Viel Beifall gab es am Wochenende im Clubhaus Bata für das gesamte Team des Lehrertheaters Möhlin an der Premiere des Stückes «Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss» nach dem Roman von Horace McCoy in der Bearbeitung von Klaus Kramer und Kaspar von Effa. Regie führte Christine Thurnheer.

Es ist ein Stück voller krasser Gegensätze. Zu bewundern sind wunderschöne Kleider und mitreissende Tänze, aber auch hochkochende Emotionen und krasse Gefühlsausbrüche in ihrer gesamten Bandbreite. Sehr interessant der Auftakt dazu noch in der Vorhalle zum Saal, bei dem die Gäste beobachten können, wie die resolute Gloria den etwas unbedarften Robert überredet, mit ihr gemeinsam am Tanzmarathon teilzunehmen. Und schon sind die Besucher mitten drin im Geschehen.

Siebentägiger Tanzmarathon

Voll freudiger Erwartung und Zuversicht schauen acht Tanzpaare gut gelaunt aus ihren Holzboxen, als der Moderator mit seiner jungen Assistentin die Modalitäten des siebentägigen Tanzmarathons bekannt gibt. Tanzen nonstop, Tag und Nacht, nur aller zwei Stunden 10 Minuten Pause, Minuspunkte für zusätzliche Schläfchen und Fouls, Pluspunkte für die Sieger bei den Extraeinlagen wie Specials oder Sprint. Das Siegerpaar bekommt 500 000  Euro.

Klar doch, das schaffen wir, sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Beginn überzeugt. Denn woher sollen sie auch wissen, wie sie schon nach zwei Tagen total erschöpft vom beflissenen, aber gnadenlos agierenden Moderator immer weiter angetrieben und vorgeführt werden.

Es wird Discofox, Salsa und Tango getanzt, Duelle müssen ausgetragen werden, das Publikum stimmt ab über die Höhe der Punktvergabe. Die Paare werden zur Belustigung aneinandergebunden, im Walzertakt über die Bühne gejagt, müssen beim Saufen um die Wette mitmachen oder lächerliche Gesellschaftsspiele absolvieren.

Hoher Preis

Was also sind die Motive der einzelnen Paare, bei so etwas mitzumachen? Das viele Geld als Siegerprämie zieht magisch an. Doch was ist der Preis dafür! Nach anfänglichem freundlichen Miteinander fangen die Paare vor Erschöpfung, Übelkeit und Schlafbedürfnis an, sich zu streiten, zu schlagen, sie machen sich lächerlich, verborgene Abgründe kommen hoch. Und genau das ist von den Veranstaltern so gewollt. Es wird gedopt, um durchzuhalten, sie fallen um vor Schwäche, ein Tänzer stirbt. Gnadenlos werden die Paare angefeuert, Sensation ist alles.

Wer wird Sieger? Kann es bei solch einem würdelosen Spektakel überhaupt Gewinner geben?