Oeschgen
Er wechselt die Reifen im Akkord: Für den Pneufachmann beginnt die Hochsaison

Kurz vor Ostern bei vorsommerlichen Temperaturen hat Thomas Schweizer alle Hände voll zu tun. Der Experte erklärt, für wen Ganzjahresreifen geeignet sind und auf was bei der Bereifung zu achten ist.

Dennis Kalt
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Thomas Schweizer ist seit bald vier Jahrzehnten in der Reifenbranche tätig.

Thomas Schweizer ist seit bald vier Jahrzehnten in der Reifenbranche tätig.

Bild: Dennis Kalt/ «Aargauer Zeitung»

Zwischen dem Dröhnen des Schlagbohrers und dem Quietschen des Wagenhebers kündigt ein lauter Knall den strammen Sitz des Reifens auf der Felge an. An die Geräuschkulisse hat sich Thomas Schweizer längst gewöhnt. Seit rund vier Jahrzehnten ist der Pneufachmann in der Branche tätig und leitet als selbstständiger Unternehmer die AutoPneu Schweizer AG im Oeschger Industriegebiet.

Die Hochsaison im Pneuhaus läuft an. Denn nicht nur, dass Ostern vor der Türe steht – «Grundsätzlich gilt die Faustregel, dass die Zeit der Sommerreifen von Ostern bis Oktober dauert, immer noch», so Schweizer –, auch die Temperaturen haben ein vorsommerliches Niveau erreicht. Dann, wenn das Thermometer die 20-Grad-Marke knackt, denken viele auch über den Wechsel auf Sommerreifen nach.

Er lagert über 4000 Pneus ein

Momentan wechselt das Oeschger Pneuhaus pro Tag von rund 20 Autos die Bereifung. An Spitzentagen, kurz nach Ostern, werden es doppelt so viele sein. Etwa 4000 Pneus hat Schweizer in seinem Lager und viele von diesen müssen demnächst aufgezogen werden. Um der grossen Nachfrage gerecht zu werden, hat das Pneuhaus im April und Mai sowie im Oktober, November und Dezember extra auch an Samstagen geöffnet.

Die Reifen werden von den Mitarbeitenden aufgepumpt (links) und ausgewuchtet (rechts).

Die Reifen werden von den Mitarbeitenden aufgepumpt (links) und ausgewuchtet (rechts).

Bild: Dennis Kalt/ «Aargauer Zeitung»

Mit einem Formel-1-Boxenstopp könne man zwar nicht mithalten, schmunzelnd Schweizer, Ziel sei es aber, dass die Kunden innert weniger Minuten ihr frisch befreites Auto wieder zurückhaben. Deswegen sagt Schweizer:

«Besonders in der Hochsaison sind wir froh, wenn die Kunden sich für einen Termin anmelden.»

Auffällig für Schweizer ist der Trend zu Ganzjahresreifen. Er schätzt das mittlerweile etwa fünf Prozent mit solchen Pneus unterwegs sind – Tendenz steigend. «Die Hersteller haben auf diesen Trend reagiert und mittlerweile gute Produkte auf den Markt gebracht», sagt er. Deswegen verkauft er nicht weniger Pneus, aber durch die Ganzjahresreifen fällt das Geschäft mit dem halbjährlichen Wechseln weg. Trotzdem sagt er, dass je nach Bedürfnis Ganzjahresreifen mit guter Qualität völlig ausreichen.

Tipps vom Pneufachmann

Ganzjahresreifen eignen sich gemäss Schweizer für Fahrer, die nur wenige tausend Kilometer mit ihrem Auto unterwegs sind und in flachen Regionen wohnen und nicht vorhaben, mit ihrem Auto etwa in die Skiferien zu fahren.

Zwar beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe 1,6 Millimeter, doch Schweizer empfiehlt bereits ab einer Profiltiefe von unter 4 Millimetern den Pneu aus Sicherheitsgründen zu wechseln. Denn so kann bei höheren Geschwindigkeiten, sobald das Wasser auf der Fahrbahn steht, ein Wasserkeil unter den Vorderrädern entstehen, der das Fahrzeug unlenkbar macht.

Schweizer empfiehlt zudem, regelmässig den Luftdruck der Reifen zu kontrollieren und in diese Luft zu lassen, falls der Sollwert unterschritten wird. So erhöht sich bei einem zu geringen Luftdruck der Rollwiderstand, was zu einem höheren Verbrauch führt.

Langweilig ist Schweizer die Arbeit auch nach vier Jahrzehnten nicht. Im Gegenteil. «Sie ist vielfältig.» Etwa wechselt er auch defekte Blinker oder kümmert sich um die Lenkeinstellung der Fahrzeuge. Derzeit richtet er einen alten Golf GTI für einen Kunden wieder her.

Momentan beobachtet Schweizer, wie so langsam die E-Autos auf den Strassen Einzug halten. Er sagt:

«Sie haben besonders hohe und dünne Räder für wenig Reibungswiderstand.»

Oftmals müsse er diese noch nachbestellen, weil er sie nicht auf Lager habe und der Kundenanteil mit E-Autos relativ gering sei. Aber dies wird sich über die nächsten Jahre ändern.