Wallbach

Orchester spielt den Soundtrack zum SRF-Dokumentarfilm «Generalstreik 1918» live

Das Timing des Dirigenten Michel Byland und des Orchesters musste haargenau stimmen, damit der Dokumentarfilm beim Publikum richtig wirken konnte.

Das Timing des Dirigenten Michel Byland und des Orchesters musste haargenau stimmen, damit der Dokumentarfilm beim Publikum richtig wirken konnte.

Unter der musikalischen Leitung von Michel Byland spielte am Freitag und Samstag das Projektblasorchester Wallbach in der Mehrzweckhalle Sandgrube den Soundtrack zum SRF-Dokumentarfilm von Hansjürg Zumstein «Generalstreik 1918 – die Schweiz am Rande eines Bürgerkrieges». Während der Film auf Grossbildleinwand lief, erlebte das Publikum die Filmmusik live und hautnah mit.

Rund 90 Minuten lang beleuchtete die Doku-Fiktion über den Landesstreik die gewaltige gesellschaftspolitische Krise, die die Schweiz 1918 erschütterte. Die Lebensbedingungen sind seit Ende des Ersten Weltkriegs hart, Lebensmittel knapp, viele Schweizer hungern. Lebensmittel- und Mietpreise steigen stark, während die Löhne stagnieren. «Über 250'000 Arbeiter fordern bessere Lebensbedingungen. Der Bundesrat befürchtet eine gewaltsame Revolution wie in Russland und mobilisiert die Armee. Die Schweiz steht am Rande eines Bürgerkriegs», heisst es in der SRG-Mitteilung.

Hören und sehen mit dem Herzen

Die Musik zur Dokumentation stammt aus der Feder des in Schottland geborenen Komponisten Martin Villiger. Er absolvierte eine klassische Pianoausbildung und wird in der Schweizer Musikszene nach wie vor als Geheimtipp gehandelt. Auf seiner Website beschreibt er sich als Menschen, der «mit dem Herzen hören und sehen kann». Der in Basel lebende Komponist Michael Künstle übernahm auf Anfrage von Dirigent Byland die Reorchestrierung für das Blasorchester. Zusammen mit zwei Freunden, Paul Schmidt und Yanick Herzog, arbeitete er zwei Monate an der rund 180 Seiten umfassenden Partitur. «Es war ein langwieriger Prozess und sehr aufwendig», betonte er. «Der Orginal-Score wurde für ein Sinfonieorchester komponiert und ist sehr streicherlastig. Es war eine grosse Herausforderung und ich musste mir wirklich überlegen, wie man die Klangfarbe der fehlenden Streichinstrumente erzielt.»

Streamers und Punches für die Synchronisation

Dirigent Byland hat ein Gespür für das perfekte Timing. Eine Stoppuhr auf seinem Kontrollmonitor sowie Klickgeräusche unterstützten ihn bei Einhaltung des exakten Tempos. Für besonders ausdrucksstarke Passagen wurden «Streamers» und «Punches» eingesetzt. In «Filmmusik: Ein alternatives Kompendium» beschreiben Frank Hentschel und Peter Moormann einen «Streamer» als Linie, «die sich von links nach rechts über die Leinwand bewegt und dem Dirigenten Gelegenheit gibt, sich auf den kommenden Synchronisationspunkt vorzubereiten». Erreicht der «Streamer» den rechten Rand, blitzt der «Punch» auf, ein Kreis, der den Synchronisationspunkt signalisiert. Das Projektblasorchester schaffte es an diesem Abend, Film und Musik in einer neuen Dimension zu präsentieren.

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