Fast zum Anfassen lebendig waren die etwas verschrobenen, liebenswerten Figuren der drei Geschichten des Schweizer Schriftstellers Roger Graf, die die beiden Schauspieler Michael Schacht und Heinz Margot beim Startschuss zur «Philip Maloney»-Lesetour 2017 nach Wittnau in die Mehrzweckhalle mitgebracht hatten. «Der geheimnisvolle Wald» war in diesem Jahr das Thema und wie immer haarsträubend die Fälle, exklusiv für diese schweizweite Lesetour geschrieben.

Im uralten Trenchcoat, Modell vergangenes Jahrhundert, und ausgebeulten Hosen gab Michael Schacht den eigenwillig knarzigen Privatdetektiv Philip Maloney, manchmal auch etwas melancholisch. Mit Schalk und grossartiger Mimik malte Heinz Margot ein vergnügliches Bild aller anderen Typen in diesen Krimis.

Wahrscheinlich genau das Richtige für den kopfschmerzgeplagten Maloney war es, als er in der ersten Geschichte hinaus in den geheimnisvollen Wald musste. Die ziemlich streng riechende Laura Schwarz vermisste ihren Mann. Es ist derweil Ehemann Nummer 3. Die Todesursachen der anderen zwei Verblichenen waren nicht eben alltäglich, sodass der Dame hinter vorgehaltener Hand schon das Münchhausenstellvertretersyndrom angehangen wird.

Nirgendwo wurde ihr Mann gesehen, auch nicht bei dessen Bruder mit reichlich gewöhnungsbedürftigen Essgewohnheiten und einem ebensolchen Sparsamkeitsfimmel.

Ertrunkener in geklautem Auto

Im Wald trifft Maloney auf teils recht skurrile Menschen mit eigenwilligen Ansichten, zum Beispiel über das Meine und Deine und die daraus resultierende Besitzstände. Ein ertrunkener Herr Ferrari im geklauten Auto wird in einem Weiher gefunden, der Kommissar erfährt Erstaunliches zur Philosophie verschwundener Gegenstände, er trift auf einen Schatzsucher und verheddert sich herrlich komisch in die Tücken eines hochmodernen, automatischen Telefonanschlussvermittlers.

Glänzende Augen bekam Maloney beim zweiten Fall. Hoffnungsfroh die Aussicht auf ein fürstliches Honorar. Dass wie so oft im Leben Wunsch und Realität auseinanderklaffen, musste er zum Schluss schmerzlich erfahren. Gesucht wurde diesmal eine wild um sich schiessende Person, die mit der Armbrust scheinbar wahllos Leute verletzte oder tötete. Heimgesucht wurde bereits ein Umweltschützer, dessen letzte Worte waren: werde grün. Eine Pflanzenversteherin steht am Wegesrand und ein Pferdeflüsterer treibt es mit dem grössten Vergnügen auf der Kutsche. Klar, dass dabei spöttisch-witzige Sprüche zum Irrsinn des Alltags gemacht werden, die Politik mit Ironie bedacht wird sowie manche wichtigen Leute, die wie Philip Maloney findet, «in ihrem Gehirn blättern wie in einem Buch, dem die meisten Seiten fehlen».

Auch in der Zugabe «Jagdsaison» begegneten den Gästen reichlich verrückte, aber immer auch irgendwie berührende Menschen. Ein wunderbar amüsanter Abend mit dem ganz speziellen Maloney-Humor.