Kaiseraugst

Ob beim Kinderhüten oder bei der Steuer: Bei Problemen hilft der Nachbar

Barbara Schätti präsidiert mit «KaiseraugstPlus» einen Verein, der mittlerweile rund 250 Mitglieder hat.

Der Verein «KaiseraugstPlus» leistet Nachbarschaftshilfe. Unterstützung in institutioneller Form sei heute nötiger denn je, meint die Präsidentin.

Manchmal gibt es Situationen, in denen man sich hilflos fühlt. So wie die Witwe, die nach 40 Jahren zum ersten Mal wieder eine Steuererklärung ausfüllen muss, weil ihr Liebster, der dies bisher immer tat, kürzlich verstorben ist. «Wir haben sogar Finanzexperten in unseren Reihen», sagt Barbara Schätti. Die 74-Jährige ist Präsidentin von «KaiseraugstPlus», einem Verein, der sich die Nachbarschaftshilfe auf die Fahne geschrieben hat.

Gründe gibt es viele, weshalb heute eine Nachbarschaftshilfe in institutioneller Form nötiger denn je ist, meint Schätti. Während früher die Verwandtschaft noch im gleichen Ort oder in der nahen Umgebung gewohnt habe, gebe es heutzutage einige ältere Menschen, die keine Verwandtschaft mehr in ihrer Nähe haben. «Früher kam der Sohn, um die kaputte Glühbirne zu wechseln oder um beim Ausfüllen der Steuererklärung zu helfen. Heute kommt jemand von der Nachbarschaftshilfe vorbei.»

Neben den grösseren geografischen Distanzen zwischen den Familienmitgliedern kommt hinzu, dass die Gesellschaft schnelllebiger geworden ist. «Menschen müssen ständig verfügbar sein», so Schätti. So könne es vorkommen, dass man die wirklich wichtigen Dinge vergesse, wie den Besuch bei einem betagten Elternteil, der alleine in einer Wohnung lebt und dort zu vereinsamen droht.

Der Isolierung entgegenwirken

Um dieser sozialen Isolierung entgegenzutreten, bietet die Nachbarschaftshilfe untern anderem eine Begleitung für Spaziergänge an. Der Mensch sei ein Gesellschafstier, so Schätti. Ein Bedürfnis, dass auch nicht im Alter nachliesse. Wichtig sei es deswegen auch, Gruppeangebote bereitzustellen, um Menschen zusammenzubringen. So etwa bei «Männer im Gespräch» oder dem gemeinsamen Kochen. Zuweilen schaffe man es denn so auch, «den einen oder anderen aus der sozialen Isolation zu holen» und die Senioren über die Gruppenangebote hinaus miteinander zu vernetzten.

Neben der Gesellschaft, welche die Senioren durch die Nachbarschaftshilfe erfahren, ginge es natürlich auch darum, Hilfe bei Problemen oder Aufgaben anzubieten, die jemand selbst nicht lösen oder bewältigen kann. «Die häufigsten Hilfeleistungen im letzten Jahr waren Arbeiten im Hauhalt oder im Garten, Haustierbetreuungen und Hilfe bei der Steuererklärung», sagt Schätti. Seit der Gründung des Vereins im Jahr 2011 mit 100 Mitgliedern sind die Mitgliederzahlen stetig angestiegen – auf heute rund 250. «Das ist ein Anzeichen dafür, dass das Bedürfnis nach gesellschaftlicher Solidarität gestiegen ist», sagt Schätti.

Zwar sind die Menschen, die auf die Hilfsangebote zurückgreifen, vornehmlich im betagten Alter, jedoch sei auch schon die eine oder andere Mutter froh gewesen, wenn sie jemanden für das Kinderhüten über die Nachbarschaftshilfe organisieren konnte, sagt Schätti.

Technik-Know-how gestiegen

Gerade in den ersten Jahren des Vereins war die Nachfrage nach einer generationsübergreifenden Hilfeleistung in Form von digitalen Sprechstunden gross. So haben Jugendliche übers Telefon den Senioren die Bedienung von Smartphones und Tablets näher gebracht. Dieses Angebot sei jedoch heute nicht mehr gefragt. «Mittlerweile kennen sich viele Senioren mit der neuen Technik relativ gut aus», sagt Schätti.

Autor

Dennis Kalt

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