Oeschgen
Am 26. September gibt es eine Kampfwahl um den freien Sitz im Gemeinderat

Vier von fünf Gemeinderäten treten in Oeschgen zur Wiederwahl an, nur Gabriele Wieser nicht mehr. Um den frei werdenden Sitz kommt es zur Kampfwahl zwischen zwei Oeschgerinnen. Ammann möchte Christoph Koch bleiben, Vizeammann will Yves Keiser werden.

Thomas Wehrli
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Oeschgen ist seit dieser Luftaufnahme von 2013 nochmals stark gewachsen.

Oeschgen ist seit dieser Luftaufnahme von 2013 nochmals stark gewachsen.

Gerry Thoenen/ FRI

In Oeschgen tritt einzig Vizeammann Gabriele Wieser nicht mehr zu den Wahlen am 26. September an. Die anderen vier Gemeinderäte – Christoph Koch, Alessandro Quaresima, Marco Cafaro und Yves Keiser – hingegen wollen es noch einmal wissen. Klar ist bereits: Der Gemeinderat wird wohl auch nach dem Rücktritt von Wieser kein reines Männergremium, denn mit Esther Herzog-Lauber und Vesna Wöhler haben zwei Frauen Interesse daran, in der Oeschger Exekutive mitzuwirken. Weitere Kandidaturen sind nicht eingegangen.

Dass nun nur fünf der sechs Kandidierenden im AZ-Interview sagen, wo in Oeschgen der Schuh drückt und welches Projekt im kommenden Jahr unbedingt angegangen werden muss, hat einen einfachen Grund. Vesna Wöhler teilte der AZ mit: «Ich mache bei dieser Umfrage nicht mit.» Yves Keiser kandidiert als Vizeammann. Nach dem Rücktritt von Gabriele Wieser braucht Oeschgen einen neuen ­Vizeammann. Dieses Amt reizt Yves Keiser. Er betreut im Gemeinderat die Ressorts Kultur und Freizeit, Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Jagd und Fischerei, Ortsbürger, Wald, Feuerwehr sowie Brandschutz/Kaminfeger.

Eine weitere Legislatur als Gemeindeammann möchte Christoph Koch anhängen. Er ist seit 2012 Gemeindeammann von Oeschgen und insgesamt seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Ämtern für die Gemeinde aktiv.

Was finden Sie an Oeschgen cool?

Christoph Koch, Gemeindeammann, bisher.

Christoph Koch, Gemeindeammann, bisher.

Zvg / Aargauer Zeitung

Christoph Koch, Gemeindeammann, bisher: «Oeschgen ist das ruhige, gut erschlossene, sonnige und naturnahe Wohndorf im Fricktal, seit diesem Jahr auch Teil des Juraparks.»

Yves Keiser, Gemeinderat, bisher, kandidiert neu als Vizeammann: «Die Überschaubarkeit der Gemeinde, die ländlichen Gegebenheiten und der familiäre Kontakt zu meinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Die meisten kennen sich aus der Kindheit, sind zusammen aufgewachsen. Auch für Zuzügler gibt es dank der vielen aktiven Vereine einige Möglichkeiten, sich im Dorf schnell zu integrieren.»

Marco Cafaro, Gemeinderat, bisher: «Die Gemeinde Oeschgen ist südwestlich ausgerichtet und kriegt viel Sonne ab. Oeschgen ist eine der wenigen Gemeinde im Aargau, welche nicht von einer Kantonsstrasse durchquert und mit dessen Emissionen konfrontiert wird.»

Alessandro Quaresima, Gemeinderat, bisher: «Nebst der wunderschönen besonnten Wohnlage bin ich stolz, dass wir bis heute die Eigenständigkeit bewahren konnten. Ich war sehr erfreut über den von der Dorfbevölkerung gut besuchten Zukunftsworkshop. Dort wurde nochmals bekräftigt, dass Oeschgen weiterhin selbstständig bleiben soll.»

Esther Herzog-Lauber, kandidiert neu als Gemeinderätin: «Meine Heimatgemeinde Oeschgen hat immer noch den Charme eines überschaubaren kleinen Dorfes, wo man sich kennt, füreinander einsteht und einander hilft. Dazu kommt eine funktionierende Schule, wo den Kindern ein guter Start in den Schulalltag ermöglicht wird.»

Was stört Sie an Oeschgen, wo drückt der Schuh?

