Apotheken
Online ist kein Problem: Die Apotheken in der Region spüren aber die Grenznähe

Den Online-Handel hat keinen grossen Einfluss auf die Apotheken im Fricktal, dafür macht ihnen die Grenznähe zu schaffen. Mit dem Ausbau von Dienstleistungen will man die Kunden anlocken.

Marc Fischer
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Keystone

Immer mehr Menschen kaufen sich ihre Medikamente online. Und der Versandhandel will weiter wachsen. Gerade diese Woche hat der Onlinehändler Zur Rose seinen Börsengang angekündigt. Gleichzeitig wächst auch die Zahl der Apotheken in der Schweiz weiter. 1792 wurden Ende 2016 landesweit gezählt, das sind 18 mehr als im Vorjahr. Allerdings geht der schweizerische Apothekerverband Pharmasuisse davon aus, dass ein Fünftel der Apotheken in der Schweiz ums Überleben kämpft.

Eine Umfrage unter Fricktaler Apothekern zeigt ein weniger düsteres Bild. Markus Kasper, der seit 1985 die Oberdorf-Apotheke in Möhlin führt, hat bislang keinen Umsatzrückgang festgestellt. Erst seit sechs Jahren gibt es die Vinzenz-Apotheke in Eiken. «Wir haben uns gut etabliert und konnten stetig wachsen», sagt Geschäftsführerin Monika Mayer. Es gebe jedoch sicherlich Kunden, die mittlerweile online bestellen, so Mayer weiter. «Wir merken es jeweils, wenn sie uns die abgelaufenen Packungen zum Entsorgen bringen.»

Kasper spricht von «einer Tendenz hin zum Onlinehandel, die uns Apothekern schadet», hat aber gleichzeitig auch schon umgekehrte Fälle erlebt. «Wir hatten auch schon Kunden, die zu uns kamen und von schlechten Erfahrungen mit Onlinehändlern berichteten.»

Ergoogelte Diagnosen

Kasper hat dagegen eine andere Veränderung im Apotheker-Alltag beobachtet, die mit der Digitalisierung zusammenhängt. «Die Kunden sind anspruchsvoller geworden. Viele haben zu Hause bereits gegoogelt, um herauszufinden, welche Krankheit sie haben, oder um sich über Medikamente zu informieren.»

Rosmarie Hofer von der Rhein-Apotheke in Stein hat festgestellt, dass vermehrt Kunden ohne vorgängigen Arztbesuch in die Apotheke kommen. «Wir sollen dann Arzt sein», sagt sie. Ähnliche Beobachtungen macht auch Monika Mayer. «Das ist aber auch richtig so, wir sind qualifiziert für eine erste Triage.» In Eiken hätten Kunden zudem den Vorteil, dass die Arztpraxis in unmittelbarer Nähe liegt. «So können wir schwerere Fälle umgehend weiterleiten.» Solche Synergien zu nutzen, sei wichtig für die Zukunft, ist sie überzeugt.

Grenznähe als Problem

Darüber hinaus setzen die Fricktaler Apotheker auf Beratung. «Diese Tätigkeit hat deutlich zugenommen», sagt Monika Mayer, die sich einen weiteren Ausbau wünscht. Markus Kasper seinerseits rüstet sich weiter, indem er die Dienstleistungen ausbaut und auf Bedürfnisse der Kunden eingeht. «Unser Hauslieferservice etwa ist sehr gefragt.»

Ein Problem ist, wie in anderen Branchen auch, die Grenznähe. «Der Onlinehandel macht sich bei uns bisher nicht bemerkbar», sagt etwa Rosmarie Hofer, «aber viele Kunden gehen nach Deutschland.» Weniger für rezeptpflichtige Medikamente, weil da «die Krankenkassen nicht so offen sind», wie Monika Mayer ergänzt. Für rezeptfreie hingegen schon. Besonders oft würden Kosmetika und Babybedarf ennet der Grenze eingekauft, sagt Markus Kasper.

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