Das historische, unter Denkmalschutz stehende Ensemble von Schloss Beuggen auf der badischen Rheinseite befindet sich derzeit im Eigentum der Evangelischen Landeskirche Baden. In diesem Frühjahr beschloss allerdings eine Synode, sich von teuren Kirchenimmobilien zu trennen, darunter Schloss Beuggen.

Ein Aufschrei ging durch die Hochrheinregion, weil Gebäude und Parkanlagen seit vielen Jahren nicht nur Schauplatz bedeutender Grossveranstaltungen wie Künstler- und Töpfermarkt oder Gartenmesse sind, sondern auch viel Raum für Klassik-Konzerte, Spiritualität und ganz allgemein religiöse Begegnungen bieten. Mit über 40 Prozent Schweizer Gästeanteil an diversen Events ist man in der Verwaltungsleitung mehr als zufrieden und will nicht gleich die Fahnen einholen, weil radikale kirchliche Sparszenen anstehen.

Der Oberbürgermeister von badisch Rheinfelden, Klaus Eberhardt, hatte in einem Schreiben an den Landesbischof in Karlsruhe sein «Bedauern über die sehr ungewisse Zukunft von Schloss Beuggen» zum Ausdruck gebracht. Es gehe um eine «Zukunftsgestaltung des Standortes für kirchliche Zwecke», erinnerte Eberhard an Investitionen in jüngster Vergangenheit, um den Beherbergungsbetrieb zu optimieren und auch einen neuen Tagungsleiter einzustellen.

Die Stadt habe immer wieder Anstrengungen unternommen, Schloss Beuggen bekannt und seine Veranstaltungen einem «grösseren Kreis von Institutionen» bekannt zu machen. Der Oberbürgermeister verwies ferner auf eine «sehr gute Möglichkeit der Kommunikation» der Kirchen über Landesgrenzen hinweg. Und er schreibt Klartext an die bischöfliche Adresse: «Bedauerlich finde ich, dass wir nicht in vertraulichen Gesprächen die Möglichkeit gemeinsamer Initiativen und Perspektiven erörtert haben.»

Vielfach zertifiziert

Bereits im Frühjahr 2010 wurde die Evangelische Tagungs- und Begegnungsstätte Schloss Beuggen erstmals nach dem europäischen Öko-Audit EMAS (Eco Managment and Audit Scheme) zertifiziert. Am 20. Mai 2014 fanden die erfolgreiche Revalidierung und der erneute Eintrag in das EMAS-Register der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK) statt. Morgen Dienstag, 17. Juni, wird Schloss Beuggen die neue Urkunde durch Michael Zierer von der IHK überreicht.

Verwaltungsleiterin Petra Rieckmann freut sich riesig und ist stolz auf diese neue Auszeichnung und ergänzt: «Schloss Beuggen hat auch wieder die Umweltzertifizierung der Evangelischen Landekirche in Baden, den Grünen Gockel, erhalten.» Insofern wird auch ein Vertreter des Büros für Umwelt und Energie der Landeskirche in Baden kommen. «Aus unserer neuen Umwelterklärung ist klar zu entnehmen, dass wir bereits viel erreicht und uns auch noch einiges vorgenommen haben», so Petra Rieckmann, die an eine gute Zukunft von Schloss Beuggen glaubt.

Teure Immobilie

Oberkirchenrat Stefan Werner, Referatsleiter Gemeindefinanzen und Bau in Karlsruhe, beurteilt die neuen Zertifizierungen für einen «normalen Vorgang». Und er gestattet keine Zweifel mit Blick auf das Kirchenparlament: «Die Synode hat entschieden, Schloss Beuggen abzugeben, weil es mit Abstand die teuerste Immobilie ist.» Ganz offen nennt er auch Zahlen: Die jährlichen Abschreibungen von 520 000 Euro im Bereich Gebäudeunterhalt können nicht erwirtschaftet werden; das Betriebsdefizit von ehemals 280 000 liess sich auf 30 000 Euro abbauen. Spätestens 2020 will sich die Kirche aus der Verantwortung zurückziehen.

Stefan Werner: «Wir streben eine kirchennahe Lösung an und können an einem Konstrukt arbeiten, das Chancen für Schloss Beuggen eröffnet.» Mit dem Rheinfelder Oberbürgermeister habe es vor drei Wochen ein «sehr angenehmes und einvernehmliches Gespräch» gegeben, freut sich der Oberkirchenrat. Es bleibe Zeit, um gemeinsam eine Konzeption hinzukriegen, verbreitet er einen Hauch von Hoffnung.