Yves Keiser, Gemeinderat, bisher, kandidiert neu als Vizeammann.

Yves Keiser, Gemeinderat, bisher, kandidiert neu als Vizeammann.

Zvg / Aargauer Zeitung

Christoph Koch: «Die Erwartungshaltung an die öffentliche Hand nimmt stetig zu. Der Umgangston ist aggressiver geworden, was leider viele Leute davon abhält, sich zu engagieren oder an Versammlungen teilzunehmen. Im Grundsatz überwiegen aber die positiven Aspekte.»

Yves Keiser: «Die Oeschgerinnen und Oeschger wollen über die Tätigkeiten des Gemeinderates in Oeschgen orientiert sein, auf dem Laufenden gehalten werden und ein Mitspracherecht haben. Dazu bedingt es eine stetige Kommunikation und einen aktiven Austausch zwischen Gemeinde und den Einwohnern. Dieser Austausch muss zwingend gefördert werden.»

Marco Cafaro: «Oft wird vergessen, dass im Baubereich der Spielraum einer Gemeinde nur klein ist, da vieles mit Gesetzen und Normen reglementiert ist. Zum Beispiel die Kernzone; um diese möglichst zu erhalten, muss der Gemeinderat klare Richtlinien durchziehen, welche sich nicht oft mit den Interessen der Grundeigentümer decken.»

Alessandro Quaresima: «Die Betroffenheitspolitik ohne Hintergrundwissen. Es ist scheinbar bei einigen wenigen nicht klar, dass der Gemeinderat sich im Rahmen von Gesetzen und Vorschriften bewegen muss.»

Esther Herzog-Lauber: «Ich spüre momentan eine gewisse Unzufriedenheit in der Bevölkerung gegenüber unserem Gemeinderat. Viele fühlen sich nicht gehört und bemängeln, dass den Anliegen der Bevölkerung kein Gehör geschenkt wird. Dadurch fehlt das Vertrauen in die Behörde.»

Welches Projekt muss 2022 unbedingt angegangen werden?

Marco Cafaro, Gemeinderat, bisher.

Marco Cafaro, Gemeinderat, bisher.

Zvg / Aargauer Zeitung

Christoph Koch: «Projektmässig die Fertigstellung der Schulraumerweiterung und die Sanierung Dorfstrasse 1. Etappe. Verwaltungsmässig ist die Umsetzung der neuen Führungsstruktur an der Schule sowie die Festigung der neu aufgestellten Gemeindeverwaltung zentral.»

Yves Keiser: «Die Schulraumerweiterung ist ein Thema, das die Gemeinde seit geraumer Zeit beschäftigt und den Einwohnerinnen und Einwohnern am Herzen liegt. Es liegt mir viel daran, dass dieses Projekt zum Schulstart 2022/23 abgeschlossen ist, damit unsere Schüler eine schulische Infrastruktur haben, die ihnen zusteht. Der Spielplatz Brückenwaage und der Hochstammobstgarten.»

Marco Cafaro: «Die Schulraumerweiterung und die Sanierung der Mitteldorfstrasse erster Teil.»

Alessandro Quaresima: «Die erste Etappe der Sanierung der Dorfstrasse. Die Schulraumerweiterung.»

Esther Herzog-Lauber: «Die Schulraumerweiterung ist momentan sicher das aufwendigste und dringendste Projekt, welches es zu verwirklichen gilt. Im Weiteren ist ein guter Übergang der Verantwortlichkeit von Schulpflege zum Gemeinderat sicherzustellen. Themen, die bereits in diesem Jahr begonnen wurden und zentral für unsere Gemeinde sind.»

Wenn Sie 5 Millionen Steuerfranken zur freien Verfügung für Oeschgen hätten – was würden Sie damit realisieren?

Alessandro Quaresima, Gemeinderat, bisher.

Alessandro Quaresima, Gemeinderat, bisher.

Zvg / Aargauer Zeitung

Christoph Koch: «Ich würde versuchen, den Gasthof Schwanen mit dem Umland zu erwerben. Dieser für das Dorfleben wichtige Treffpunkt fehlt nach wie vor. Mit dem zentral gelegenen Land könnte die Gemeinde die Entwicklung selber steuern. Der Ort wäre mit dem direkten ÖV-Anschluss auch ideal gelegen für betreutes Wohnen im Alter.»

