Öffentlicher Verkehr
Stufenlos ins «Poschti»: Auch für Fricktaler Gemeinden ist das eine Herausforderung

In Schupfart kamen jüngst Gelenkbusse zum Einsatz. Hintergrund waren Testfahrten von Postauto im Auftrag des Kantons Aargau. Herausfinden wollten die Verantwortlichen, wie die Haltestelle Schupfart Dorf der Postauto-Linie 90 umgebaut werden kann – barrierefrei und für Menschen mit Beeinträchtigungen nutzbar.

Hans Christof Wagner
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In Eiken ist die Haltestelle Poststrasse schon barrierefrei umgebaut worden.

In Eiken ist die Haltestelle Poststrasse schon barrierefrei umgebaut worden.

Hans Christof Wagner

Jüngst dürften die Schupfarter nicht schlecht gestaunt haben – Gelenkbusse im Dorf? Denn die sind auf der Postauto-Linie 90 sonst nicht im Einsatz. «Es ist auch nicht geplant, sie in Zukunft dort einzusetzen», sagt Postauto-Sprecher Ben Küchler.

Hintergrund der Testfahrten war vielmehr, herauszufinden, was getan werden muss, dass die Haltestelle Schupfart Dorf in Zukunft auch für Menschen mit Beeinträchtigungen barrierefrei zugänglich ist. Die Testfahrten hätte man auch mit den sonst auf der Strecke fahrenden Bussen absolvieren können. Aber Küchler sagt:

«Da jetzt Haltestellen umgebaut werden müssen, will man die Chance nutzen und sie in einem Aufwasch auch gleich gelenkbustauglich umbauen.»

Markus Baumgartner, Projektleiter im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, ergänzt: «Wir bauen Infrastruktur für die nächsten 40 bis 50 Jahre und projektieren grundsätzlich für Gelenkbusse – auch da, wo sie heute noch gar nicht fahren.» Die Herausforderung in Schupfart: Die Haltestelle Schupfart Dorf ist auch der Wendeplatz der Postauto-Linie 90. Und so ist es dort für die Chauffeure mit dem langen Vehikel besonders trickreich.

Schupfarts Gemeinderat Fabian Leubin erklärt die Hintergründe der jüngsten Testfahrten:

«Wie jede Gemeinde in der Schweiz sind auch wir in Schupfart verpflichtet, unsere Bushaltestelle dem nationalen Behindertengleichstellungsgesetz anzupassen.»

Das heisst, es müsse möglich sein, mit einem Rollstuhl barrierefrei in ein Postauto einzusteigen. Den Auftrag dazu gibt das Behindertengleichstellungsgesetz von 2004, das Kantonen und Gemeinden 20 Jahre Zeit zur Umsetzung gibt. Der öffentliche Verkehr muss also bis Ende 2023 umgestaltet sein. Das betrifft auch Bushaltestellen.

Auch in Eiken und Münchwilen wurden jüngst Haltestellen angepasst. In Eiken habe dafür die Haltestelle Poststrasse eigens verlegt werden müssen, so Baumgartner. In Münchwilen wurden die Arbeiten im Zuge der Sanierung der Kantonsstrasse miterledigt.

Bei 1500 Bushaltestellen im Aargau viel zu tun

Aber noch gibt es im Aargau mit seinen laut Baumgartner 1500 Bushaltestellen viel zu tun in Sachen Anpassung an die Bedürfnisse beeinträchtigter Menschen. Weil die komplette Umstellung laut Baumgartner aus organisatorischen und finanziellen Gründen unrealistisch sei, habe der Kanton ein «Grobnetz» erstellt mit einer eingeschränkten Zahl an Stationen, die prioritär behandelt werden.

Aber im nächsten Jahr könnte es einen Push geben. Denn ab 1. Januar 2022 übernimmt nach Angaben Baumgartners der Kanton die Umbaukosten zu zwei Dritteln, sollte die Haltestelle an einer Kantonsstrasse liegen. Aktuell müssen die Gemeinden je nach Steuerkraft noch bis zu 60 Prozent selbst daran zahlen.

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