Rheinfelden
Podiumsdiskussion: Fehlende Fachkräfte bereiten der Wirtschaft Sorgen

Wirtschaftsvertreter diskutierten in Rheinfelden die Folgen der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative in der Nordwestschweiz – und richteten dabei auch Wünsche an die Politik

Peter Rombach
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Thomas Kirchhofer, Urs Hofmann, Klaus Endress und Hansueli Bühler (v.l.) diskutierten in Rheinfelden über Sorgen und Wünsche der Wirtschaft. ach

Thomas Kirchhofer, Urs Hofmann, Klaus Endress und Hansueli Bühler (v.l.) diskutierten in Rheinfelden über Sorgen und Wünsche der Wirtschaft. ach

Das Votum «Gegen Masseneinwanderung» vom vergangenen Februar zeigt massive Nachwirkungen, wie das von der FDP organisierte Wirtschaftstreffen vom Dienstagabend im Schützenkeller dokumentierte. Politik und Wirtschaftsvertreter sind sich einig, dass auch in der Nordwestschweiz Fachkräfte fehlen.

Nicht nur in der Produktion, sondern auch in den Sektoren Forschung und Entwicklung sowie Dienstleistungen. Der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann verwies auf den «starken industriellen Sektor» im Kanton und warnte vor einem Schüren der Ängste: «Die Arbeitslosigkeit nimmt nicht zu, unsere Wirtschaft lebt von Zuwanderung.»

Kontingente vs. Freizügigkeit

Die angedachte Schaffung von Kontingenten für Grenzgänger hielt er wegen eines «drohenden Verteilungskampfes» für problematisch und verlangte klar eine «Abstimmung auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse». Der Aargauer Direktor für Volkswirtschaft und Inneres plädierte klar für Höherqualifikationen der inländischen Beschäftigten und mit Blick auf Frauen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familien speziell für eine optimierte Kinderbetreuung.

Aus der Sicht von Klaus Endress, Verwaltungsratspräsident der Endress+Hauser AG mit ihren Unternehmen im Dreiländereck, hat die Zuwanderung nicht geschadet: «Sie brachte uns Wohlstand.» Auch er klagte über Facharbeitermangel. «Die Kontingentierung ist ein Trauerspiel.»

Er kritisierte die Abstimmung und unterstellte mangelndes Hintergrundwissen, als da wären Problembereiche wie technische Handelshemmnisse, starker Schweizer Franken, Reglementierungen im öffentlichen Beschaffungswesen, Versorgungsauftrag der Landwirtschaft oder die Rangeleien um den Luftverkehr.

«Freizügigkeit ist das Entscheidende für wirtschaftlichen Erfolg», mahnte Endress stärkere Gemeinsamkeiten in den Unternehmenskulturen und damit im Arbeitsleben an, um mehr Arbeitslose und weniger Steuereinnahmen zu vermeiden.

Mehr als 30 Prozent aus der EU

Dass der Gesundheitssektor, auch angesichts der Alterspyramide, künftig noch an Bedeutung gewinnt, unterstrich Thomas Kirchhofer, CEO der Rheinfelder Parkresort Holding AG. «Alle wurden von der Heftigkeit der Reaktionen nach dem Urnengang überrascht», bekannte er mit dem Hinweis, dass von den knapp 380 Mitarbeitenden seines Unternehmens 62 Prozent Schweizer und 32 Prozent EU-Bürger sind.

Von Kontingenten hielt er nicht viel: «Mit unserem Standort als Dienstleister sind wir nicht wahnsinnig mobil», meinte er sarkastisch und formulierte schliesslich «Wünsche an die Politik»: Klarheit in Grundsatzentscheidungen, um Investitionsentscheidungen treffen zu können, Klärung der Kontingentverteilung, Minimierung der Bürokratie, mehr Investitionen in die Ausbildung von Fachpersonal im eigenen Land sowie günstige fiskalische Rahmenbedingungen.

Die Podiumsdiskussion signalisierte, dass viele Ängste und Emotionen geschürt worden seien, dass in die Fortbildung der älteren Mitarbeitenden ebenfalls investiert werden müsse, dass Sprachen in der Schule ebenso wichtig seien, wie technisch-naturwissenschaftliche Fächer und Verhandlungen mit der EU nicht abgebrochen werden dürften.

Regierungsrat Urs Hofmann brachte es auf den Punkt: «In Brüssel auf den Tisch klopfen und meinen, die machen wegen der kleinen Schweiz dann Männchen, ist ein Irrtum.»