Das Staunen und Raunen war gross, als die az im letzten Dezember publik machte, wie hoch die Kosten für die Unterbringung der drei afghanischen Kinder aus Gipf-Oberfrick sind. Die Kinder mussten im November 2015 notfallmässig ins Kinderheim Brugg gebracht werden, nachdem ihr Vater ihre Mutter mit 56 Messerstichen getötet hatte. Der Prozess steht noch aus; der inzwischen 42-jährige Afghane hat die Tat nicht gestanden.

Pro Monat zahlte der Kanton zwischen 55 000 und 57 000 Franken an das Kinderheim Brugg. Hier lebten die Kinder, damals zwischen 7 und 13 Jahre alt, knapp fünf Monate, bis ein definitiver Platz gefunden war. Seit Ende März 2016 wohnen sie in einer sozial- und heilpädagogischen Einrichtung im Kanton Solothurn. Hier kostet die Unterbringung den Kanton 24 180 Franken pro Monat, wie aus der gestern veröffentlichten Antwort des Regierungsrates auf eine Interpellation der beiden SVP-Grossräte Christoph Riner und Tanja Primault-Suter hervorgeht.

Im Garten dieses Einfamilienhauses in Gipf-Oberfrick ist die Asylbewerberin am Mittwochmorgen tot aufgefunden worden

Im Garten dieses Einfamilienhauses in Gipf-Oberfrick ist die Asylbewerberin am Mittwochmorgen tot aufgefunden worden

4. November 2015: Am Mittwochmorgen ist in Gipf-Oberfrick die Leiche einer Afghanin (30) gefunden worden. Sie lag im Garten eines Einfamilienhauses, wie der Regionalsender Tele M1 in einer Vorabmeldung schreibt. Der Ehemann (40) wurde verhaftet.

Aufgeschreckt durch den Medienbericht wollten die beiden Fricktaler Politiker vom Regierungsrat wissen, weshalb die Kosten so «enorm hoch» sind, wie viele ähnliche Fälle es gibt und was der Regierungsrat gedenkt zu tun, um «solch hohe Kosten in Zukunft zu verhindern».

> Die Kosten: Für die Notfallplatzierung im Kinderheim Brugg bezahlte der Kanton eine Tagespauschale von 608 Franken pro Kind. Das gibt im Monat zwischen 54 720 und 56 544 Franken. Diese Pauschale liegt rund 40 Prozent höher als bei Schulheimen, die nicht auf Notfälle ausgerichtet sind. Die Höhe begründet der Regierungrat damit, dass ein Heim die Notfallplätze «jederzeit und kurzfristig» zur Verfügung halten muss, sie aber «eine vergleichsweise geringe durchschnittliche Auslastung» haben. Zudem müsse eine Betreuung rund um die Uhr gewährleistet werden. «Die Abdeckung von 24 Stunden an 365 Tagen führt zu hohen Kosten.» Das Notfallangebot trage indes «wesentlich dazu bei, langfristig Kosten einzusparen.»

> Die Kosten II: Dem Heim, in dem die Kinder heute leben, zahlt der Kanton eine Monatspauschale von 8060 Franken pro Kind. Eine Platzierung in einer Familie wurde ebenfalls geprüft. Eine solche hielt der gesetzliche Vertreter jedoch für verfrüht, da die Kinder noch «ein hochstrukturiertes Angebot mit enger Begleitung benötigen».

«Besonders tragisch an diesem Tötungsdelikt sind die drei schulpflichtigen Kinder», sagt Kapo-Sprecher Bernhard Graser im Interview mit Tele M1.

«Besonders tragisch an diesem Tötungsdelikt sind die drei schulpflichtigen Kinder», sagt Kapo-Sprecher Bernhard Graser im Interview mit Tele M1.

4. November 2015: Am Mittwochmorgen ist in Gipf-Oberfrick die Leiche einer Afghanin (30) gefunden worden. Sie lag im Garten eines Einfamilienhauses, wie der Regionalsender Tele M1 in einer Vorabmeldung schreibt. Der Ehemann (40) wurde verhaftet.

> Die Kostenaufteilung: Die Kosten für die drei afghanischen Kinder übernimmt der Kanton ganz – allerdings erst nach einer Intervention der Gemeinde. Ursprünglich sollte sich Gipf-Oberfrick mit 1240 Franken pro Monat und Kind beteiligen. Dagegen wehrte sich der Gemeinderat. Generell werden die Kosten der Notfallplatzierung von den Eltern, der Gemeinde und dem Kanton getragen. Die Eltern beteiligen sich im Normalfall mit 25 Franken pro Nacht. Die Wohnsitzgemeinde zahlt 1240 Franken pro Kind und Monat. Die Restkosten teilen sich Kanton und Gemeinde. Handelt es sich um Kinder mit dem Status als Asylsuchende oder vorläufige Aufgenommene, «trägt der Kanton subsidiär die Eltern- und Gemeindebeiträge», so der Regierungsrat.

> Die Notfallplätze: Im Kanton Aargau gibt es 29 Notfallplätze für Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene. Sie sind auf vier Heime – Brugg, Oberrohrdorf, Seon und Aarau – verteilt.

> Die Auslastung: Die 29 Plätze sind durchschnittlich zu rund 75 Prozent ausgelastet. Das sei für Notfallplätze «ein sehr hoher Wert», hält der Regierungsrat fest. Insgesamt kommen pro Jahr rund 60 Kinder auf einen Notfallplatz. In den letzten drei Jahren wurden 12 Kinder mit Status Asylsuchende oder vorläufig Aufgenommene notfallmässig platziert. «Die Eltern- und Gemeindebeiträge dieser 12 Kinder wurden vom Kanton übernommen, da die Eltern keine oder ungenügende finanzielle Mittel hatten.»

> Die Dauer: Ein Kind lebt wenige Tage bis vier Monate auf dem Notfallplatz. In Ausnahmefällen kann die Maximaldauer auf sechs Monate erhöht werden.

> Das Ziel: Ziel ist es, eine optimale Anschlusslösung zu finden. «Im Idealfall ist diese Anschlusslösung die Rückkehr in die Familie.» Das ist rund bei einem Drittel der Kinder der Fall.

> Der Vergleich: Vergleichszahlen mit anderen Kantonen zu den Kosten fehlen. Der Regierungsrat bezeichnet sie aber als «ähnlich hoch».

> Das Sparpotenzial: Der Kanton überprüft derzeit, ob und wie sich die Kosten der Notfallplätze senken lassen. Gleichzeitig soll im Rahmen des Reformvorhabens «ambulant vor stationär» geprüft werden, ob der Bedarf für Notfallplätze mittels gezielter ambulanter Angebote reduziert werden kann. Die Zahl der Notfallplätze reduzieren, will der Regierungsrat derzeit nicht.