Die Enttäuschung ist Johannes Siebenmann anzuhören. Die reformierte Kirchgemeinde Frick hat den Pfarrer am Sonntag nicht widergewählt – und dies mit einem überaus deutlichen Resultat. Nur 145 Kirchgemeindemitglieder wollten Siebenmann als Pfarrer behalten, 581 stimmten für einen Neuanfang ohne den umstrittenen Pfarrer. Die Wahlbeteiligung war mit 25,8 Prozent für eine Kirchgemeinde hoch.

Im Vorfeld der Wahl war es zu einer heftigen Kontroverse um Siebenmann gekommen. Markus Fricker, der nach dem Rücktritt von Kirchenpflegepräsidentin Bettina Roth im letzten Jahr als Kurator eingesetzt wurde, empfahl Siebenmann nicht zur Wiederwahl. In Leserbriefen attackierten verschiedene Kirchgemeindemitglieder den Pfarrer und warfen ihm unter anderem Schlaf-Predigten, wenig Empathie, wenig Verlässlichkeit und Team-Unfähigkeit vor.

Siebenmann wehrte sich gegen die Vorwürfe. In einem Inserat, das auch in der Aargauer Zeitung erschienen ist, empfahlen schliesslich 42 Persönlichkeiten aus Frick Siebenmann ebenfalls offen zur Abwahl.

Er sei angetreten, um die Wahl zu gewinnen, und hätte die Arbeit in Frick gerne fortgesetzt, sagte Siebenmann gestern gegenüber der AZ. Entsprechend sei er nun schon enttäuscht. «Es ist aber nicht so, dass ich innerlich nun völlig einbrechen würde», präzisiert er. Was schliesslich den Ausschlag gegen ihn gegeben hat, mag Siebenmann nicht beurteilen. «Vielleicht glaubte eine Mehrheit einfach nicht, dass die Kirchgemeinde mit mir wieder in ruhigere Fahrwasser kommen kann.» Er selber war davon überzeugt.

Offen, wie es beruflich weitergeht

Wie es für ihn beruflich weitergeht, ist «völlig offen». Klar ist: Siebenmann ist noch bis Ende Jahr Pfarrer in Frick; so lange dauert seine Amtszeit. Der (Medien-)Rummel in den letzten Wochen sei gross gewesen, so Siebenmann. Er brauche nun einen Moment, um zur Ruhe zu finden. Genau dies – zur Ruhe kommen – müsse als Erstes auch die Kirchgemeinde, findet Siebenmann.

Dies sieht auch Kurator Markus Fricker so. Für ihn ist das Wahlresultat ein ganz klares Zeichen dafür, dass die Kirchgemeinde einen Neuanfang wolle und nicht daran geglaubt habe, dass dieser mit Johannes Siebenmann möglich sei. «Die Kirchgemeinde will auch einen personellen Neustart.»

Wie Siebenmann konnte auch Fricker im Vorfeld nicht abschätzen, wie das Resultat herauskommt und vor allem: wie deutlich das Verdikt ausfallen wird. Die für eine Kirchgemeinde hohe Wahlbeteiligung habe er aber als Indiz gewertet, dass es ein klares Ergebnis geben werde. «Es hat ein Klärungsprozess stattgefunden, der durchaus auch schmerzhaft war», sagt Fricker. Die Krise, welche die Kirchgemeinde in den letzten Wochen und Monaten durchlebt hat, «ist aber zugleich eine Chance für einen wirklichen Neuanfang».

«Kein Scherbenhaufen»

Bei den Auseinandersetzungen, so hart sie auch gewesen seien, «ging es immer darum, dass sich die Kirchgemeinde weiterentwickeln kann», sagt Fricker. Er wehrt sich auch gegen das Scherbenhaufen-Bild, das bisweilen von aussen kolportiert wurde: «Die Kirchgemeinde ist definitiv kein Scherbenhaufen.»

Seine Arbeit, das ist sich Fricker bewusst, ist mit dem gestrigen Sonntag noch lange nicht getan. Im Gegenteil: Nun geht es darum, die Zukunft neu zu formen. «Der Weg wird anspruchsvoll werden.» Und Zeit brauchen. Fricker rechnet damit, dass er noch rund ein Jahr lang als Kurator im Einsatz sein wird.

Zunächst gilt es nun zum einen, einen Stellvertreter für Siebenmann zu finden. Für die zweite Pfarrstelle – Pfarrerin Verena Salvisberg trat nach der für sie belastenden Zeit nicht zur Wiederwahl an und verlässt Frick Ende November Richtung Roggwil (BE) – ist eine Stellvertreterin bereits gefunden: Anna Schütz, die beim Verein Lernwerk die Arbeitsmarktintegration leitet und sich frühpensionieren lässt, wird die Aufgabe übernehmen.

Suche nach Behördenmitgliedern

Zum anderen wird Fricker bereits am Dienstag mit der rund 20-köpfigen Spurgruppe zusammenkommen, die er Anfang Jahr eingesetzt hat, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Fricker will dabei auf drei Ebenen tätig werden: Erstens gelte es, zu definieren, was den Menschen wichtig sei, um Kirche zu leben. Zweitens gelte es, geeignete Personen für die Kirchenpflege zu finden. Drittens müsse definiert werden, wie das künftige Pfarrteam aufgestellt sein soll und wie es zusammenarbeiten soll. Insgesamt umfasst das Pfarrteam 270 Stellenprozente. Neben den zwei Pfarrstellen gehört zum Team auch ein Sozialdiakon; auch diese Stelle ist derzeit vakant. Die DreierVakanz bietet nun die Chance, dass Pfarrteam neu zu denken, also neu zu definieren, wie die Stellen ausgestaltet sein sollen.

Fricker ist beim ganzen Prozess auch wichtig, «dass wir die Anliegen jener Kirchgemeindemitglieder, die für Siebenmann gestimmt haben, ernst nehmen und sie mit in die Zukunft nehmen». Es gehe jetzt denn auch nicht darum, möglichst schnell neue Pfarrpersonen anzustellen, sondern das Fundament so zu legen, dass die Kirchgemeinde in eine gute und ruhige Zukunft starten könne.