Gemeinsam mit Stadtmarketing Rheinfelden organisierte der Veranstalter Go 2-Convent GmbH aus Ludwigsburg (D) das Event. Achtjährige Erfahrungen des Klassikteams und Tourneen durch ganz Europa stehen dahinter. Mitwirkende waren mehr als einhundert Sängerinnen, Sänger und Musiker des Orchesters der Festspieloper Prag sowie des Festivalchors Prag. Vor zwei Wochen hatte «Nabucco» bereits in Aarau gastiert.

Perfekter Sommerabend

Selbst das Wetter zeigte sich von seiner allerbesten Seite und schenkte den mehr als 800 Besuchern einen perfekten Sommerabend. Das besondere Ambiente unter freiem Himmel, eine grandiose Inszenierung, brillante Stimmen, Verdis mitreissende Musik ganz in der Tradition des Belcanto, aussergewöhnliche Situationen, in denen sich gekonnt Dramatik mit eingängigen Melodien und Gefühlstiefe verbanden, machten diese Opernpräsentation zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die Zuhörer bedankten sich mit begeistertem Applaus.

«Nabucco» (Abkürzung für Nebukadnezar, einem babylonischem König) führt zurück in die Zeit um 587 v.Ch. nach Jerusalem und Babylon. Im Zentrum steht das Streben des geknechteten jüdischen Volkes nach Freiheit einerseits sowie die Allmachtsfantasien von König Nabucco, anderseits. Im Tempel Salomon in Jerusalem sind die Hebräer und Leviten versammelt und beklagen ihr elendes Schicksal, nachdem sie von Nabucco und dessen Heer besiegt wurden.

Der Chor sang zu Beginn eindrücklich: «Verhüllt euch in Trauer...», Hohepriester Zaccharias (Jurij Kruglov) glänzte mit seinem hinreissend kraftvollen, warmen Bass. Voller Emotionalität machen sich die Besiegten gegenseitig Mut, haben sie doch Fenena (Monika Brychtová), die zweitgeborene Tochter von Nabucco, als Geisel. Ismaele (Michal Vojta), Neffe des Königs von Jerusalem, soll sie bewachen.

Doch beide haben sich ineinander verliebt, wollen fliehen. Abigaille (Dasa Zaludková), Nabuccos angeblich erstgeborene Tochter, dringt mit Kriegern in den Tempel ein, ein gnadenloses Spiel um Machtansprüche beginnt. Unterstützt wird sie dabei vom Hohepriester des Baal. Als Nabucco (Richard Haan) vom Schlachtfeld zurückkehrt und die Götter verhöhnt, verfällt er dem Wahnsinn.

Faszination und Zauber

Zur Fronarbeit verdammt, trauern die Hebräer um ihr verlorenes Land, singen mit Ausdruckskraft und Tiefe den prachtvoll schönen Gefangenenchor «Flieg Gedanke, getragen von Sehnsucht, lass dich nieder in jenen Gefilden, wo in Freiheit wir einst glücklich lebten...». Spätestens zu diesem Zeitpunkt konnte sich niemand mehr im Publikum der Faszination und dem Zauber dieser Darbietung entziehen. Es war ein Abend mit makellos gesungenen Arien in bestechender Eleganz, einem Orchester, das es verstand, virtuos zurückhaltend zu glänzen und Musik, die trotz der Tragik des Geschehens mit südländischer Vitalität gleichzeitig lyrisch und voller Spannungsmomente war.