«Wir wollen schwimmen!» Unter diesem Titel steht die Online-Petition, die Judith Kobler aus Frick am Sonntag auf der Plattform «openpetition.eu» gestartet hat. Die Petition richtet sich an den Sissler Gemeinderat. Anfang Jahr wurde bekannt, dass dieser aus Spargründen ab August ein neues Betriebskonzept für das Hallenbad Sissila einführt. Das operative Defizit des Bades betrage jährlich rund 300'000 Franken und müsse gesenkt werden, sagte der Sissler Gemeindeammann Rainer Schaub damals. Die Nutzungen – Öffentlichkeit, Schulen, Schwimmschulen und Vereine – sollen getrennt werden. Für die Mieter steigen die Mietkosten.

Bereits 128 Unterzeichner

Hier setzt Kobler mit ihrer Petition an. Die Unterzeichner bitten den Gemeinderat Sisseln, das neue Betriebskonzept nochmals zu überarbeiten und die Jugendarbeit «nicht durch massiv höhere Hallenbad-Mieten zu gefährden». Die Eltern der Schwimmschüler der Fricktaler Sektion der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) hätten immer wieder über das neue Konzept und die damit verbundenen Mehrkosten für den Verein diskutiert, sagt sie. Nachdem die SLRG-Mitglieder an ihrer Generalversammlung eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge abgelehnt haben, werde der Verein einen Verlust einfahren, so Kobler. Sie befürchtet für die Zukunft einen Mitgliederverlust. «Als wir nun gesehen haben, dass die Gemeinde Sisseln im letzten Jahr einen Ertragsüberschuss von fast 320'000 Franken gemacht hat, war das die Initialzündung für die Petition», so Kobler. Sie betont, dass das Online-Begehren von Elternseite und nicht vom Verein selber stammt.

Kobler und die Mitunterzeichner – gestern Abend waren es bereits 128 – stellen 16 Fragen an den Sissler Gemeinderat. Darunter etwa, wie die Gemeinde rechtfertige, ihre «überaus gute finanzielle Lage auf Kosten von Kindern und Jugendlichen» zu verbessern und ob das neue Konzept ein erster Schritt in Richtung Schliessung des Hallenbades sei. Weiter betont Kobler, wie wichtig es sei, die lebensrettende Fähigkeit Schwimmen zu erlernen. Sie verweist auf eine «soziale Verantwortung», die der Gemeinderat Sisseln wahrnehmen solle. Und sie fragt, wie der Sissler Gemeinderat die betroffenen Eltern und Kinder informieren werde.

«Bisher wurden das Personal des ‹Sissila›, die SLRG, die Schwimmschulen und die Gemeinden mit Schulschwimmunterricht in Sisseln informiert», sagt der Sissler Gemeindeammann Rainer Schaub. An der Gemeindeversammlung vom 14. Juni werde das Konzept den Einwohnern vorgestellt. «Es gibt aber keinen Antrag und deshalb auch keinen Beschluss, da keine grundlegenden Änderungen vorgenommen, sondern die unterschiedlichen Nutzungen optimiert werden», so Schaub. Ab Ende Juni würden die «wesentlichen Elemente» des Konzepts dann auch auf der Gemeinde-Website veröffentlicht.

Der positive Rechnungsabschluss der Gemeinde basiere nicht auf dem operativen Geschäft, sondern auf einem einmaligen Spezialeffekt bei den Aktiensteuern, so Schaub weiter. «Ohne diesen hätte das Jahr 2017 mit einem Verlust abgeschlossen, weshalb wir keinen Einfluss auf das Hallenbad-Konzept sehen.» Mit dem defizitären Betrieb des Hallenbads übernehme die Gemeinde seit Jahren eine «soziale, sportfördernde und regionale Verantwortung», betont Schaub. Und: «Es gibt keinerlei Bestrebungen, den Betrieb einzustellen, jedoch müssen wir uns bemühen, das operative Defizit deutlich zu reduzieren.» Auch, um den Versprechungen an die Stimmbürger bei der Sanierung im Jahr 2011 Rechnung zu tragen.

Aus Sicht des Gemeinderates sei die Preisgestaltung unter Berücksichtigung aller enthaltenen Leistungen fair, so Schaub. Nach einem Jahr werde man die Erfahrungen zusammenfassen und wenn notwendig Anpassungen vornehmen. «Bereits vor dem Start die Rahmenbedingungen wieder anzupassen, erachten wir als nicht zielführend.»