Der «Bönigeischt» singt in einem seiner Schnitzelbänke an der diesjährigen Fasnacht von den Pannen im Atomkraftwerk in Leibstadt – und spasseshalber von einer möglichen Ursache: «Si sueche wuchelang, werums dauernd Pannene git, plötzlich merkt ein, dass s Problem z Zeinige litt. De schreit juhuii, ich ha dr Fähler ändlich gfunde, s passiert immer, wenn sie d Lampe ischalte i dr Hanfplantage unde.»

Der Schnitzelbank zeigt: Die im Januar eröffnete Hanf-Plantage im ehemaligen Garten-Center Blueme Kari am Dorfrand zwischen Zeiningen und Möhlin ist Gesprächsthema in der Region.

«Die Pflanzen sind legal»

Gemeinde und Betreiberin waren sich schon vor der Eröffnung bewusst, dass die Anlage zumindest für Diskussionen sorgen würde. Anfang Jahr informierte die Gemeinde daher auf ihrer Website über das Vorhaben. «Es hatte sich damals bereits ein Einwohner gemeldet und nach der Anlage gefragt. Deshalb war es sowohl uns als auch dem Betreiber wichtig, Transparenz zu schaffen», sagt Gemeindeschreiberin Sheena Heinz. Die Kernaussage der Mitteilung: Die in der Plantage wachsenden Pflanzen sind legal. Die Blüten weisen einen THC-Gehalt von unter einem Prozent auf und fallen damit nicht unter das Betäubungsmittelgesetz.

Stevens Senn, Geschäftsführer bei der Betreiberin Pure Production, weiss, mit was Hanf in der Öffentlichkeit in Verbindung gebracht wird: illegalen Plantagen und Drogendeals. Entsprechend wichtig sei ihm die Information der Bevölkerung gewesen, sagt er. «Seit wir hier sind, haben wir einige Reaktionen erhalten – die meisten davon sind positiv ausgefallen.» Reklamationen sind weder bei ihm noch bei der Gemeinde eingegangen. «Das zeigt, dass die Zeininger Bevölkerung offen und ohne Vorurteile mit uns umgeht», freut sich Senn. «Wir haben uns wunderbar eingelebt.»

Hanf-Duft im Dorf

Knapp 6000 Hanf-Pflanzen wachsen derzeit in der Indoor-Anlage. Die Vorbereitungen, um die Produktion auf die Gewächshäuser und eine Outdoor-Anlage zu erweitern, laufen. «Insgesamt sollen dereinst 20 000 Hanfpflanzen am Standort wachsen», sagt Senn. Rund die Hälfte davon im Freien. Je nach Windrichtung werde im Dorf dann wohl auch etwas von den Pflanzen zu riechen sein. Der süssliche Geruch soll sich aber «im Rahmen halten und kein unangenehmes Ausmass erreichen», verspricht Senn.

Neben der Vergrösserung der Anlage werde auch ein umfassender Besucherbereich eingerichtet. Auch hier geht es darum, Transparenz zu schaffen. «Wir haben nichts zu verbergen – ganz im Gegenteil. Die Besucherinnen und Besucher sollen die Hanf-Pflanze von ihren wenigen bekannten Seiten kennen lernen», sagt Senn. So sollen im Ladenlokal der Plantage unter anderen Hanf-Würste, Hanf-Pesto, Hanf-Tee oder auch Hanf-Kleidung angeboten werden.

Ein Erlebnishof ist geplant

Daneben sind unter anderem eine Spielecke für Kinder, ein Grillplatz, ein Labyrinth aus Hanf-Pflanzen sowie ein Sitzplatz vorgesehen. In einer «Besucherarea» können Interessierte ausserdem den Angestellten über die Schulter schauen. Der gesamte Hanf-Erlebnishof soll Mitte Mai eröffnet werden. «Wir nehmen uns gerne die Zeit, der Bevölkerung unser Metier zu zeigen», sagt Senn.