Pandemiebekämpfung
Gratis oder kostenpflichtig? Beim Corona-Testregime gehen die Meinungen der Fricktaler Politiker weit auseinander

Am heutigen Freitag entscheidet der Bundesrat, ob der Bund die präventiven Coronatests auch über den 1. Oktober hinaus bezahlt oder ob diese kostenpflichtig werden. Die Aargauer Regierung will die Einführung der Kostenpflicht. Auch die von der AZ befragten Fricktaler Grossräte plädieren mehrheitlich dafür – warnen teils aber auch vor möglichen negativen Folgen.

Hans Christof Wagner
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Wer soll für die präventiven Coronatests künftig bezahlen – die Allgemeinheit oder die Testperson? Das ist umstritten.

Wer soll für die präventiven Coronatests künftig bezahlen – die Allgemeinheit oder die Testperson? Das ist umstritten.

Pablo Gianinazzi / KEYSTONE/Ti-Press

Es ist eine der grossen Weichenstellungen in der Coronapolitik. Sollen Coronatests für die Bevölkerung weiterhin gratis sein oder die Menschen sie bezahlen müssen? Ein unter Fricktaler Grossräten eingeholtes Stimmungsbild zeigt: Einfach machen es sich die regionalen Politiker nicht mit der Beantwortung der Frage. Sie sind sich darüber im Klaren, dass sie polarisiert und die Menschen umtreibt.

Werner Müller.

Werner Müller.

Zvg / Fricktal

Klar pro Kostenpflicht argumentieren Werner Müller, Die Mitte, Bernhard Scholl, FDP, und Claudia Rohrer, SP. Müller sagt:

«Sich auf Staatskosten testen zu lassen, halte ich für unsolidarisch.»

Die Tests seien jetzt lange genug gratis gewesen und jeder habe die Chance, sich nach wie vor kostenlos impfen zu lassen, findet der Grossrat aus Wittnau. Wer aus persönlichen Gründen und ohne medizinische Notwendigkeit zu keiner Impfung bereit sei, sollte für die Tests bezahlen. Müllers Credo: «Wir kommen nur aus der Pandemie raus, wenn die Impfquote höher ist.»

Allgemeinheit soll Zusatzkosten nicht mehr tragen müssen

Bernhard Scholl.

Bernhard Scholl.

Severin Bigler / AGR

Andere vor einer Corona-Infektion zu schützen, ist für Scholl ein «Akt der sozialen Verantwortung». Dazu seien die Impfung und die Testung geeignete Wege, aber eben: Testung nur bei Übernahme der Kosten durch die Testperson selbst. Rohrer findet: «Wenn jemand Zusatzkosten generiert, weil er das günstigste Angebot der Risikominimierung, das Impfen, nicht annehmen will, dann liegt es nicht mehr an der Allgemeinheit, diese Zusatzkosten mitzutragen.»

Auch Gertrud Häseli, Grüne-Grossrätin aus Wittnau, findet, die Tests sollten künftig nicht mehr gratis sein. Sie sagt:

«Ich bin dafür, die Eigenverantwortung der Leute zu stärken. Eine Vollkaskomentalität unter der Bevölkerung sollte keine aufkommen.»

«Diese Frage spaltet», sagt hingegen Béa Bieber, Grossrätin der GLP. Zum einen hätten ja alle ab zwölf Jahren die Chance, sich impfen zu lassen – mit dem bald in der Schweiz verabreichten Vektor-Impfstoff von Johnson & Johnson auch diejenigen Personen mit Vorbehalten gegenüber einem mRNA-Impfstoff. Impfen sei aus ihrer Perspektive der beste Schutz.

Weniger Tests, wenn sie kosten?

Andererseits fürchte sie, dass, wenn Coronatests kostenpflichtig werden, die Leute noch weniger bereit dazu sind, sich testen zu lassen. «Viele lehnen die Tests ja schon jetzt ab, obwohl sie noch gratis sind. Mit der angedachten Übergangslösung des Bundesrates bin ich einverstanden», argumentiert sie.

Emanuel Suter.

Emanuel Suter.

Ata / Aargauer Zeitung

«Wenn der Staat sagt, die Bürger sollen sich testen lassen, dann soll er auch dafür die Kosten übernehmen» – dieser Ansicht ist Emanuel Suter, SVP-Grossrat aus Gipf-Oberfrick. Wenn die Leute das Gefühl hätten, sie sollen mit kostenpflichtigen Tests zum Impfen gebracht werden, könne das auch eine Abwehrhaltung zur Folge haben. Dann könnte eine Reaktion sein: «Wenn ich mich gezwungen fühle, lasse ich mich erst recht nicht impfen», glaubt Suter.

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