Laufenburg

Pilotprojekt der Energiedienst Holding AG: Entsteht hier bald Treibstoff aus Wasserkraft?

Christian Bersier erläuterte den Anwesenden die sogenannte Power-to-Liquid-Anlage, die bis in einem Jahr in Laufenburg stehen soll. ach

Christian Bersier erläuterte den Anwesenden die sogenannte Power-to-Liquid-Anlage, die bis in einem Jahr in Laufenburg stehen soll. ach

Die Energiedienst Holding AG plant beim Kraftwerk Laufenburg eine Pilotanlage, um Strom zu synthetischem Diesel umzuwandeln.

Die Energiedienst Holding AG (ED) will gemeinsam mit Partnern beim Kraftwerk Laufenburg auf Schweizer Seite ein bislang einmaliges Projekt realisieren, das Strom aus Wasserkraft zu synthetischem Treibstoff und Wachsen transformieren kann. Eine Demonstrationsanlage steht derzeit im Energiedienstzentrum in Badisch Rheinfelden.

Zweifellos ist es ein ehrgeiziges und gleichzeitig innovatives Ziel mit Blick auf die angestrebte Energiewende. Projektleiter bei Energiedienst ist Christian Bersier, vorher zuständig für Finanzen und Controlling. Am Donnerstagabend erhielten speziell Einwohner von Laufenburg die Chance, sich umfassend zu informieren. Bersier verdeutlicht dabei: «Der vor Ort im Wasserkraftwerk produzierte Ökostrom erzeugt durch Elektrolyse Wasserstoff. Dieser wird mit CO2 aus der Luft oder biogenen Anlagen zusammengebracht und letztlich zu Kohlenwasserstoffen synthetisiert.»

Wärme für Wohnquartiere?

Die Kohlenwasserstoffe könnten zu synthetischem Diesel – sogenannten e-fuels – für CO2-freies Autofahren und zu Wachsen, zum Beispiel für die Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie, umgewandelt werden. Zudem entstehe durch den Prozess Wärme, die sich etwa für eine Versorgung von Wohnquartieren eigne, doch dazu stünden noch Verhandlungen mit der Stadt aus.

Beim Projekt arbeitet ED mit dem Karlsruher Unternehmen Ineratec GmbH zusammen, das sich auf Mikroverfahrenstechnik spezialisiert hat und kompakte wie dezentral einsetzbare Pilotanlagen konstruiert. «Die komplette Technik passt in einen Schiffscontainer», skizziert Christian Bersier den Platzbedarf. Er versichert, dass die Detailplanung schon weit fortgeschritten sei und rechnet damit, noch diesen November die Baueingabe bei der Stadt Laufenburg sowie einen Fördermittelantrag beim Kanton Aargau stellen zu können. Man erwarte dann positive Bescheide im März 2018, sodass kurz danach auch der Bauentscheid falle. Mit einer Inbetriebnahme dürfe dann im November 2018 gerechnet werden, zeigt sich der Projektleiter optimistisch. Nach aktuellen Berechnungen erfordert die Investition in die Pilotanlage vier Millionen Franken; es wird von einer Jahresproduktion von 400 000 Litern ausgegangen, wobei der Dieselpreis dabei mit zwei Franken je Liter kalkuliert ist.

In Fragerunden interessierte die Laufenburger Gäste, speziell jene aus den nahegelegenen Überbauungen, insbesondere eine mögliche Umweltbelastung durch Lärm- oder Geruchsemissionen. Spezialisten von ED und der Karlsruher Firma versicherten, dass vom Elektrolyseprozess «keinerlei Gefahren» ausgingen, dass auch die Ventilatoren zur Absorption von CO2 aus der Umgebungsluft «sehr langsam und damit leise» drehen würden. Zudem stehe die Anlage in einem geschlossenen Container, in den die notwendigen Leitungen führten.

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