Der Auftrag von Kurator Markus Fricker ist klar: Er soll für einen Neustart sorgen. Aus diesem Grund wurde er von der Landeskirche in die Reformierte Kirchgemeinde in Frick eingesetzt.

Dies deshalb, weil es dort rumorte und die Kirchenpflege nach dem Rücktritt von Präsidentin Bettina Roth nicht mehr beschlussfähig war. Für einen Neustart entschied Fricker im November letzten Jahres, Pfarrer Johannes Siebenmann nicht mehr für die Wiederwahl für die neue Amtsperiode 2019–22 vorzuschlagen.

Seine Entscheidung sei keine Schuldzuweisung, «denn mehrere Parteien haben Fehler gemacht», sagte Fricker damals gegenüber der AZ. Dennoch sei sie notwendig «für einen ersten Schritt in eine positive Zukunft» und, «um Blockaden und Spannungen zu lösen».

«Ein einseitiger Entscheid»

Nun meldet sich Pfarrer Johannes Siebenmann erstmals zu Wort. «Der einseitige Entscheid von Kurator Markus Fricker hat mich irritiert, weil ich ihn nicht verstehe.» Über die Gründe, warum Fricker ihn nicht vorschlägt, hingegen aber Pfarrerin Verena Salvisberg, die nach überstandener Krankheit wieder zurückgekehrt ist, will er nicht spekulieren.

Auf die Frage, ob sich Siebenmann, wie von Fricker ausgemacht, auch als Teil dieser Blockaden und Spannungen sieht, verweist er auf die Mitglieder der Kirchgemeinde.

So seien es diese, die den Dienst der verschiedenen Mitarbeiter der Kirche erfahren und daher am besten wüssten, was die Gründe für die Spannungen und Blockaden seien.

«Ich habe mir gewünscht, dass die Spannungen und Blockaden im Team, in der Kirchenpflege und in der Gemeinde in einem Mediationsverfahren hätten angesprochen und abgebaut werden können», so Siebenmann, der diesen Wunsch wiederholt geäussert habe. «Leider sind vertiefte Gespräche und eine Mediation nicht zustande gekommen.»

Einen Vorwurf macht Siebenmann Kurator Markus Fricker nicht, da er die Leitung der Kirchgemeinde in einer sehr komplexen Situation übernommen habe. «Ich schätze seine Bemühungen durchaus. Darüber hinaus bin ich dankbar, dass er mir im vergangenen Jahr neue Wege in der Konfirmandenarbeit zugestanden hat», so Siebenmann.

Nach dem Entscheid der Nicht-Nominierung durch Fricker sei die Reaktion der Gemeinde nicht lange ausgebleiben: «Viele Mitglieder haben sich bei mir gemeldet und mir ihre Unterstützung angeboten», sagt Siebenmann.

So sei das positive Feedback für ihn «eine grosse Freude» gewesen. Insbesondere bei den Eltern seiner Konfirmanden habe er strarken Rückhalt gespürt. «Dennoch habe ich noch nicht abschliessend entschieden, wie mein Weg aussehen wird», so Siebenmann, der im Oktober 2014 «mit Freude und Hoffnung» nach Frick gekommen sei.

Nach wie vor könne er sich vorstellen, seine Fähigkeiten und Kräfte dafür einzusetzen, dass es in der Kirchgemeinde ein vielfältiges und lebendiges Gemeindeleben gibt. «Ich bin der festen Überzeugung, dass Kirche der Vielfalt und der Akzeptanz von Unterschiedlichkeit einen Raum geben muss», so Siebenmann.

20 Unterschriften notwendig

Obwohl Kurator Fricker Pfarrer Siebenmann nicht mehr zu Wiederwahl vorschlägt, ist es möglich, dass Siebenmann für die Gesamterneuerungswahlen nominiert wird. Hierzu benötigt der Pfarrer 20 Unterschriften durch Mitglieder der Kirchgemeinde. Ob Siebenmann für diese Stimmen werben wird, lässt er offen. «Das ist derzeit noch kein Thema, über das ich mir Gedanken mache», sagt er.

Gesetzt der Fall, dass Siebenmann die 20 notwendigen Unterschriften erhält, müsste dieser an den Gesamterneuerungswahlen vom Sonntag, 23. September, lediglich mehr Ja- als Nein-Stimmen von den Gemeindemitgliedern erhalten, um im Pfarrer-Amt bestätigt zu werden.

Dies möchte jedoch Kurator Markus Fricker verhindern. «Falls Johannes Siebenmann für die Wiederwahl vorgeschlagen wird, werde ich darlegen, wieso seine Wiederwahl keine gute Lösung für einen Neuanfang der Reformierten Kirchengemeinde Frick ist», so Fricker zur AZ.