Yves Keiser: «Leider fehlt es in Oeschgen an öffentlichen Begegnungszonen und -möglichkeiten oder einer Gaststätte, welche Platz für Stammtischgespräche bietet. Ich würde versuchen, das Geld für solche Zwecke einzusetzen. Und für ein Dorffest mit kulturellen Angeboten. Sowie für generationenübergreifende Projekte.»

Marco Cafaro: «Ein Whatsapp-Gruppenchat kann durchaus unterhaltsam sein, die Interaktion zwischen Menschen fehlt jedoch. In Oeschgen fehlt ein Treffpunkt, wie ein Restaurant oder ein Kaffee/Bistro, in dem man sich treffen, diskutieren und Ideen angehen kann.»

Alessandro Quaresima: «Grundsätzlich gehe ich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln behutsam und mit Augenmass um. Ich würde die Liegenschaft Trotte zu einem schmucken zentralen Treffpunkt als Café-Bistro umgestalten. Ein Austausch untereinander ist für unser Dorf wichtig, dafür muss generationenübergreifend Raum zur Verfügung stehen.»

Esther Herzog-Lauber: «Einen lückenlos beleuchteten Veloweg nach Frick sicherstellen mit LED-Leuchten und Bewegungsmeldern. Einen kleinen Park mit Sitzgelegenheiten und Trainingsgeräten für Senioren sowie einen neu konzipierten Entsorgungs- und Recyclingplatz für unsere Dorfbevölkerung. Diese Anlage wird dann mit einem Fest für die Bevölkerung eingeweiht.»

Weshalb sind Sie / wollen Sie in die Politik?

Esther Herzog-Lauber, kandidiert neu als Gemeinderätin.

Esther Herzog-Lauber, kandidiert neu als Gemeinderätin.

Zvg / Aargauer Zeitung

Christoph Koch: «Ich bin seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Ämtern (Schule, Finanzen, Gemeinderat) auf Gemeindestufe aktiv, da es mir Freude macht, mit Menschen aus der Gemeinde zusammenzuarbeiten. In der aktuellen Funktion kann ich meine vielseitigen Erfahrungen und die Vernetzung in die kantonale Verwaltung der Gemeinde nützlich einbringen.»

Yves Keiser: «An der Politik interessiert mich die strategische Ebene und es ist ein grosses Lernfeld. Ich will auf die Bedürfnisse unserer Bürgerinnen und Bürger eingehen und diese umsetzen können.»

Marco Cafaro: «Ich arbeite viel mit Gemeinden zusammen und konnte bereits viele Projekte im Infrastrukturbereich realisieren. In meiner Tätigkeit als Gemeinderat versuche ich, diese Erfahrung einfliessen zu lassen, damit ein Projekt der Gemeinde wachsen kann. Ich möchte mit meinem Handeln der Gemeinde und der Bevölkerung weiterhelfen.»

Alessandro Quaresima: «Ich war schon in der Lehre politisch sehr interessiert. Ich habe die Chance erhalten, mich in der Kommunalpolitik bereits schon seit 20 Jahren zu engagieren. Mir gefällt die sachpolitische Arbeit und ich bin motiviert, die unterschiedlichsten Projekte zur Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger erfolgreich anzupacken und umzusetzen.»

Esther Herzog-Lauber: «Ich möchte Verantwortung für unser Dorf übernehmen und Bindeglied zwischen Bevölkerung und Exekutive sein. Ich rede nicht nur, ich bin eine Macherin, packe gerne an und bin offen für Anliegen aus der Bevölkerung. Ich will, dass Oeschgen ein attraktives Dorf mit Charme bleibt und nicht zu schnell wächst.»

Das Smartphone/Handy ist für mich ...

Christoph Koch: «...ein Arbeitsgerät für unterwegs.»

Yves Keiser: «...ein Fluch und ein Segen. Es gibt die Möglichkeit, permanent erreichbar zu sein/bleiben, aber auch Informationen innert Kürze zu erhalten. Ein Werkzeug, mit welchem man lernen muss, den richtigen Umgang zu finden.»

Marco Cafaro: «Ein Smartphone macht vieles auf der Welt möglich. Ein Smartphone kann einem Menschen auch viel Zeit rauben – soziale Medien, Gaming, etc. Zeit, die anders investiert mehr zurückgegeben hätte.»

Alessandro Quaresima: «…ein Kommunikations- und Informationsmittel, das ich rege nutze.»

