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Pilotprojekt: Über 200 Tonnen Kunststoffe gesammelt – es werden aber neue Absatzwege gesucht

Gisela Taufer zeigt geschredderten Kunststoff, Thomas Heim das Granulat, aus dem neue Produkte hergestellt werden. hgr

Gisela Taufer zeigt geschredderten Kunststoff, Thomas Heim das Granulat, aus dem neue Produkte hergestellt werden. hgr

Die Studie zur Kunststoffsammlung zieht positives Fazit – doch es fehlen noch Abnehmer.

Die Auswertung des Pilotprojekts kommt zum Ergebnis, dass sich die Kunststoffsammlung des Gemeindeverbandes Abfallbewirtschaftung Unteres Fricktal (GAF) und die Wiederwertung des Wertstoffes in der Energiebilanz bewähren. Zur Verbesserung gilt es noch weitere Absatzwege zu finden. Der GAF will die Sammlung fortsetzen.

«Das Hauptproblem ist der Gesamtaufwand und nicht die innere Energie», stellt Thomas Heim, Leiter des Zentrums für Ressourceneffizienz an der Fachhochschule Nordwestschweiz, fest. Er kritisierte das Argument, wonach Kunststoffabfall in der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) thermisch zu verwerten günstiger sei, als ihn zu rezyklieren. Dies, weil dabei nur die innere Energie und nicht der Gesamtaufwand der Herstellung neuer Kunststoff-Granulate betrachtet werde. Auf Basis des Gesamtaufwandes könne über die KVA ein Drittel der Energiekosten der Herstellung zurückgewonnen werden, bei nur einmaligem Recycling aber schon 60 Prozent. Und wenn man Kunststoffe zweimal wiederverwerte, dann steige dieser Wert auf 100 Prozent an, erklärte Heim, den der GAF zusammen mit seinem Kollegen Joris Strassburg beauftragt hatte, die Kunststoffsammlung des GAF zu untersuchen.

200 Tonnen Kunststoffe

Ende Oktober 2016 startete der GAF eine gemischte Kunststoffsammlung als Pilotprojekt in allen zehn Aargauer und sechs Baselbieter Gemeinden mit rund 46 800 Einwohnern, um Kunststoffabfall dem Wertstoffkreislauf zurückzuführen. Für 1.40 Franken können die Einwohner einen Kunststoffsammelsack erstehen, der, vor die Haustür gestellt, alle zwei Wochen mit einem Kleintransporter abgeholt wird. Walter Jucker vom GAF-Vorstand schätzt, dass etwa ein Drittel der Haushalte regelmässig an der Kunststoffsammlung teilgenommen hat. Und GAF-Präsidentin Gisela Taufer sagte, dass bis Ende Oktober 2018 200 Tonnen Kunststoffe gesammelt wurden.

Kunststoff ist allerdings nicht gleich Kunststoff. «Wir wissen ganz genau, was in den Säcken drinnen ist, weil wir eine Handsortierung gemacht haben», so Taufer. In den Haushalten fallen vor allem Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), gemischte Hartkunststoffe (GHK) und Polyethylenterephthalat (PET) an. Taufer erklärte, dass aus PET meistens Verpackungsschalen für Obst bestehen, PET und auch gemischte Hartkunststoffe aber noch nicht wiederverwertet werden, da noch ein Abnehmer dafür fehlt. Etwa 24 Prozent Fremdstoffe wurden aussortiert, die der thermischen Verwertung in der KVA zugeführt wurden. PET und GHK machten weitere 24 Prozent aus, die bis zur Erschliessung entsprechender Absatzwege in einem Zementwerk thermisch verwertet werden. Die Kunststoffarten PE, PP und PS werden von einem Recyclingunternehmen zu 85 Prozent in Granulat verarbeitet, aus dem neue Produkte hergestellt werden können.

Antrag: Sammlung weiterführen

Heim schätzt allerdings, dass nur zehn Prozent des anfallenden Kunststoffabfalls im GAF-Gebiet gesammelt würde. Das Fazit der Studie fiel gegenüber dem Konzept der Wiederverwertung insgesamt positiv aus, da die Energiebilanz beim Recycling angesichts des kumulierten Energieaufwandes eines Produktes besser ausfalle als eine thermische Verwertung, die ohnehin noch am Schluss des Lebenszyklus der Produkte erfolge. «Papier kann man vier bis fünfmal in den Kreislauf bringen. Das geht mit Kunststoff auch», meint Heim. Der GAF müsse aber noch weitere Absatzwege erschliessen, um den hohen Ausschuss zu senken.

Der GAF-Vorstand habe entschieden, auf der Abgeordnetenversammlung den Antrag zu stellen, die Kunststoffsammlung fortzusetzen, so Taufer und verwies darauf, dass auch der Grünschnitt jahrelang querfinanziert wurde, bis sich das Konzept etabliert hatte. GAF-Vizepräsidentin Marina Zimmermann sagte: «Das Ziel ist es, so viele Wertstoffe wie möglich zu sammeln.»

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