Rheinfelden
Paddeln im Kampf gegen den Plastikmüll: «Die Menschheit schiesst ein Eigentor»

340 Kilometer hat der Niederländer Merijn Tinga schon absolviert für seinen Kampf gegen die Plastikvermüllung. Künftig fährt er mit einem Surfbrett aus Plastikflaschen weiter.

Dennis Kalt
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Merijn Tinga paddelt rund 1200 Kilometer auf dem Rhein.Dennis Kalt

Merijn Tinga paddelt rund 1200 Kilometer auf dem Rhein.Dennis Kalt

Die Anstrengung über die rund 340 Kilometer, die Merijn Tinga, 44, auf seinem Paddel-Surfbrett zurückgelegt hat, kann er kaum verhehlen. Als der Niederländer am Wasserkraftwerk in Rheinfelden ankommt, zeigt er die Schwielen, die sich an seinen Händen durch das Paddeln gebildet haben: «Wenn es regnet, ist es für mich unangenehm, weil dann die Haut an meinen Händen weich wird», sagt Tinga.

Noch liegen 22 Tage und rund 700 Kilometer vor Tinga, bis er in Leiden an der niederländischen Nordseeküste seine Reise beendet. Mit seiner Surf-Aktion möchte Tinga auf das wachsende Problem der Vermüllung der Gewässer durch Plastik – vor allem Einwegflaschen – aufmerksam machen.

Hierzu wird Tinga ab heute seine Reise mit einem Paddel-Surfbrett fortsetzten, dass aus über 100 Plastikflaschen und über 5000 Plastikdeckeln besteht. Das Surfbrett wurde von Wissenschaftlern so konstruiert, dass ein Zelt darauf Platz hat, in dem Tinga übernachten kann.

Plastik gelangt in den Körper

Der diplomierte Biologe kennt sich aus: «Über 20 Millionen Kilogramm an Abfall werden jedes Jahr in die Nordsee gespült. Ein grosser Teil davon ist aus Plastik», sagt Tinga und schiebt nach: «Mit der Vermüllung durch Einweg-Plastik schiesst die Menschheit ein Eigentor.» So werden Plastik-Kleinstpartikel durch die Strömungen abgetragen und sinken ab, wo sie von Lebewesen gefressen werden und in den Nahrungskreislauf gelangen. «Auf diese Art nehmen auch Fische, die später bei uns auf dem Teller landen, teilweise grosse Mengen an Plastik auf – das auf diese Weise in unseren Körpern landet», sagt Tinga.

Das Problem der Vermüllung ist für das Wasserkraftwerk in Rheinfelden kein Unbekanntes: «Jedes Jahr bleiben an unseren Rechen rund drei Tonnen an Plastikabfall hängen», sagt Jochen Ulrich, Leiter Asset Management und Ökologie bei Energiedienst. Laut Schätzungen von Ulrich ist die Menge an Plastikabfällen, die durch die Rechen hindurchgelangt, noch um ein Vielfaches grösser.

Zehn Petitionen gestartet

Ein Ansatz, um dem Problem der Plastikvermüllung entgegenzuwirken, liegt für Tinga auf der Hand: «Dort, wo es keine Mehrwegflaschen gibt, müssen Pfandsysteme eingeführt werden», sagt er. Daneben sammelt Tinga während seiner Reise Stimmen für Petitionen, mit dem Ziel, die Hersteller von Einwegplastik zum Nachdenken anzuregen: «Mit den Petitionen werden die CEOs der zehn Unternehmen konfrontiert, von denen am meisten Plastikmüll im Rhein gefunden wird», sagt er.

Auf die Frage, wie Tinga den Rhein im Fricktal erlebt hat, antwortet er: «Sehr ruhig und naturnah.» Dies wird sich jedoch ab Basel, der deutsch-französischen Grenze entlang, ändern: «Dort herrscht sehr viel Verkehr und ich muss darauf achten, dass ich den Schiffen nicht in die Quere komme.»

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