Herr Zumsteg, vor einer Woche haben Sie zusammen mit der IG «neue Gemeinderäte für unser Dorf» über die 4 Rücktritte aus dem Gemeinderat und das «Wie weiter» orientiert. Man spürte an der Veranstaltung: Es liegen dunkle Wolken über dem Dorf. Haben sich diese inzwischen etwas verzogen?

Gerhard Zumsteg: So schnell geht das nicht; sie sind noch da. Persönlich habe ich in den letzten Tagen allerdings wenig gehört. Ich spürte eine grosse Zurückhaltung im Dorf.

Die Infoveranstaltung vermochte den Nebel über dem, was passiert ist, nicht vollständig zu lüften. Sagen Sie es mir: Was führte dazu, dass 4 der 5 Gemeinderäte zurücktraten?

Wir sind vor 11 Monaten mit zwei neuen Leuten und einem neuen Gemeindeammann in die Legislatur gestartet. Es gelang uns von Anfang an nicht, als Team zusammenzufinden. Vor allem bei der Kommunikation im Team haperte es. Gewisse Infos flossen nicht mehr und das löste ein ungutes Gefühl aus.

Dann stimmt das kolportierte Bild, dass die Alten gegen die Neuen waren?

Nein, so stimmt das nicht. Wir «Alten» sind durchaus auf die Neuen zugegangen und haben ihnen auch Auskunft gegeben. Nur: Es war wenig Interesse spürbar, zu erfahren, wie es früher war. Oftmals wurden die Vorgeschichte oder bestehende Verträge nicht beachtet. Ich kam mir bisweilen wie in einem Schnellzug vor, der vergass, im eigenen Dorf zu halten.

Eine Art Nothalt legte der Gemeindezug am Dienstag ein. Die Veranstaltung verlief sehr emotional. Haben Sie das erwartet?

Ich rechnete mit kritischen Stimmen. Dass einige Exponenten die IG und das bisherige Gremium, also auch mich, derart massiv angriffen, hat mich dann doch überrascht und belastet. Ich schlief schlecht und fragte mich: Hast Du in den letzten 13 Jahren wirklich nichts gemacht?

Und?

Nein, das haben ich und meine Kollegen nicht. Wir haben uns mit bestem Wissen und Gewissen all die Jahre für das Dorf engagiert.

Ein Vorwurf, den man im Dorf immer wieder hört: Die IG ist ein Schattenkabinett. Ist sie das?

Überhaupt nicht. Die IG wollte helfen und neue Gemeinderäte suchen.

Ein Hauptproblem war die Kommunikation. Rücktritt um Rücktritt – und immer hiess es: Das ist Zufall, da ist nichts.

Das stimmt so nicht ganz. Ich gab als erster den Rücktritt bekannt – und sagte offen, dass dies aus persönlichen Gründen geschehe. Bereits vor den Sommerferien sagte ich meinen Ratskollegen mehrfach, dass ich mir einen Rücktritt überlege, wenn sich nichts ändert. Ich regte auch an, dass wir einen externen Berater beiziehen. Das kam nicht an.

Wie viel ist in diesem Jahr kaputt gegangen?

Es liegt vieles im Argen. Es wird seine Zeit brauchen, bis Ruhe einkehrt. Unschön ist auch, dass die Vorgänge das Dorf in Lager gespalten haben.

Wie kann man diese Gräben zuschütten?

Eine Patentlösung habe ich nicht. Die gibt es wohl auch nicht. Es braucht vor allem jemanden, der sagt: Ich stehe hin, übernehme die Verantwortung und führe die Gemeinde als Gemeindeammann in die Zukunft. Niemand weiss derzeit, ob sich dieser Jemand findet. Ich hoffe es sehr. Es braucht Leute, die gewillt sind, den Dorfkarren zu ziehen.

Um in diesem Bild zu bleiben: Musste der Karren zuerst im Dreck stecken bleiben, um die Richtung zu ändern? Brauchte es den Eklat, damit Zukunft erst möglich wird?

Heute glaube ich es fast. Wäre beispielsweise Gemeindeammann Peter Balzer als Erster zurückgetreten, wäre es vielleicht anders gekommen. Konkret sähe meine Situation dann anders aus. Ich wäre nicht vor Ablauf der Legislatur zurückgetreten. Wie die Situation bei Vizeammann Schöni und Gemeinderat Schmidli ausgesehen hätte, kann ich nicht beurteilen. Nur eben: Es sind «wenn» und «wäre» – und das bringt die Gemeinde nicht weiter.

