Pilzvielfalt
Nur ein kleiner Teil der Pilzvielfalt ist essbar

Es gibt 6000 verschiedene Grosspilzarten, aber nur 250 davon sind essbar. Ein Pilzkontrolleur gibt wichtige Hinweise.

Ingrid Arndt
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Der Praxistest rund um den Pilz war garantiert ohne Gefahren und Nebenwirkungen, denn am Ende wurde jedes gefundene Exemplar vom kundigen Experten und Präsidenten des «Vereins für Pilzfreunde Fricktal» Chappuis einer genauen Kontrolle unterzogen. Lobend beschied er seinen Schützlingen, dass sie während seines Unterrichts nicht nur gut aufgepasst hätten, sondern auch sehr viel hängen geblieben sei. Dennoch betonte er noch einmal humorvoll sarkastisch: «Spätestens sieben Stunden nach dem Pilzgericht weiss man, ob auch wirklich alle geniessbar waren.» René Chappuis verriet freizügig und uneigennützig gleich zu Beginn der Führung jene Stellen im Wald, wo eventuell die begehrten Maronen oder köstliche Steinpilze auszumachen sind, natürlich ohne Erfolgsversprechen.

«Insgesamt gibt es 6000 verschiedene Grosspilzarten», führte er aus, «jedoch nur 250 davon sind essbar, 250 giftig, alle anderen nicht zu geniessen.» Erwartungsfroh hatten die Teilnehmer der Führung teilweise beachtlich grosse Körbe mitgebracht, mit Spürnasen schwärmten sie aus durch Dickicht und Gehölz.

Pilzkontrolleur Chappuis gab Hinweise, wie die begehrten Stücke aus dem Waldboden zu drehen sind, und zu den gefundenen Exemplaren interessante Informationen. So war zu hören, dass der Hallimasch oft auf kaputten Bäumen zu finden ist, denen er die Nährstoffe entzieht und deshalb zu den Parasiten gehört. Doch zur begehrten Zielgruppe kürten ihn die Damen und Herren ohnehin nicht, muss er doch etwas aufwändiger zubereitet werden und sein Geschmack ist auch nicht jedermanns Sache.

Scharf wie Chilli

Vorbei ging es an Pilzen, die feuriger und schärfer sind als Chilli, am intensiv riechenden Knoblauchschwindling und an Mönchsköpfen. Ab und zu konnte auch mal eine Marone ausgemacht werden. Bei jedem guten Fund gab René Chappuis Tipps für die Zubereitung nebst passenden Gewürzen. Oft war eine genaue Beobachtungsgabe erforderlich beim Suchen, denn gelb-braune Blätter und graues Geäst bildeten mit den fast gleichfarbigen «Hütchenträgern» eine Einheit.

Nebelgraue Trichterkappen, hat man sie einmal erblickt, ziehen so genannte Hexenkreise, einen grösseren oder kleineren Bogen auf nadeligem Erdreich, wo sie dann Stück für Stück hocken. Auch sie müssen vor der eigentlichen Zubereitung vorbehandelt werden. René Chappuis erklärte, dass es Pilzarten gibt, die mit ihren Wirten auf der Basis von Geben und Nehmen eine zu beider Nutzen gedeihliche Symbiose eingehen, wie zum Beispiel der Steinpilz, aber auch Parasiten und Saprophyten, die Holzabbauer im Wald.