«Materielle Gewinne und Verluste, sowie die Kosten-Nutzen-Theorie haben im Gegensatz zur Kultur heutzutage einen grösseren Stellenwert, und das ist bedenklich», erklärte am Freitagabend vor zahlreichen SP-Mitgliedern und anderen musisch Interessierten im reformierten Kirchgemeindehaus in Rheinfelden die Philosophin Annemarie Pieper. Sie zeigte Nutzen und Nachteil der Kunst für das Leben in ihren wie immer verständlichen Worten auf.

Musische Fächer erhalten

In Abwandlung eines NietzscheZitats sagte die in Rheinfelden wohnhafte Philosophin und Dozentin: «Ohne Kunst wäre das Leben ein Irrtum.» Auf Kultur zu verzichten, könne sie sich gar nicht vorstellen. Und wer brotlose Kunst «herstelle», falle ganz einfach durch die Maschen. Andererseits würden Picasso- und Van-Gogh-Gemälde von reichen Menschen nicht der Kunst, sondern des materiellen Wertes zufolge gekauft – und eventuell sogar im Safe verstaut. «Wir brauchen kreative Köpfe, Kunstwerke erfreuen uns und jeder Betrachter kann sich einen eigenen Reim darauf machen. Ich bedauere es ausserordentlich, dass die Bildungspolitik immer mehr musische Fächer streicht, anstatt deren Pensen zu erhöhen.»

Rheinfelden, die Kleinstadt, habe unendlich viele kulturelle Facetten, welche aber zum Teil noch zu erforschen und zu fördern seien.

Die Meinung der Bürger

Aufgrund einer repräsentativen Umfrage in Rheinfelden haben die Einwohner erklärt, sie seien mit der Kultur in ihrem Städtchen zufrieden, sagte SP-Stadtrat Oliver Tschudin. Er wies auf das Kulturkonzept hin, welches vielfältig, aber sicher noch nicht ausgereift sei. Auch die neue Kurbrunnenanlage – von Annemarie Pieper als Ku(ltu)rbrunnen bezeichnet – sorge für eine Bereicherung, aber er müsse für alle Sparten zugänglich sein, wurde in der Diskussionsrunde moniert. Im 5-Millionen-Projekt Kurbrunnen würden eher Sol Gabetta (Olsberg) und andere renommierte Künstler auftreten oder ihre Werke ausstellen. Die Anlage müsse sich noch entwickeln, Optionen halte man sich offen. Das Rheinfelder Budget 2011 sieht übrigens 1,17 Mio. Franken für die Kulturförderung vor.

Fördern, pflegen, vermitteln

Für den Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Aargau, Hans Ulrich Glarner, sind Förderung, Pflege und Vermittlung die Grundpfeiler für die Kultur in allen Belangen. Stolz ist Glarner auf den Kulturkanton Aargau und das kürzlich lancierte Projekt «Kultur macht Schule». Das sei der Nährboden für die ersten zaghaften Versuche von kreativen Kids. Der Historiker Gregor Spuhler hob die regionale Zusammenarbeit hervor, welche in Bezug auf Rheinfelden Baden und die Region bereits prima funktioniere. Er erinnerte an das «Festival der Kulturen», welches dank Ruedi Berner entstanden ist und verschiedene Ethnien zusammenführe. Fazit des Podiums unter Einbezug des Publikums: Rheinfelden ist auf einem guten Weg, muss aber noch einige Baustellen beseitigen, damit auch Nischenkultur ihren Platz finden wird und die Schauspieler sowie andere Kunstschaffende nicht mehr ständig nomadisieren müssen.