Nun gut, Gerhard Zumsteg könnte jetzt ja auf seinen Rücktritt zurückkommen und als Gemeindeammann kandidieren.

In jetziger Situation ist das für mich völlig ausgeschlossen. Da würde ich mir und meiner Gesundheit keinen Gefallen machen. Zudem sind die beiden Lager im Dorf festgefahren. Ich müsste von der Pro-Balzer-Gruppe hören, dass ich Peter nur hinausgedrückt habe, um selber Ammann zu werden. Das wollte ich nie.

Aber es stimmt, dass Sie sich vor gut einem Jahr eine Gegenkandidatur zu Peter Balzer überlegt haben?

Ja, ich wurde damals von mehreren Seiten aufgefordert, als Ammann zu kandidieren. Ich habe mir das gut überlegt, entschied mich dann aber dagegen.

Weshalb?

Das hatte mehrere Gründe. Unter anderem hätte ich mein Arbeitspensum um rund 20 Prozent reduzieren müssen, um das Amt seriös machen zu können; und etwas anderes kam für mich nicht infrage. Die Entschädigung als Ammann ist aber recht bescheiden, sodass ich jeden Monat finanziell draufgelegt hätte. Und dazu war ich nicht bereit.

Sie übernehmen zumindest bis Ende März die Funktion des Ammanns. Mit diesem Vorschlag, befristet weiterzumachen, gingen Sie am Dienstag in die Infoveranstaltung – und sagten dann am Schluss: Nach dem Gehörten müssen Sie Ihr Angebot nochmals überdenken. Weshalb?

Im ersten Moment war ich sehr enttäuscht über die Reaktionen. Dann sagte ich mir: Es sind 3 oder 4 Leute, die mir und der alten Garde Vorwürfe gemacht haben. Die anderen rund 2000 Einwohner verhalten sich uns gegenüber neutral bis positiv. Zudem ist es doch Charaktersache: Wenn man zu etwas Ja gesagt hat, dann muss man es durchziehen. Umso mehr, als die Gemeinde derzeit in einer Notsituation steckt. Ich und Guido Schmidli wollen einen gewissen Druck wegnehmen, damit sich die Leute in Ruhe überlegen können, ob sie einsteigen wollen und es nicht zu Schnellschüssen kommt. Mir graut etwas vor dem Gedanken, dass sich zwar genügend Gemeinderäte finden, aber niemand die Hauptverantwortung übernehmen will.

Der neue Gemeindeammann wird kaum Zeit haben, in sein Amt hineinzuwachsen. Es braucht jemanden mit Führungserfahrung.

Das wäre sicher ein grosser Vorteil, denn er muss sich schnell einarbeiten.

Ein Unternehmer oder ein Manager?

Das ist durchaus eine Option. Allerdings muss er oder sie sich bewusst sein, dass eine Gemeinde anders als ein Unternehmen funktioniert. Vielleicht war auch das mit ein Grund für unsere Probleme. Verstehen Sie mich richtig: Man muss vorwärtsgehen; nur darf man dabei die gewachsenen Strukturen nicht vernachlässigen. Man darf die Leute nicht überfahren, sondern muss sie an Bord nehmen. Dieses Bewusstsein für die Gemeinde war früher ausgeprägter, als der Weg in den Gemeinderat über Kommissionen oder Vereine führte. Heute werden oft Leute gewählt, die zum Teil erst seit kurzem in der Gemeinde leben und kaum Beziehung zum Dorf haben.

Ein Plädoyer für die Ochsentour?

Sie ist nicht der schlechteste Weg. Natürlich tut es einer Gemeinde auch gut, wenn jemand Unverbrauchtes kommt und frischen Wind in die Behörde bringt. Es braucht beides, es kommt auf die Mischung an. Und darauf, dass man gewillt ist, zusammenzuarbeiten.

Was braucht Eiken jetzt?

Zuallererst natürlich Leute, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Dann braucht es ein gemeinsames Auftreten. Das war bei uns nicht mehr der Fall; man spürte im Dorf, dass wir nicht harmonierten, dass es bei der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Behörde haperte. Das ist tödlich, denn eine Gemeinde funktioniert nur, wenn die beiden Ebenen Hand in Hand arbeiten.

Wie war das Verhältnis zwischen Behörde und Verwaltung in den letzten Monaten?

Stark getrübt. Der neue Gemeinderat muss alles daransetzen, es zu normalisieren. Das ist der eine zentrale Aspekt. Der andere: Der neue Gemeinderat muss das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen. Erst wenn diese beiden Punkte erfüllt sind, kann es darum gehen, neue grosse Geschäfte an die Hand zu nehmen.