Frick

Nun ist es definitiv: Das «Container-Dörfli» ist passé

Fehmi Lestrani leitete über drei Jahre lang die kantonale Asylunterkunft in Frick.

Fehmi Lestrani leitete über drei Jahre lang die kantonale Asylunterkunft in Frick.

Gestern verliessen die letzten Bewohner die kantonale Asylunterkunft in Frick – für den ORS-Zentrumsleiter vergingen die drei Jahre wie im Flug.

Rund drei Jahre sind vergangen, seit die ersten 20 Personen die kantonale Asylunterkunft im ehemaligen Werkhof A3 in Frick bezogen. Zu Spitzenzeiten waren rund 160 Asylsuchende im «Container-Dörfli» – so genannt wegen der im A3-Werkhof aufgestellten Container – untergebracht. In den letzten Monaten leerte sich die Asylunterkunft mehr und mehr, bis gestern Morgen um 9 Uhr die letzten vier Bewohner das Gelände verliessen.

Für Zentrumsleiter Fehmi Lestrani, 47, der mit elf weiteren Mitarbeitern der ORS Service AG für die Betreuung der Asylsuchenden zuständig war, ist die Zeit wie im Flug vergangen. Verhehlen will er nicht, dass er schon ein wenig stolz ist, dass er das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Ethnien so gestalten konnte, dass es nie grössere Vorfälle gab. «Klar, das Isolationszimmer, in das wir Bewohner untergebracht haben, wenn sie sich etwa nach Alkoholkonsum aggressiv gegenüber anderen Mitbewohnern gezeigt haben, war ab und an belegt», sagt Lestrani. Insgesamt habe die Zusammenarbeit zwischen den Blaulicht-Organisationen, Gemeindevertretern, dem Kanton, Freiwilligen und dem Einwohnervertreter einwandfrei funktioniert.

Wichtig, so Lestrani, sei es gewesen, sich bei der Betreuung durch Empathie einen Zugang zu den Bewohnern der Unterkunft zu verschaffen, aber dennoch die nötige Distanz zu wahren, um als Autoritätsperson wahrgenommen zu werden. «Weil ich selbst 1996 als Flüchtling aus dem Kosovo hierherkam, hatte manch ein Bewohner schnell das Gefühl, dass ich mich in seine Situation hineinversetzen kann – das hat mir die Arbeit sicherlich etwas erleichtert», sagt Lestrani. Anderseits sahen einige der Einwohner Lestrani als ihren «Bruder» an, der einem sicher den einen oder andern Gefallen tun könne. Klar, dass sich der ORS-Zentrumsleiter und sein Team nie darauf eingelassen haben.

Manchmal hat es ihn ­mitgenommen

Manchmal hat es Lestrani doch schon sehr mitgenommen, wenn Bewohner in ihrer Verzweiflung zu ihm gekommen sind und ihn um Hilfe baten. Etwa, wenn es darum ging, die Mutter oder den Bruder, die sich ebenfalls auf der Flucht befanden, ausfindig zu machen. Oder der Familie eines Bewohners zu helfen, die im Winter an der bosnischen Grenze in einem Zelt festsitzt. «Das war nicht angenehm. Ich konnte ihnen nur immer sagen, dass ich ihr Anliegen an die entsprechende Fachstelle weitergebe», so Lestrani.

Wichtig für Lestrani war, dass sich die Bewohner während ihres Aufenthalts bereits beruflich integrieren konnten. Hierzu hat er ein Projekt mitaufgezogen, bei dem er die Bewohner für mehrwöchige Arbeitseinsätze etwa an Baufirmen, Landwirtschaftsbetriebe oder Recyclingunternehmen vermittelt hat. «Bei manchen Unternehmen gab es manchmal einen Wow-­Effekt, wenn sie bemerkten, dass der Flüchtling aus Afghanistan gleich am ersten Tag die Kirschen schneller pflückt als die anderen Ernte-Helfer», sagt Lestrani. So sei es denn auch vorgekommen, dass einige Asylsuchende im Anschluss an den Einsatz vom entsprechenden Unternehmen eine Lehrstelle oder eine Festanstellung angeboten bekommen haben.

Letzte Abbauarbeiten bis Ende März

Noch bis Ende März werden die ORS-Mitarbeiter die letzten Betten und Schränke abbauen und für Besenreinheit sorgen. Lestrani tritt im Anschluss eine Stelle beim kantonalen Sozialdienst an. «Als das Angebot kam, habe ich mich unheimlich gefreut. Es ist für mich ein Zeichen der Wertschätzung und dafür, dass wir Vieles richtig gemacht haben», so Lestrani.

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Autor

Dennis Kalt

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