Grippe
Nur 20 Prozent des Pflegepersonals lassen sich impfen

Der Bund empfiehlt die Grippeimpfung allen, die im Pflegebereich tätig sind. Impfen lässt sich jedoch nur jeder Fünfte. Dies zeigt eine AZ-Umfrage unter drei grossen Anbietern.

Thomas Wehrli
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Eine Praxisassistentin verabreicht eine Grippeimpfung: Immer weniger Mitarbeiter des Alterszentrums Kolstermatte in Laufenburg lassen sich impfen. (Archiv)

Eine Praxisassistentin verabreicht eine Grippeimpfung: Immer weniger Mitarbeiter des Alterszentrums Kolstermatte in Laufenburg lassen sich impfen. (Archiv)

/KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist klar: Ältere Personen und chronisch Kranke sollten sich gegen die Grippe impfen lassen. Explizit in den Impfempfehlungen des Bundes aufgeführt sind «Patienten in Pflegeheimen und in Einrichtungen für Personen mit chronischen Erkrankungen». Und: «Alle Medizinal- und Pflegefachpersonen», denn sie kommen mit zwei der Risikogruppen – älteren und kranken Menschen – beruflich in Kontakt.

Nur: Der Appell des BAG verhallt beim Pflegepersonal weitgehend ungehört. Beim Alterszentrum Klostermatte in Laufenburg liessen sich im letzten Jahr 18 der 90 Mitarbeitenden gegen die Grippe impfen. Das sind genau 20 Prozent. Zentrumsleiter Heinz Stucki kennt die Zahlen so präzise, weil die Mitarbeitenden jeweils bis Ende Oktober angeben müssen, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Die Frist für dieses Jahr läuft also noch.

Zweierlei ist Stucki in den letzten Jahren aufgefallen: Erstens lassen sich immer dieselben Mitarbeitenden impfen. Zweitens steigt die Zahl der geimpften Mitarbeiter – trotz breit gefahrener Impfkampagne von Bund und Alterszentrum – nicht. Im Gegenteil, «die Anzahl der Geimpften sinkt von Jahr zu Jahr».

Heinz Stucki, Leiter Alterszentrum Klostermatte in Laufenburg: "Die Anzahl der Geimpften sinkt von Jahr zu Jahr."

Heinz Stucki, Leiter Alterszentrum Klostermatte in Laufenburg: "Die Anzahl der Geimpften sinkt von Jahr zu Jahr."

Thomas Wehrli

Breite Infokampagnen

Ähnliche Erfahrungen macht man bei Tertianum. Das Unternehmen ist schweizweit an 74 Standorten tätig und betreibt unter anderem das Wohn- und Pflegezentrum Salmenpark in Rheinfelden. «Gerade beim Pflegepersonal herrscht eine ausgeprägte Skepsis in Bezug auf die Grippeimpfung vor», sagt Kommunikationsleiterin Katja Hafner. Als «eher bescheiden, wenn auch etwas steigend» wertet auch Miriam Crespo, Leiterin Kommunikation beim Gesundheitszentrum Fricktal (GZF), die Impfrate beim medizinischen Personal. Auch hier liegt sie bei rund 20 Prozent.

Heinz Stucki würde es zwar als «sehr wertvoll» erachten, wenn sich eine Mehrzahl der Mitarbeitenden impfen lassen würde. Er kennt aber auch die Argumente, die gegen eine Impfung sprechen – und hat selber nicht nur gute Erfahrtungen mit der Impfung gemacht. «Ich hatte seit mehreren Jahren nie mehr eine Grippe», sagt er. «Nun habe ich mich geimpft mit dem Resultat, dass ich mich einen Winter lang weder krank noch gesund erlebt habe. Ich hatte Grippe-Symptome ohne Ausbruch der Krankheit.»

Alle drei befragten Anbieter versuchen mit Aushängen, Flyern und Gesprächen ihre Mitarbeitenden zu einer Impfung zu motivieren – und bieten diese ihren Mitarbeitenden kostenlos an. «Bei älteren Menschen ist das Risiko für Komplikationen bei einer Grippeerkrankung erhöht», begründet Katja Hafner das Engagement. «Es ist für uns deshalb von grosser Bedeutung, die Möglichkeit einer Ansteckung möglichst zu minimieren. Die Grippeimpfung schützt effektiv vor einer möglichen Ansteckung.»

Weder Druck noch Sanktionen

Druck setzt keiner der Anbieter auf und auch Sanktionen haben die Mitarbeitenden nicht zu erwarten, wenn sie sich nicht impfen lassen. Man ermutige die Mitarbeitenden zwar, doch eine Impfpflicht bestehe «in keiner Weise», sagt Miriam Crespo. «Diese Entscheidung liegt bei jedem einzelnen Mitarbeitenden selber. Auch bei Tertianum appelliert man «an die Selbstverantwortung der Mitarbeiter und setzt auf Information, nicht auf Zwang», sagt Hafner.

Von (Selbst-)Verantwortung geht Stucki auch im Krankheitsfall aus: Wer grippekrank ist, bleibt zu Hause. Was dann allerdings bisweilen zu personellen Engpässen für die Gesunden führt «und auf Kosten der vorgesehenen Frei- und Erholungszeit des einzelnen Mitarbeitenden geht».

Die Impfung der Mitarbeitenden allein genügt als Präventionsmassnahme nicht. Noch wichtiger ist, dass sich ältere und chronisch Kranke selber impfen lassen. Hier macht man im Alterszentrum Klostermatte seit Jahren gute Erfahrung. «Fast alle Bewohner werden von den Hausärzten geimpft, die Quote ist sehr hoch», sagt Stucki.

In den Spitälern und Alterszentren setzt man zudem gezielt auf weitere gesundheitspräventive Massnahmen. So stehen an den Eingängen Händedesinfektions-Spender und die Besucher erhalten Verhaltens-Tipps. Die Kampagne wirke, hat Crespo festgestellt. «Der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln beispielsweise steigt kontinuierlich an, was positiv zu werten ist.»