Im September 1985 zieht Susi Kramer mit ihrer Familie nach Hongkong um, weil ihr Mann dort eine Stelle als Ingenieur annimmt. «Es war bis zum Dezember schier unmöglich, in einer fremden Kultur Materialien zu organisieren, um ein traditionelles Weihnachten aufleben zu lassen.»

Dennoch: Weihnachten musste gefeiert werden. Und so bauen die sechs- und achtjährigen Kinder aus bunten Legosteinen Maria und Josef in Anlehnung an die Krippen-Tradition nach: «Wir haben vor Weihnachten zu Hause oftmals Krippen gebastelt. Es hat mir immer Spass gemacht, viel Liebe in die einzelnen Details der Krippe zu stecken», erzählt Kramer, 69, und schiebt nach: «Die Kinder haben Maria und Josef unter eine Zimmerpflanze gestellt, die wir als Weihnachtsbaum zweckentfremdet hatten». Die Pflanze sei unglaublich stachelig gewesen und wurde nur notdürftig geschmückt: «Ich habe eine rote Geschenkpapier-Schleife an den obersten Ast der Pflanze gebunden», sagt sie.

Weihnachtsbäume im Flugzeug

Die Kinder wurden mit einer chinesischen Schmuckschatulle beschenkt, aus der eine tanzende Ballerina kam und Musik ertönte, sobald man sie öffnete. Erst an Weihnachten 1987 konnte Kramer die Geschenke unter einen echten Weihnachtsbaum legen: «Der Schweizer Club hat Weihnachtsbäume nach Hongkong einfliegen lassen und an seine Mitglieder verschenkt», erzählt Kramer.

Über Weihnachten 1985 besuchte der Fricker «Güggeli»-Wirt Pablo mit seiner Frau die Familie in Hongkong. Er brachte Kramer Farben und eine Leinwand-Rolle als Geschenke mit. «Ich habe mich darüber unglaublich gefreut, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich wusste, woher ich meine Malmaterialien bekommen konnte», sagt Kramer. Über die Festtage schipperte die Familie mit ihren Fricker Besuchern oftmals über die Gewässer der südchinesischen Küste und genoss an Deck die milden Temperaturen und den Sonnenschein.

Eine Weihnachts-Erinnerung

Oberhof, Heiligabend 1958: Draussen rieseln dicke Schneeflocken auf die Äste der Tannen nieder und drinnen muss sich die elfjährige Susi gedulden. Sie sitzt auf heissen Kohlen im Bett des Kinderzimmers und sehnt sich dem erlösenden Bimmeln der Glocke entgegen. Währenddessen stellen ihre Eltern die Geschenke unter den mit Kerzen geschmückten Weihnachtsbaum. Die Nadel des Schallplattenspielers gleitet über das Vinyl. Die Klänge der Streicher, Hafen und Holzbläser der Oper Aida durchdringen die Räume und füllen sie mit viel Besinnlichkeit.

Das Kinderzimmer vor Augen

«Weihnachten als Kind war so richtig traditionell. Daran erinnere ich mich wirklich gerne zurück», sagt Susi Kramer bedächtig, während ihr Blick aus ihrer Galerie vorbei an den bunten Acrylglas-Kunstwerken hoch auf den Hügel zu ihrem Kinderzimmer der elterlichen Wohnung schweift, dort, wo sie einst den Geschenken wartend entgegen sehnte. «Weil ich diese weihnachtliche Tradition als Kind so herrlich fand, habe ich sie selbst aufgenommen und an meine Kinder weitergegeben», erzählt Kramer.