«Operationen sind etwas vom Grössten, denn man hat schnell ein Resultat»: Antonio Nocito weiss, wovon er spricht. Denn der aus Frick stammende Mediziner ist seit 2013 Leitender Arzt an der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich. Per 18. August wird er neuer Chefarzt und Departementsleiter für Chirurgie am Kantonsspital Baden (KSB).

Zum Gespräch traf sich der 40-jährige Mediziner mit der Aargauer Zeitung auf der Dachterrasse des Uni-Spitals, wo er auf das herrliche Panorama hinwies. Ein Ort, an dem er die Aussicht auf die Stadt Zürich geniesst und vor allem den Blick in die Weite, in die Berge. Auch bei seiner täglichen Arbeit als Arzt braucht er den Überblick über ein anspruchsvolles Gebiet, das ihn total fasziniert und für ihn den Beruf des Arztes, des Chirurgen, so vielseitig, spannend und auch verantwortungsvoll macht und den er voller Hingabe ausübt.

Das Medizinstudium hat Antonio Nocito von 1993 bis 1999 an der Universität Basel absolviert und im vierten Studienjahr in Paris, an der Université Pierre-et-Marie-Curie, und mit dem Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen; er promovierte im Jahr 2000. «Eine schöne, aber auch sehr strenge Zeit», erinnert er sich. «Die Prüfungen dauerten fast ein halbes Jahr und bestanden aus 18 Examen, davon 5 schriftlich und der Rest mündlich.»

Seine Ausbildung zum Chirurgen erfolgte von 2001 bis 2003 am Kantonsspital Baden und von 2004 bis 2007 am Universitätsspital Zürich, mit besonderer Expertise im Bereich der minimal-invasiven Chirurgie. In der Forschung untersucht der Arzt die Rolle des Serotonins bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes.

Serotonin ist ein Gewebshormon, eine Komponente des Serums, welche die Spannung der Blutgefässe reguliert und ausserdem auf die Magen-Darm-Tätigkeit sowie die Signalübertragung im zentralen Nervensystem wirkt. Die Arbeit von Antonio Nocito zur Bedeutung des Serotonins für das Wachstum von Dickdarmkrebs wurde in der renommierten Zeitschrift «Cancer Research» publiziert. Für seine Forschungsarbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Privatdozent Dr. med. Antonio Nocito ist unter anderem Träger des Facharzttitels FMH Chirurgie, den Schwerpunkttitel Viszeralchirurgie und des Europäischen Fachexamens für Koloproktologie. Die Proktologie, oder eben Koloproktologie, ist ein medizinisches Teilgebiet, das sich mit den Erkrankungen des Dick- und Enddarms beschäftigt. Die weitere Tätigkeit als Leitender Arzt am Universitätsspital Zürich beinhaltet für Antonio Nocito die Viszeral- und Transplantationschirurgie, also die operative Behandlung der Weichteile in der Bauchregion und die Verpflanzung von Organen.

Am Kantonsspital Baden war er 2008 als Oberarzt erneut tätig, bevor er wieder als Oberarzt ans Uni-Spital Zürich zurückging und dort 2011 im Fachgebiet der Viszeralchirurgie habilitierte. Nun tritt er die Nachfolge von Professor Thomas Kocher an, der das KSB im Sommer 2014 verlässt.

Ministrant und Volleyballer sind zwei Tätigkeiten, die Antonio Nocito in seinen ^k unter anderen ausübte. «Als Ministrant bei Pfarrer Spuhler habe ich es bis zum Vordiener gebracht. Ich erinnere mich noch gut an jene Zeit. Und Volleyball gefiel mir als Mannschaftssportart, wo ich im Juniorenalter ein paar Jahre beim Turn- und Sportverein Frick, dem TSV, mitgemacht habe. Er war auch in der Jugi sportlich aktiv: «Toni Mösch, der spätere Fricker Gemeindeammann, war mein erster Jugi-Leiter», sagte Antonio Nocito, der im Jugendchor von Walter Fischer mitsang und im Instrumentalunterricht Klavier spielen lernte.

Der am 16. September 1973 in Aarau geborene Antonio Nocito hat einen 5 Jahre jüngeren Bruder. Die Familie zog an den Dörrmattweg, als er in der 5. Klasse war, also in die Nähe von Schule und Bahnhof. Das wusste er zu schätzen, denn nach dem Abschluss der Bezirksschule besuchte er das Gymnasium in Basel und benützte jeden Tag den Zug.

