Im Gedenken
Pius Binkert (†95): Einer der profiliertesten Unternehmer der Schweiz

Martin Binkert
Drucken
Teilen

Pius Binkert ist am 22. April im Alter von 95 Jahren gestorben. Von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre gehörte er zu den profiliertesten Unternehmern der Schweiz. Während 17 Jahren (1977 bis 1994) war er Verwaltungsratspräsident der international tätigen Forbo Gruppe, eines führenden Herstellers von Boden- und Wandbelägen sowie Klebstoffen.

Eine wichtige Bedeutung erlangte er ab 1987 als Verwaltungsrats-Präsident des in Schieflage gekommenen Alusuisse-Lonza-Konzerns (Präsident des Verwaltungsrates 1987 bis 1991, VR-Mitglied 1992 bis 1993). Nach der schwierigen Ära Meyer und dem Übergangspräsidium von Alt-Bundesrat Nello Celio erreichte der Konzern unter seiner Ägide zusammen mit einer kompetenten Konzernleitung wieder die Gewinnzone. Pius Binkerts unternehmerische Weitsicht, verbunden mit seinem konzilianten, aber klaren und bestimmten Auftreten, fiel auch anderen auf. So wurde er in das Aufsichtsgremium der Schweizerischen Rentenanstalt, der späteren Swiss Life, und des Schweizerischen Bankvereins, der in der UBS AG aufging, berufen.

Stark prägte ihn seine Herkunft. Aufgewachsen mit drei Brüdern in der Altstadt von Laufenburg, kam er von Kindsbeinen an hautnah mit dem Gewerbe in Berührung. Sein Vater leitete eine Druckerei mit der Lokalzeitung «Der Frickthaler». Seine Mutter führte die Buchhaltung und eine Papeterie. Schon als Jugendlicher stellte er sich einen Beruf in der Wirtschaft vor.

Nach der Bezirksschule in Laufenburg und dem Handelsdiplom am Kollegium Schwyz bestand er die Matura auf Französisch am Collège St. Michel in Fribourg. Anschliessend bildete er sich an der Universität Zürich und in der grafischen Branche weiter. Als Kaufmann leitete er den elterlichen Betrieb ab 1948 und wohnte in Laufenburg. 1951 heiratete er Yolanda Gerster aus Laufen. 1953 folgte er dem Angebot seines Schwiegervaters als Leiter des Verkaufes und zog nach Laufen, wurde Mitglied der Geschäftsleitung, Direktor und Delegierter des Verwaltungsrates der AG für Keramische Industrie Laufen. Pius Binkert wirkte massgeblich am internationalen Aufbau der Keramik Laufen Gruppe mit, welche er zusammen mit seinem Schwager, Rainer Weibel, leitete. Bis zu seinem 65. Altersjahr war er Delegierter des Verwaltungsrates, bis zum seinem 72. Jahr Mitglied des Verwaltungsrates. Der Verkauf der Keramik Laufen im Jahre 1999, gegen den er sich bis zuletzt wehrte, schmerzte ihn sehr.

Geprägt von den Bedrohungen im Zweiten Weltkrieg unmittelbar an seinem Wohnort engagierte er sich stark im Militär. Er wurde Oberst im Generalstab und führte ein Radfahrerregiment. Eine Ernennung zum Brigadier lehnte er ab, da er diese Aufgabe zeitlich nicht mehr mit seinen unternehmerischen Aufgaben hätte verbinden können.

Stets wichtig waren ihm seine Frau und seine sechs Kinder. Er pflegte das Familienleben und verfolgte engagiert die Entwicklung der Familien seiner Kinder. Im Alter verlegte er seinen Wohnsitz nach Weggis. Der elterlichen Firma in Laufenburg blieb er als Eigentümer, VR-Präsident und Ehrenpräsident verbunden. Pius Binkert war ein sehr guter Schütze und ein passionierter Jäger. Er liebte die Erholung in der Natur, las gerne und schätzte klassische Musik.

Bis weit über sein 90. Lebensjahr fuhr er noch allein Bus und Zug, nur gestützt auf seinen Stock. Bis zuletzt zeigte er sich sehr interessiert am täglichen Geschehen sowohl in seinem familiären Umfeld wie auch in Wirtschaft und Politik. Am Ostermontag ist er friedlich eingeschlafen, nachdem seine Familie sich von ihm verabschiedet hatte.

Aktuelle Nachrichten