Der Planungsverband Fricktal Regio ist ein Gemeindeverband. Aber kein gewöhnlicher. Andere Gemeindeverbände haben eine klar umrissene Aufgabe. Zum Beispiel die Führung einer Kreisschule, die Abfallbeseitigung oder den Betrieb einer Kläranlage.

Nicht so der Planungsverband Fricktal Regio, kurz auch Repla genannt. Die Repla vertritt zum einen die Anliegen ihrer Mitgliedsgemeinden gegenüber dem Kanton in allen möglichen Belangen. Sie hat zum andern aber auch vom Kanton zugewiesene Aufgaben zu erfüllen. Und es kommen laufend neue dazu.

Daraus ergibt sich eine Sandwichposition, die es den Verantwortlichen nicht immer einfach macht. Kommt hinzu, dass die Interessen der 36 Gemeinden zwischen Leibstadt und Kaiseraugst sehr unterschiedlich sind und sich nicht immer unter einen Hut bringen lassen. Entsprechend differenziert fällt dann die Zufriedenheit mit der Repla aus.

Ein paar Beispiele, welche die zwiespältige Wahrnehmung verdeutlichen: Sehr beliebt ist das Gemeindeseminar. Die alljährliche Veranstaltung richtet sich an Behörden und Verwaltungen der Mitgliedsgemeinden. An zwei Tagen im Januar werden aktuelle Themen nach dem Motto «Aus der Praxis für die Praxis» aufgegriffen und vertieft. Hochkarätige Fachreferate werden mit Praxisbeispielen ergänzt.

Aber auch Regierungsräte und Chefbeamte der kantonalen Verwaltung schätzen und nützen die Gelegenheit, ihre Anliegen im direkten Kontakt mit dem Bodenpersonal in den Gemeinden zu diskutieren. Den Gemeindevertretern bietet die Veranstaltung den perfekten Rahmen, ihre Wünsche und Sorgen an oberster Stelle vorzubringen. Daneben besteht genügend Raum zum Gedankenaustausch unter den Teilnehmern. Andere Regionen beneiden das Fricktal um diesen Anlass.

Ebenso beliebt und immer gut besucht ist das von der Repla organisierte Wirtschaftsforum. Es findet jeweils im September statt und bietet eine ideale Plattform, auf der sich Wirtschaftsvertreter und politische Behörden der Region treffen. Nicht nur die Referate werden geschätzt, für die jeweils zahlreichen Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft ist der anschliessende Apéro ebenso wichtig. Hier ist intensives Netzwerken angesagt. Eine Art Mini-WEF.

Die Repla erfüllt aber auch Aufgaben, die nicht nur eitel Freude und Sonnenschein verbreiten. Zum Beispiel bei der regionalen Abstimmung von kommunalen Nutzungsplanungen. Die zuständige kantonale Stelle behandelt die Anträge der Gemeinden für die Revision von Bauzonenplänen nur, wenn auch die Repla ihre Stellungnahme dazu abgegeben hat. Diese stützt sich neben gesetzlichen Vorgaben auf das Regionale Entwicklungskonzept. Und da liegt es auf der Hand, dass den Gemeinderäten die regionale Sichtweise nicht in jedem Fall passt.

Ebenso kontrovers geht es bei der Zusammenlegung von Schulen zu. Die Replas werden gemäss kantonalem Gesetz bei der Planung von Oberstufenzentren beigezogen. Sowohl beim seinerzeitigen Projekt REGOS (Regionalisierung der Oberstufe) wie auch im Vorfeld der Abstimmung zum Bildungskleeblatt organisierte Fricktal Regio zusammen mit dem kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport «Runde Tische» für die Bildung neuer Oberstufen-Schulkreise. Auch hier stand die Repla zwischen zum Teil sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Kanton und Gemeinden.

Gar keine Lorbeeren kann sich der Planungsverband bei einer völlig neuen Aufgabe holen. Künftig wird im Fricktal beim Bauen mehr Aushubmaterial anfallen, als ausgebeutete Kiesgruben für deren Deponierung zur Verfügung stehen werden. Damit der saubere Aushub nicht zu weit weggekarrt werden muss, sollen die Regionen für zusätzliche Deponien sorgen. Die Suche nach möglichen Standorten wird nach einer detaillierten Wegleitung des kantonalen Amtes für Umwelt von externen Fachleuten durchgeführt.

Die Planungsverbände haben die Evaluation zu begleiten und für die strikte Einhaltung der Vorgaben zu sorgen. Sie organisieren Veranstaltungen und stellen die Kommunikation zu kantonalen und kommunalen Behörden sicher. Insgesamt eine aufwendige, aber auch sehr undankbare Aufgabe. Wer will schon eine Deponie in seiner Nähe haben, auch wenn es sich nur um sauberen Aushub handelt. Der Zorn von möglichen Betroffenen ist den Replas und ihren Exponenten sicher. Eine bittere Erfahrung, die auch Fricktal Regio mit einem solchen Projekt vor nicht allzu langer Zeit machen musste.

Es ist nicht verwunderlich, dass das Wirken der Repla unterschiedlich beurteilt wird. Die einen mögen sie. Andere weniger. Und als ob das für den Verbandsvorstand nicht schon schwierig genug wäre, kommen jetzt noch eine Lokalzeitung aus dem unteren und ein Kommunikationsfachmann aus dem oberen Fricktal und hauen die Repla in die Pfanne. In meinen Augen zu Unrecht. Darum mein Gratistipp an die Schreiberlinge: An der Abgeordnetenversammlung von Fricktal Regio teilnehmen, sich ein Bild machen, konkrete Vorschläge einbringen statt polemisieren.

Die Versammlung ist nämlich öffentlich. Gäste sind willkommen. Und der Apéro ist super.