Unterwegs ein paar Kirschen frisch vom Baum stibitzen – an den «Pflück-mich-Bäumen» im Jurapark ist das erlaubt. Dreizehn Bauern haben bereits Bäume angemeldet, die Wanderer, Spaziergänger oder Velofahrer zum Naschen einladen. «Es kommen dann auch noch andere Bäume, wie Zwetschgen, Birnen und Äpfel dazu», sagt Christine Neff, Co-Geschäftsleiterin vom Jurapark Aargau.

Einer von den teilnehmenden Landwirten ist Thomas Gisin aus Zuzgen. «Ich habe es mit Nachbarn diskutiert und dann entschieden, das ist eine gute Sache. Damit kann man der Bevölkerung etwas zurückgeben, die ja auch viel tut für die Landwirtschaft», sagt er. Entlang dem Fricktaler Höhenweg spaziert man an Gisins «Pflück-mich-Bäumen» vorbei. Mit einer Tafel ist signalisiert, wo man pflücken darf. «Es geht um die Wahrnehmung einer erlebnisreichen Landschaft. Diese wollen wir erhalten und aufwerten», erklärt Victor Condrau, Landschaftsarchitekt, der für die Planung des Projekts zuständig ist.

Eine Win-win-Situation

Die Bäume sind allesamt Hochstammbäume, die charakteristisch sind für das Landschaftsbild im Fricktal. 13 000 solche Hochstammbäume standen einmal in der Gemeinde Zuzgen. Auf Condraus Quizfrage, wie viele davon heute wohl noch stehen, schätzt Gemeinderat Daniel Hollinger 80 Prozent weniger. Damit liegt er nicht weit entfernt vom tatsächlichen Rückgang um 70 Prozent in der Gemeinde Zuzgen.

«Es ist ein alljährliches Thema, die Bauern haben zu wenig Pflückhelfer», sagt Petra Bachmann, Projektleiterin Naturschutz beim Jurapark Aargau. Und fremde Helfer anstellen wollen viele nicht, aus Angst vor Unfällen. Unter anderem deswegen werden immer mehr Obstbäume nicht mehr geerntet. Diese ungenutzten Bäume können als «Pflück-mich-Bäume» angemeldet werden. «Sozusagen eine Win-win-Situation», so Bachmann. Denn für jeden zur Verfügung gestellten Baum erhält der Bauer 100 Franken. Maximal fünf Bäume kann ein Bauer beim Jurapark anmelden.

Landwirt Thomas Gisin sieht im «Pflück-mich-Angebot» eine gute Lösung für die ungenutzten Bäume. «Es gibt so viel Obst, das im Herbst einfach runterfällt und nur noch den Amseln für den Winter dient. Die Leute meinen oft, sie dürfen nichts mitnehmen, dabei sind einige Bauern froh, wenn etwas geholt wird.»

Pflückhelfer gesucht

Natürlich ist das kein Aufruf, überall einfach mitzunehmen. «Wir wollen die Leute darauf sensibilisieren, dass an gewissen, markierten Orten gepflückt werden darf», so Condrau. Ebenfalls erhofft man sich, so den einen oder anderen fürs Kirschenpflücken begeistern zu können. Die neue Homepage www.hochstammboerse.ch ist eine Plattform für Bauern, die Hilfe suchen, und Pflückhelfer, die ihnen unter die Arme greifen möchten.

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