In den meisten Fricktaler Gemeinden werden die Behördenmitglieder im Milizsystem gestellt. Mit den wachsenden Aufgaben hat jedes Gemeinderatsmitglied entsprechend einen grossen Berg an Arbeit zu stemmen. Und dies parallel zum Alltag füllenden Beruf. Zu den wenigen Gemeinden im Fricktal, die für das Ratskollegium, insbesondere den Gemeindeammann eine Festanstellung bieten, gehören Rheinfelden und Möhlin. Der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi führt seine Gemeinde mit einem 100-Prozent-Pensum. Sein Amtskollege Fredy Böni in Möhlin ist mit einem 70-Prozent-Pensum angestellt. In Rheinfelden ist auch das Amt des Vizeammanns mit 30 sowie die drei Stadtratsämter mit je 25 Prozent definiert.

Verwaltungsstruktur Rheinfelden

«Die Rheinfelder Verwaltungsstruktur deckt heute eine Bevölkerung von 12200 Einwohnern ab, entspricht rund 150 Vollzeitstellen, verteilt auf etwa 270 Personen. Viele Klein-Pensen basieren auch auf Stundenlohnbasis, wie zum Beispiel Verkehrslotsen, Aufgabenhilfen, Reinigungspersonal», erklärt der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi. In diesen Zahlen seien auch Pensen enthalten, die regionale Aufgaben abdecken, wie Regionalpolizei, regionale Zivilschutzorganisation, regionales Zivilstandsamt und so weiter.» Nicht enthalten seien in diesen Zahlen das Personal der Ortsbürgergemeinde und der ARA (Kläranlage) oder anderer Firmen mit Beteiligungen der Stadt.

Gibt es eine ideale Gemeindegrösse, um einen Gemeindeammann anzustellen? Darauf Mazzi: «Es kommt stark auf die zu führenden Strukturen, deren Grösse und führungsmässig die Anzahl der direkt Unterstellten in einer Verwaltung an.» Sehr oft würden Verwaltungen formell oder informell vom Gemeindeschreiber geführt. «Mir persönlich gefällt am Modell der grösseren Aargauer Städte, dass die von den Bürgern gewählte Person mit der öffentlichen Verantwortung nach aussen auch in der Führungsverantwortung für die Verwaltung, also nach innen, steht», so der Rheinfelder Stadtammann.

Dort, wo keine Gemeinderats-Fixpensen vorhanden sind, muss ein Grossteil der zu bewältigenden Behördenarbeit in den Abend- oder Wochenendstunden erledigt werden. Das geht aber nicht immer. Mit einer der Gründe, weshalb derzeit die Schaffung eines Teilzeitpensums für das Gemeindeoberhaupt in einigen Dörfern geprüft wird.

Gemeinderat mit 7 Mitgliedern

Peter Weber, Gemeindepräsident von Mettauertal, sagt, er habe quasi schon eine definierte Anstellung, «Ich arbeite ja jeden Montag fix auf der Verwaltung, gemäss Pflichtenheft 50-mal pro Jahr, und bin so nahe an einem Fixpensum.» Hier werde es die nächsten Jahre keine gravierenden Veränderungen geben, ist Weber überzeugt.

Ebenfalls nicht verändern wird sich in den nächsten Jahren die Anzahl Mettauertaler Gemeinderatsmitglieder. Seit ihrem Bestehen 2010 weist die Fünferfusionsgemeinde ein siebenköpfiges Ratsgremium aus. Das habe sich bewährt, erklärt Peter Weber: «Aufgrund der vielen Projekte, welche wir parallel betreuen, ist ein 7er-Gremium von Vorteil. Ausserdem konnten wir vom Wissen der einzelnen Gemeinderäte aus ihren Gemeinden profitieren.» Im 7er-Team wird deshalb auch die kommende Amtsperiode 2014 bis 2017 bestritten. Das wurde an der Wintergemeindeversammlung 2012 der Bevölkerung bekannt gegeben.

Mit dem Zusammenschluss ist Mettauertal zur flächenmässig grössten Gemeinde im Kanton geworden. Mit einer Einwohnerzahl von etwas mehr als 1800 gehört Mettauertal aber eher zu den Kleinen. Macht es da Sinn, auch künftig mit sieben Ratsmitgliedern zu arbeiten? Sicher, betont der Mettauertaler Gemeindepräsident und macht auf die vielen anstehenden Sachgeschäfte aufmerksam: «Wir haben auch für die nächste Legislatur viele grosse Projekte. Dazu zählt der Bau einer zentralen Entsorgungsstelle, der Um- oder Neubau Turnhalle Mettau, die Erschliessung Bruggmättli, die Bau- und Nutzungsplanung, die Vermarktung Turnhalle Hottwil als Herberge, die Förderung unserer Wachstumsziele, Bewilligung einer Arbeitszone von 2,7 Hektaren in Etzgen und so weiter. Das Erreichen der Wachstumsziele ist Match entscheidend für die Eigenständigkeit unserer Gemeinde.»

Peter Weber wird am kommenden Fricktaler Gemeindeseminar (16. bis 18. Januar) in Frick zum Thema Gemeindeorganisation seine Erfahrungen einbringen. Auch Franco Mazzi gehört zu den Rednern. Er spricht zum Thema «Langzeitpflege und Altersbetreuung» im Fricktal.