Stein geworfen. «In dem Moment hat es sich ein Stück weit für mich als richtig angefühlt. Aber im Nachhinein ist mir klar, dass das keine Lösung ist», meinte er. Er betonte auch, zwischen diesen beiden Vorfällen habe er nur wenig mit FCB-Spielen zu tun gehabt. Und er hätte sich auch nie vorstellen können, dass jemand dann noch eine Fackel ins Polizeiauto werfe.

«Fahrzeug nicht völlig zerstört»

Das Dreiergericht verurteilte ihn wegen Landfriedensbruchs sowie Sachbeschädigung mit grossem Schaden zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten auf Bewährung. «Sie sind im Mob mitgegangen, Sie wussten, was Sache ist. Sie sind ein Hooligan, auch wenn Sie das nicht gerne hören. Wo Nutella draufsteht, ist auch Nutella drin», kommentierte Gerichtspräsidentin Monika Roth das Urteil. Der Mann hat soeben eine Lehrstelle begonnen, dies erspart ihm wohl eine unbedingte Strafe.

Unklar bleibt die Schadenhöhe, das Tiefbauamt forderte 92 000 Franken für das demolierte Polizeifahrzeug. «Das Fahrzeug war nicht völlig zerstört», argumentierte Verteidigerin Manuela Schiller. Das Gericht verwies die Forderung auf den Zivilweg. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. In Münchenstein wurde an jenem Tag auch ein Verkehrspolizist angegriffen und verletzt. Wie Michael Lutz von der Baselbieter Staatsanwaltschaft bestätigt, hat man die Täter bis heute nicht erwischt.