Esther Herzog-Lauber: «...ein wichtiges Kommunikationsmittel, das nicht mehr wegzudenken ist. Durch die Möglichkeiten, als «tragbares Büro» (fast) immer erreichbar zu sein, birgt es aber auch Risiken. So ist der Luxus heute, nicht immer erreichbar zu sein, sondern zu gewissen Zeiten bewusst offline zu gehen.»

Wächst Oeschgen zu schnell?

Christoph Koch: «Oeschgen ist in den letzten zehn Jahren von 900 auf bald 1100 Einwohner gewachsen. Dieses im Vergleich überdurchschnittliche Wachstum ist wohl auf die zentrale und dennoch etwas abseitsliegende Lage des Dorfes zurückzuführen. Die Gemeinde ist wegen des Wegfalls von Finanzausgleichsbeiträgen auf ein qualitatives Wachstum angewiesen.»

Yves Keiser: «Aus meiner Sicht ein klares Ja. Fast alle freien grünen Flächen werden überbaut. Dies bedingt eine Anpassung der öffentlichen Infrastrukturen und ist immer mit hohen Kosten verbunden. Leider ist dies der momentane Wandel der Zeit, wovor wir uns als Gemeinde nicht verschliessen können.»

Marco Cafaro: «Dass Oeschgen zu schnell wächst, würde ich nicht sagen, schnell aber schon. Das ist halt so, wenn eine Gemeinde nahe an einer Zentrumsgemeinde liegt, eine attraktive Schule hat, gut verkehrstechnisch erschlossen ist und ein schönes Schlössli besitzt.»

Alessandro Quaresima: «Mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern hatte Oeschgen in den letzten Jahren ein überdurchschnittliches, aber gesundes Wachstum. Aktuell kommen in Oeschgen wieder 40 Wohnungen dazu. Der Zuwachs kommt gestaffelt und die Infrastrukturen sind zweckmässig.»

Esther Herzog-Lauber: «Die Bautätigkeit in den letzten zwei bis drei Jahren war geprägt durch Grossprojekte. Dies kann und darf nicht so weitergehen. Unsere Infrastruktur kommt an ihre Grenzen. Ich glaube nicht, dass dies gesund ist. Lieber klein und fein und deshalb bin ich für ein moderates Wachstum.»

Weshalb soll ich Sie wählen, was zeichnet Sie aus?

Christoph Koch: «Ich habe nach wie vor eine grosse Motivation, mich für eine gesunde Entwicklung der Wohngemeinde einzusetzen. Meine Erfahrung aus Bildung, Finanzen und Bauwesen kann ich für die Gemeinde und die Verwaltung gewinnbringend einsetzen. Das Amt des Gemeindeammanns braucht vernetztes Denken und zeitliche Flexibilität, dafür stehe ich ein.»

Yves Keiser: «Zuverlässigkeit und Beständigkeit gehören zu meinen Stärken. Es ist mir ein grosses Anliegen, die Zukunft gemeinsam mit den Oeschgerinnen und Oeschgern zu gestalten, für Neues braucht es Offenheit und Kreativität, diese Eigenschaften bringe ich mit.»

Marco Cafaro: «Wie der Beruf als Ordnungshüter ist auch der Job als Baugemeinderat nicht immer angesehen. Oft muss den Personen mitgeteilt werden, dass das persönliche Vorhaben sich nicht mit den gesetzlichen Vorgaben deckt. Der Start als Baugemeinderat war kein einfacher, wir konnten aber auf das vorhandene Wissen meiner Gemeinderatskollegen zurückgreifen. Diese Erfahrung biete ich der Gemeinde eine weitere Amtsperiode an.»

Alessandro Quaresima: «Unser Dorf braucht eine erfahrene, kompetente Person mit Kontinuität. Damit kann ich nicht nur das Gremium, sondern auch unsere Verwaltung sehr gut unterstützen. Ich kenne die verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge im Dorf und nicht zuletzt liegt mir Oeschgen schon seit meiner Geburt am Herzen und dies soll in Zukunft so bleiben.»

Esther Herzog-Lauber: «Ich bin in Oeschgen aufgewachsen und kenne viele Facetten des Dorfes. Ich bin gut vernetzt und was mit unserem Dorf passiert, liegt mir am Herzen. Ich bin motiviert, unser Oeschgen im Sinne der Einwohner weiterzubringen und als attraktiven Lebensplatz zu gestalten.»

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