Rheinfelden

Peter Meiers nicht ganz alltäglicher Instrumentenbau

Der Rheinfelder Orgelbauer Peter Meier vor der Hausorgel, die er für einen Zürcher Arzt und Organist gefertigt hat

Der Rheinfelder Orgelbauer Peter Meier vor der Hausorgel, die er für einen Zürcher Arzt und Organist gefertigt hat

Vor etwa zwei Jahren trat der Zürcher Arzt und Organist Christian Rumer an den Rheinfelder Orgelbauer Peter Meier heran und bestellte für sich eine Hausorgel in barocker Gestaltung. Peter Meier hat sie dann entworfen und auch gebaut.

Peter Meier hatte Zeit, sich diesem grossen Projekt zu widmen, fertigte als Erstes eine Handskizze an und machte sich nach deren Genehmigung durch den Auftraggeber an die Arbeit. Jetzt ist das Instrument fertig geworden und wurde kürzlich mit einer kleinen Feier dem neuen Besitzer übergeben.

Mit seinem Mitarbeiter Hans Furrer baute Peter Meier das Instrument von 250 Zentimetern Höhe und 150 Zentimetern Breite im Atelier am Theodorshofweg in Rheinfelden. Nach dem ersten Entwurf wurden die genauen technischen Pläne angefertigt. Als Nächstes wurde das Holz ausgewählt und zugeschnitten. Dann wurden alle Einzelteile hergestellt, und zwar von A bis Z in Handarbeit: das Gehäuse aus massiven Eichenbrettern, die dekorativen Elemente aus Nussbaumholz, die Klaviatur aus Fichte. Der Belag der Tasten besteht für die hellen Tasten aus Buchsbaum, für die dunklen aus Ebenholz, die Holzpfeifen aus Fichte und die feinsten mechanischen Teile aus Ahorn. Zuletzt wurde die Orgel zusammengebaut und die Pfeifen eingesetzt.

422 Orgelpfeifen

Auch die Windlade und die Balganlage wurde im Atelier Meier hergestellt, nur der Elektromotor für das Gebläse und die Metallpfeifen wurden eingekauft. Letztere lieferte Marco Venegoni, Pfeifenmacher aus Villmergen. Diese Metallpfeifen wurden ebenfalls alle von Hand angefertigt, und zwar aus einer Legierung von Blei und Zinn. 386 solcher Metallpfeifen enthält das Instrument, dazu 36 Holzpfeifen. Die total 422 Orgelpfeifen stehen in acht Reihen, ergeben also acht Register.

Peter Meier ist 1970 in Brugg geboren und machte eine Berufslehre als Orgelbauer bei der Firma Goll in Luzern. Daraufhin begab sich Meier mit seinem Können und Wissen auf ausgedehnte Wanderschaften: England, Frankreich und zuletzt zwei Jahre in Japan. Zurück in der Schweiz, machte er sich 2004 selbstständig in Rheinfelden. Er wohnt im Grosselternhaus in der Altstadt, wo er auch die Orgelpfeifen intoniert. Die eigentliche Werkstatt befindet sich weit ausserhalb der Altstadt, am Theodorshofweg. Peter Meier ist verheiratet mit der Musiklehrerin und Blockflötistin Illianna Garnier. Das Paar hat zwei Kinder.

Die Orgel erklingt zum ersten Mal

Anlässlich der Übergabe-Feier wurde das Instrument erstmals gespielt. Dazu lud der Orgelbauer einige befreundete Musiker und eine Musikerin ein. Als Erster setzte sich Frédéric Champion an das Instrument. Zusammen mit Merit Eichhorn am Cembalo wurde der erste Satz aus einem Cembalo-Konzert (arrangiert für Cembalo und Orgel) von Johann Sebastian Bach intoniert. Dann probierte auch Thilo Muster das Instrument aus. Zusammen mit Samuel Freiburghaus, der mit Balkan-Blasinstrumenten antrat, wurden rumänische Volksweisen gespielt. Und schliesslich gab auch Benjamin Guélat dem Instrument die Weihe: mit einem Stück von Francisco Correa de Arauxo. Fazit der Orgeltaufe: Test bestanden! Jetzt konnte noch mit Magdener Kerner angestossen und gefeiert werden. In wenigen Tagen wird die Orgel die Rheinfelder Werkstatt für immer verlassen und ihre Bleibe im Haus von Christian Rumer in Zürich finden. Der glückliche Besitzer wird sich gewiss ein Leben lang an dieser handwerklichen und musikalischen Kostbarkeit erfreuen.

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