Gipf-Oberfrick
Oberstufen-Fusion mit Frick: Gemeinderat muss nachsitzen

Die Zusammenlegung der Oberstufe mit Frick stösst in Gipf-Oberfrick auf Widerstand. Eine IG verlangte an der Gmeind, an der das Geschäft gar nicht traktandiert war, die Prüfung von Alternativen.

Thomas Wehrli
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Bei der Fusion der Oberstufe von Gipf-Oberfrick und Frick gibt es Widerstand. (Symbolbild)

Bei der Fusion der Oberstufe von Gipf-Oberfrick und Frick gibt es Widerstand. (Symbolbild)

az-Archiv

Zum Haupttraktandum an der Gemeindeversammlung in Gipf-Oberfrick wurde jenes Geschäft, das gar nicht traktandiert war: Die geplante Zusammenlegung der Real- und Sekundarschulen von Frick und Gipf-Oberfrick zur «Oberstufe Fricktal Süd». Frick würde damit künftig die gesamte Oberstufe für die umliegenden Gemeinden führen (die Bezirksschule ist seit langem in Fricker Händen). Der Oberstufen-Schulstandort Gipf-Oberfrick soll nach der Zusammenlegung erhalten bleiben – Frick will das Regos-Schulhaus von Gipf-Oberfrick mieten. Nicht tangiert sind die Primarschulen; sie bleiben eigenständig.

Seit die beiden Gemeinden Anfang Mai ihre Absicht, die Oberstufen zusammenzulegen, publik gemacht haben, rumort es in Gipf-Oberfrick. Von mangelnder Transparenz, schlechter Information, offenen Fragen und unnötiger Aufgabe der Autonomie ist die Rede. Dies rief auch eine «IG Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick», die sich, der Name ist Programm, für den Erhalt der Oberstufe einsetzt und der inzwischen mehr als 50 Personen angehören.

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte die IG an der Gemeindeversammlung vom Freitag: Sie stellte einen Überweisungsantrag, in dem sie den Gemeinderat auffordert, «zusätzliche Varianten mit einer eigenständigen, vor Ort operativ und strategisch geleiteten Oberstufe» zu erarbeiten. Zudem muss der Gemeinderat für alle Varianten die kurz- wie langfristigen finanziellen Auswirkungen sowie die Folgen für die (verbleibende) Schule aufzeigen.

181 stimmten Antrag zu

Weiter fordert die IG, dass der Gemeinderat die Bevölkerung «spätestens zwei Wochen» vor der Winter-Gemeindeversammlung über die Varianten informiert und einen von der IG erstellten, zwölfteiligen Fragekatalog beantwortet. An selbiger Gmeind habe die Exekutive, so will es die IG weiter, das Geschäft «beschlussfähig» zu traktandieren. Für die Ausarbeitung sämtlicher Antragspunkte stellt sich die IG «mit ihren breit abgestützten, fachkundigen Mitgliedern» zur Verfügung. Der Überweisungsantrag wurde deutlich – mit 181 von 217 Stimmen – überwiesen.

Gemeindeammann Regine Leutwyler betonte noch einmal, dass auch der Exekutive die Schule am Herzen liege und dass die Zusammenlegung, die von einer bikommunalen Arbeitsgruppe in einem langen Prozess erarbeitet wurde, nicht ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit ist. Unvermeidlich machten den Schritt sinkende Schülerzahlen, der zunehmende Druck des Kantons (er strebt mittelgrosse Standorte mit 600 bis 700 Schülern an) sowie der Nachbargemeinden Wittnau, Wölflinswil und Oberhof; sie schicken ihre Real- und Sekundarschüler nach Gipf-Oberfrick – und müssen deutlich höhere Schulgelder zahlen, als dies in Frick der Fall wäre. Verständnis zeigt Leutwyler auch dafür, dass Schulleitung und Lehrerschaft das Zusammengehen ablehnen. Das letzte Wort in der der Causa Oberstufe, das betonte Leutwyler ebenfalls, sei noch nicht gesprochen – den Entscheid fällt der Souverän.

Stabile Schülerzahlen?

Peter Schraner monierte im Namen der IG, dass immer von «Zusammenarbeit» die Rede war – bis man Anfang Mai in der Zeitung las, dass die Oberstufen zusammengelegt würden. Dagegen wehre man sich, denn die Schule Gipf-Oberfrick biete «eine übersichtliche und gut organisierte Lernatmosphäre in moderner Umgebung». Zudem verspreche die Dorfentwicklung stabile Schülerzahlen.

Tanja Suter-Brogle, die zusammen mit Peter Schraner, Thomas Meierhans und Salome Schraner die Kerngruppe der IG bildet, betonte, dass viel Informationsbedarf bestehe und dass man in der IG der Ansicht sei, die Variante «Zusammenlegung» habe negative finanzielle Auswirkungen für die Gemeinde.

Der Kirschbaum im Garten

Gion Venzin, der seit 23 Jahre an der Realschule in Gipf-Oberfrick unterrichtet, hat pädagogische Bedenken gegen die vom Kanton angepeilten grossen Schulzentren. «Diese sind für schwächere Schüler nicht geeignet.» Er kritisierte zudem, dass das Schulhaus das einzige sei, was der Gemeinde nach der Zusammenlegung von der Oberstufe bleibe. Die Mietlösung verglich er mit einem Kirschbaum im eigenen Garten, den man an den Nachbarn vermiete – um ihm dann die Kirschen abzukaufen.

Die IG will, wenn man so will, dass die jungen Kirschen auch künftig «made in Gipf-Oberfrick» bleiben. Eine Zusammenarbeit mit Frick – wie in etlichen anderen Bereichen – erachtet sie dabei als zielführender als eine «Fusion» der Oberstufen.

Das «Wie weiter» ist aus Sicht der IG klar: Varianten ausarbeiten, Bevölkerung informieren, Beschluss fassen. Für IG-Mitglied Thomas Meierhans impliziert der Überweisungsantrag auch, dass die Gemeinde bis zur Winter-Gmeind «keine Beschlüsse» in Sachen Oberstufenstandort fällt.