Erfolgskriterien
Perspektiven der Fricktaler Wirtschaft – Roboter als Herausforderung

Das Wirtschaftsforum Fricktal befasste sich mit Perspektiven der Region und mit der Arbeitswelt der Zukunft.

Peter Schütz
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Mit dem Aufbau einer regionalen Standortförderung soll die Wirtschaftskraft in der Region gestärkt werden. Ein Schwerpunkt ist dabei die Life-Science-Branche, die weiter gestärkt werden soll –etwa hier im Sisslerfeld. Archiv/Gerry Thönen

Mit dem Aufbau einer regionalen Standortförderung soll die Wirtschaftskraft in der Region gestärkt werden. Ein Schwerpunkt ist dabei die Life-Science-Branche, die weiter gestärkt werden soll –etwa hier im Sisslerfeld. Archiv/Gerry Thönen

Gerry Thönen

Anderswo haben Männer das Sagen, am Wirtschaftsforum in der Mehrzweckhalle in Gipf-Oberfrick setzten die Veranstalter – Fricktal Regio und Metrobasel – auf Frauen. Zuerst stellte Gemeindeammann Regine Leutwyler «ihr» Gipf-Oberfrick vor, danach zeichnete Regula Ruetz, Direktorin von Metrobasel, Perspektiven für die Wirtschaftsregion Fricktal auf. Der zweite, global gefasste Vortrag von Karin Frick vom Gottlieb-Duttweiler-Institut drehte sich um «Megatrends in der Arbeitswelt» und den Umgang mit künstlicher Intelligenz.

Regula Ruetz legte mit ihren «Kriterien für Erfolg» den Ball vor. Wirtschaftlicher Erfolg basiere auf «verantwortungsvollem, nachhaltigem Nachwuchs, auf Wertschöpfung und Arbeitsproduktivität», stellte sie klar. Zwei Faktoren, die zu den Stärken des Fricktals beitragen, strich sie heraus: die Verfügbarkeit von Fachkräften sowie von Siedlungsflächen.

Grenzgänger sind wichtig

In beiden Fällen stehe das Fricktal gut da, sagte sie. Im Fricktal gibt es derzeit rund 200 Hektar unbebaute Siedlungsflächen für Industrie und Gewerbe, davon sind 147 Hektar baureif. Zum Vergleich: Der Kanton Baselland verfügt über zirka 45 Hektar, der Kanton Basel-Stadt sogar über keine freien Industrie- und Gewerbeflächen. Ruetz weiter: «Die Verfügbarkeit von Fachkräften macht aus dem Fricktal eine wirtschaftlich erfolgreiche Region.» Und: «Da spielen die Grenzgänger eine wichtige Rolle.» Ruetz erklärte, dass von den derzeit 37 400 Beschäftigten im Fricktal rund 7000 oder 18 Prozent Grenzgänger mit fachlichen Qualifikationen sind. «Wir sind auf die ausländischen Fachkräfte angewiesen, ob wir wollen oder nicht», sagte sie. Zu den Stärken des Fricktals zählte sie ausserdem die «steuerliche Attraktivität, die gute Verkehrsanbindung, flexible und agile Verwaltungen». Aber: Die Arbeitswelt befindet sich im raschen Wandel. «Neben der demografischen Veränderung wird auch die Digitalisierung einen grossen Einfluss auf die Arbeitswelt haben», blickte sie voraus. Da stelle sich die Frage, ob es in Zukunft Arbeit für alle gibt, «oder brauchen wir doch das bedingungslose Grundeinkommen?»

Digitale Kompetenzen erlernen

Gerade in der Digitalisierung sah sie einen grossen Nachholbedarf. «Mit ihr werden viele Stellen verloren gehen, es werden aber auch neue geschaffen», bemerkte Ruetz. Als Stellschrauben für den Erfolg von morgen nannte sie unter anderem die Gewährleistung von Datennutzung und -sicherheit sowie den Aufbau von digitalen Kompetenzen durch Aus- und Weiterbildung.

Karin Fricks Vortrag drehte sich um den Einfluss der künstlichen Intelligenz, etwa in Form von Robotern, auf die Arbeitswelt. «Vielleicht ist unser Chef in 20 Jahren ein Roboter», mutmasste sie. Es gebe heute schon künstliche Intelligenz, die zum Beispiel Teile einer Anwaltskanzlei übernehmen könne. Sicher sei, dass es jetzt schon einen Wandel vom klassischen Job hin zur «Projektisierung mit verschiedenen Kompetenzen und Fachleuten» gibt – nach dem Motto «Bring dein eigens Team zum Problemlösen mit». Dadurch werden flexible Arbeitsformen zu- und Festanstellungen abnehmen. «Hierarchien werden unwichtiger, Netzwerke werden wichtiger», so Fricks Fazit.