Oberes Fricktal
«Nicht mehr zeitgemäss»: Spitex-Verein soll aufgelöst und neu organisiert werden

Der Spitex-Verein Regio Laufenburg soll in seiner heutigen Form aufgelöst und stattdessen als interkommunale Anstalt neu organisiert werden. Die Gemeinden erhoffen sich davon mehr Möglichkeiten zur Mitsprache – die Kundinnen und Kunden aber sollen vom Wandel nichts merken.

Nadine Böni
Merken
Drucken
Teilen
Bei der Spitex Regio Laufenburg sind inzwischen 27 Mitarbeitende tätig.

Bei der Spitex Regio Laufenburg sind inzwischen 27 Mitarbeitende tätig.

Gaetan Bally / Keystone

In den Gemeinden Gansingen, Laufenburg und Mettauertal wird an den Gemeindeversammlungen auch über ein Thema informiert, das gar nicht auf der Traktandenliste steht: die angedachte Neuorganisation der Spitex Regio Laufenburg. Sie übernimmt heute die ambulante Pflege für die drei Gemeinden und deckt damit ein Gebiet von rund 6800 Einwohnerinnen und Einwohnern ab.

Die Spitex Regio Laufenburg ist als Verein organisiert. Entstanden ist er vor über 20 Jahren aus Krankenpflegevereinen. Die Spitex-Organisation wurde auf den 1. Januar 2000 gegründet. In der Gründungszeit habe die Organisation als Verein sicherlich Sinn gemacht, sagt der Laufenburger Stadtammann Herbert Weiss. Aber:

«Seither hat sich aber viel verändert und gewandelt.»

Vor zwei Jahren wurde daher eine unabhängige Unternehmensanalyse durchgeführt – mit dem Fazit, dass die heutige Organisationsform «nicht mehr zeitgemäss» sei, wie es in einer Mitteilung heisst. Dem Wandel soll nun mit einer Neuorganisation der Spitex Regio Laufenburg Rechnung getragen werden. Der Verein soll auf- und von einer interkommunalen Anstalt (IKA) abgelöst werden.

Mehr Mitspracherecht für die Gemeinden

Hinter dem Begriff verbirgt sich eine mögliche Form der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gemeinden. Die IKA dienen den Gemeinden dabei als gemeinsamer Rechtsträger. In Laufenburg und Gansingen kennt man das Modell bereits: Die Forstbetriebe der beiden Gemeinden haben per 1. Januar 2020 zu einer öffentlich-rechtlichen Anstalt fusioniert.

Eine Arbeitsgruppe soll nun auch den bestehenden Spitex-Verein in eine interkommunale Anstalt überführen. Ein Vorteil: Die Spitex rückt näher an die Gemeinden, die sich mehr Mitsprache erhoffen. Herbert Weiss erklärt:

«Bei einer IKA haben die Gemeinden über eine Beteiligung im Verwaltungsrat einen grösseren Einfluss auf die Strategie, die Rechnung und das Budget der Spitex.»

Die Gemeinden, der Vorstand des Spitex-Vereins und die Geschäftsleitung der Spitex Regio Laufenburg stünden hinter der Idee, sagt Weiss weiter. Die angedachte Neuorganisation erfolge in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Auf der Suche nach einem neuen Domizil

Die Kundinnen und Kunden der Spitex sollen von der Neuorganisation möglichst wenig bemerken, so Weiss. Das Ziel aller Beteiligten sei es, dass die Kundennähe und das Angebot beibehalten werden können. Die Mitarbeitenden werden zu den gleichen Bedingungen weiterbeschäftigt. Herbert Weiss sagt:

«Auf der operativen Seite bleibt die bestehende Struktur, mit der wir sehr zufrieden sind. Die Mitarbeitenden machen einen tollen Job.»

Eine Veränderung könnte es hingegen bezüglich der Geschäftsstelle geben – was aber nicht in erster Linie mit der Neuorganisation zusammenhänge, sondern vielmehr mit der Entwicklung der Spitex in den vergangenen Jahren. Die Organisation ist auf mittlerweile 27 Mitarbeitende angewachsen. Entsprechend bestehe zusätzlicher Platzbedarf, der am heutigen Standort im Mettauertaler Ortsteil Mettau nicht erfüllt werden könne, so Weiss. Die Suche nach einem neuen Domizil laufe.

Entscheid im Herbst

Bereits an den Gemeindeversammlungen im November sollen die Stimmberechtigten über die Gründung der interkommunalen Anstalt entscheiden. Bis dahin gelte es noch, einige organisatorische Details zu klären sowie das Vorhaben juristisch zu prüfen, sagt Weiss. Im Herbst soll ausserdem noch ein Orientierungsanlass durchgeführt werden.

Auf den 1. Januar 2022 soll die IKA starten. Voraussetzung dafür ist, dass der Spitexverein seinerseits die Auflösung per Ende 2021 beschliesst.