«Im dritten Gymi habe ich gemerkt, dass mich Physik und Chemie, vor allem aber auch die vertiefte Human-Biologie stark interessieren, worauf ich mich im darauffolgenden Jahr an der medizinischen Fakultät der Universität Basel einschrieb.» Nach dem zweiten Studienjahr zog Antonio Nocito von Frick nach Basel in eine Wohngemeinschaft mit anderen Studenten: «Es war eine gute, intensive Zeit.» Auf die Frage, wie sich das Studium – zum Beispiel an Vorlesungen an der Universität – abspielte, stellte er fest: «Es war damals Literatur, sehr viele Bücher, in die man sich vertieft hat. Und an den Vorlesungen machte jeder seine eigenen Notizen, auf die er zurückgreifen konnte. Es war übrigens eine absolute Ausnahme, wenn ein Kommilitone mit einem tragbaren Computer an der Uni auftauchte – die gab es zwar, wurden aber noch kaum eingesetzt.»

«Während meines Studiums, sowohl in Basel als auch in Paris, kam das entspannte Studentenleben zwar kaum zu kurz. Es bestand aber nicht oft aus feucht-fröhlichen Partys. Ich konzentrierte mich auf die vielen Eindrücke und spontanen Erlebnisse, vor allem in Paris», erzählte Antonio Nocito der Aargauer Zeitung.

Überhaupt war für ihn die Zeit in der Cité Internationale Universitaire de Paris (CIUP) voller bleibender Erinnerungen. Die 1925 gegründete internationale Studentensiedlung, unterteilt in 40 verschiedene Häuser, beherbergt jährlich etwa 10 000 Studenten, Wissenschaftler und Künstler: «Ich erlebte dort einige Konzerte von grossen Künstlern, denn die einzelnen Häuser der CIUP organisieren regelmässig kulturelle und politische Veranstaltungen von hoher Qualität, die auch internationale Prominenz aus Kultur und Politik anziehen.» Gewohnt hat Antonio Nocito im Schweizer Haus, das 1933 vom Architekten Le Corbusier konzipiert wurde. Der Student aus Frick beziehungsweise aus Basel hatte dort ein Zimmer und konnte sich auf das Studium und die Praktika konzentrieren, wobei es am Ende des Frankreich-Jahres keine Prüfung gab. Zurück in Basel absolvierte Antonio Nocito im fünften Studienjahr diverse weitere Praktika in verschiedenen Spitälern, bevor dann die strenge Examenszeit begann.

Eine spannende Zeit erlebte der junge Assistenzarzt von 2000 bis 2001 am Institut für Pathologie des Universitätsspitals Basel: «Dort habe ich meine Dissertation abgeschlossen und Sektionen gemacht. Der übliche Weg in der Medizin ist ja der, dass ein Arzt beim Patienten Symptome feststellt, dann eine Diagnose stellt und schliesslich die Therapie eingeleitet wird. In der Pathologie ist es gerade umgekehrt, denn die Pathologie untersucht die Herkunft, die Entstehungsweise, die Verlaufsform und die Auswirkung von Krankheiten, einschliesslich der jeweiligen Vorgänge im Körper», erklärte Antonio Nocito, und: «Am Ende dieser Zeit habe ich überlegt, ob ich in der Pathologie bleiben soll. Doch dann ging ich von Basel nach Baden und wurde Chirurg.»

Die Medizin übt ja nicht nur auf die direkt beteiligte Ärzteschaft eine Faszination aus, sondern wird seit Jahren auch der breiten Masse näher gebracht durch das Medium Fernsehen. Angefangen von heimatlichen Sendungen von damals («Schwarzwaldklinik») und von Praxisbeiträgen bis zu aktuellen Arztserien. Die Fragen an Dr. Nocito lauteten, was er von solchen Beiträgen hält und ob er als Arzt in den Serien etwas Authentisches erkennt. Seine Antworten: «Es gibt Drehbuchautoren, die sich vorgängig intensiv mit der Thematik auseinandersetzen, was sich denn bei manchen Beiträgen auch niederschlägt und positiv herüberkommt. Aber die Mehrheit dieser Serien ist sehr fern von der Realität. Ein Fernseharzt kann meistens alles alleine – das ist in Wirklichkeit nicht mehr so, weil es für alle Disziplinen Spezialisten gibt.»

Die Familie ist ihm wichtig, sagt der mehrfach qualifizierte und ausgezeichnete Facharzt für Chirurgie, sodass er die Freizeit mit seiner Frau und seinen beiden 9 und 4 Jahre
alten Mädchen verbringt – und ein Konsument von Arztserien ist PD Dr. med. Antonio Nocito nicht. Dafür liest er gerne mal ein Buch, das nichts mit Medizin zu tun hat.