Gemeinsame Oberstufe
Oberstufen-Fusion: Gipf-Oberfrick nimmt IG in die Pflicht – Frick wartet ab

Gipf-Oberfrick nimmt die «IG pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» in die Pflicht und geht nochmals über die Bücher. Frick sagt: «Wir stehen zu unserem Wort, keine anderen Schüler aufzunehmen – so lange der Prozess läuft.»

Thomas Wehrli
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Präsentierten die Idee der gemeinsamen «Oberstufe Fricktal Süd»: Regine Leutwyler (links) und Susanne Gmünder Bamert.

Präsentierten die Idee der gemeinsamen «Oberstufe Fricktal Süd»: Regine Leutwyler (links) und Susanne Gmünder Bamert.

Thomas Wehrli

Die «IG pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» stand am Freitag an der Gemeindeversammlung im Rampenlicht. Sie forderte per Überweisungsantrag, dass der Gemeinderat «zusätzliche Varianten mit einer eigenständigen, vor Ort operativ und strategisch geleiteten Oberstufe» erarbeitet (wir berichteten).

Die IG stellt sich damit gegen das Vorhaben von Frick und Gipf-Oberfrick, die beiden Oberstufen unter der Führung von Frick zur «Oberstufe Fricktal Süd» zusammenzulegen.

Im Gegenzug würde Frick das Regos-Schulhaus von Gipf-Oberfrick mieten – und der Oberstufenstandort bliebe so erhalten. Den Wunsch nach Eigenständigkeit teilten am Freitag 181 der 217 anwesenden Stimmberechtigten: Sie stimmten dem Überweisungsantrag zu.

Das Scheinwerferlicht ist aus – die Arbeit beginnt. Sie habe überhaupt kein Problem mit dem Überweisungsantrag, sagte Gemeindeammann Regine Leutwyler am Montag im Gespräch mit der az. «Das ist gelebte Demokratie.»

Das Volk habe dem Gemeinderat einen klaren Auftrag erteilt «und den werden wir nun umsetzen». Überrascht hat sie der massive Widerstand nicht. «Sobald es um die Schule geht, wird es emotional», weiss sie – und verweist auf die Gemeinde Mettauertal, wo die Schliessung des Schulstandortes Etzgen jüngst für viel Zündstoff sorgte.

Auch Susanne Gmünder Bamert, Schulgemeinderätin in Frick, hat Emotionen erwartet – «allerdings nicht in dieser Heftigkeit». Es sei für Gipf-Oberfrick kein einfacher Prozess, sagt sie, vor allem, weil die Schule anerkanntermassen gut funktioniere. Nur eben: «Der Standort Gipf-Oberfrick wird vom Kanton infrage gestellt und deshalb braucht es eine regionale Lösung, die auch mittel- und langfristig funktioniert.»

Es gibt keine Ausnahmen mehr

Das Problem sind vor allem die sinkenden Schülerzahlen, die bereits Ausnahmebewilligungen des Kantons erforderlich gemacht haben. Leutwyler weiss aus Gesprächen mit dem Departement Bildung, Kultur und Sport, dass es in Zukunft keine Ausnahmebewilligungen mehr gibt und die gesetzlichen Bestimmungen durchgesetzt werden. «Wir müssen jetzt reagieren, um den Standort langfristig zu sichern», sagt auch sie.

Den impliziten Vorwurf der IG, man habe andere Varianten zu wenig geprüft, weist Leutwyler klar zurück. Als der Vorschlag der bikommunalen Arbeitsgruppe auf dem Tisch lag, «prüften wir fünf andere Varianten nochmals». Jede dieser Varianten hätte Vor- und Nachteile. «In der Abwägung kamen dann auch wir zum Schluss: Die Zusammenlegung der beiden Oberstufen ist die beste Lösung.» Auch den Vorwurf, man habe zu spät informiert, weist Leutwyler zurück. «Man kann erst informieren, wenn ein Resultat auf dem Tisch liegt.» Da die «breit abgestützte Arbeitsgruppe» zu Beginn Stillschweigen vereinbart hatte, «wurden auch wir Gemeinderäte erst informiert, als sie ihre Arbeit beendet hatte». Diese Stillschweigevereinbarung erachtet Leutwyler im Rückblick «als recht schwierig».

Frick steht zu seinem Wort

Leutwyler betont nochmals: «Es war nicht die Idee des Gemeinderates, alles umzukrempeln.» Die sinkenden Schülerzahlen, der Druck des Kantons und der Nachbargemeinden hätten den Prozess ausgelöst.

Wittnau, Oberhof und Wölflinswil schicken ihre Real- und Sekundarschüler nach Gipf-Oberfrick; sie zahlen ein höheres Schuldgeld, als sie es in Frick tun müssten – und das stiess vorab Wittnau sauer auf. Die Gemeinde gelangte deshalb mit der Anfrage an Frick, ob man ihre Schüler aufnehmen würde.

«Wir lehnten ab, weil wir nicht wollten, dass Gipf-Oberfrick mit dem Rücken zur Wand steht», sagt Gmünder Bamert. Es mache keinen Sinn, sich auf diese Distanz das Wasser gegenseitig abzugraben. «Es braucht ein regionales Denken.»

Für die Fricker Schulgemeinderätin ist klar: «Wir stehen zu unserem Wort, keine anderen Schüler aufzunehmen – so lange der Prozess läuft.» Beende Gipf-Oberfrick den Prozess, «müssen wir die Situation neu beurteilen».

Davon kann derzeit (noch) keine Rede sein. «Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten nochmals alle Varianten durchgehen und allfällige weitere prüfen», sagt Leutwyler. Für sie sind drei Rahmenparameter gegeben: Erstens werde der Gemeinderat die IG in den Prozess einbinden, sie «in die Pflicht nehmen». Gipf-Oberfrick komme, zweitens, an einer Zusammenarbeit mit Frick – «in welcher Form auch immer» – nicht herum. Drittens: «Für mich ist derzeit alles denkbar – und vielleicht haben wir am Schluss eine Lösung, die es im Kanton Aargau noch nirgends gibt».

Ziel sei es, wie von der IG verlangt, dem Souverän an der Gemeindeversammlung im November eine beschlussfähige Lösung zu unterbreiten und den zwölfteiligen Fragenkatalog der IG zu beantworten. «Für viele Fragen liegen die Antworten bereits vor», so Leutwyler, bei anderen gelte es, weitere Abklärungen zu treffen. Eine der Fragen, die zwölfte, beantwortet Leutwyler spontan: «Gipf-Oberfrick ist bisher gegenüber Frick keine Verpflichtung eingegangen.» Das einzige unterschriebene Dokument sei das Strategiepapier, das noch ihr Vorgänger Andreas Schmid mit dem damaligen Fricker Ammann Anton Mösch unterzeichnet hat und das besagt: Die beiden Gemeinden arbeiten im Bereich Oberstufe zusammen.

In Frick lautete die Devise nach dem letzten Freitag: Abwarten. «Der Ball liegt jetzt bei Gipf-Oberfrick, wir setzen keinen Druck auf.» Man biete weiterhin Hand für eine regionale Lösung, die, daraus macht Gmünder Bamert keinen Hehl, «für Frick grössere Veränderungen mit sich bringt und nicht ganz einfach ist, umzusetzen». «Abwarten» heisst die Losung auch in Wittnau, das den Prozess mit ins Rollen gebracht hat. Gemeindeammann Werner Müller: «Der nächste Schritt liegt bei Gipf-Oberfrick.»