Bannsteine sind heute die letzten Zeugen seiner vergangenen Existenz. 1634 wurde das Dorf Höflingen bei Rheinfelden endgültig zerstört. Bis ins 20. Jahrhundert verschwand es weitgehend aus der Erinnerung der Bevölkerung.

Das Fricktaler Museum in Rheinfelden widmet ihm jetzt eine Kabinettausstellung. Die Vernissage stiess auf grosses Interesse: Rund 100 Besucherinnen und Besucher fanden sich am Donnerstagabend im altehrwürdigen Rathaussaal ein. «Unsere Ausstellung lässt ein lebendiges Bild Höflingens entstehen», sagte Museumsleiterin Kathrin Schöb Rohner.

Höflingen war wahrscheinlich um einiges älter als Rheinfelden und geht auf eine alemannische Gründung im Frühmittelalter zurück. Erstmals urkundlich erwähnt ist der Dorfname Höflingen im 13. Jahrhundert.

Das kleine Dorf erlitt ein schweres Schicksal. Allein im 14. und 15. Jahrhundert wurde Höflingen von Baslern, Österreichern und Eidgenossen mehrfach überfallen und niedergebrannt. Aber die Bewohner bauten das Dorf immer wieder auf.

Geplündert und niedergebrannt

Im Dreissigjährigen Krieg wurde Höflingen während der Belagerung Rheinfeldens am härtesten getroffen. Nachdem die mit Frankreich verbündeten Schweden alles geplündert und geraubt hatten, steckten sie die Häuser in Brand.

Seit damals gibt es Höflingen nicht mehr. Nur noch wenige Sagen erzählten von dem verschwundenen Dorf. Erst als beim Bau der ersten Häuser und Strassen auf dem Kapuzinerberg Siedlungsspuren entdeckt wurden, kehrte die Erinnerung zurück. Auch beim Bau der Autobahn A3 in den 1960er-Jahren kamen Objekte der früheren Kapuzinerberg-Bewohner zum Vorschein.

Das Fricktaler Museum zeigt erstmals Ausgrabungsfunde, historische Karten und zugehörige Urkunden. Viele Funde sind Kurt Rudin aus Seltisberg zu verdanken. Rudin, heute Ehrenmitglied der Fricktalisch-Badischen Vereinigung, konnte durch seine Grabungen an fünf Stellen Siedlungsspuren belegen.

Ein spektakulärer Fund gelang ihm 1967: eine Ofenkachel mit dem Motiv des Heiligen Christophorus, der das segnende Jesuskind auf den Schultern über Wasser trägt. Dabei handelt es sich um ein sehr seltenes Motiv für Ofenkacheln.

Wie die Museumsleiterin erklärte, bestand Höflingen aus rund 20 Haushalten, in denen 80 bis 100 Menschen lebten. Die Kabinettausstellung wirft die Frage auf, ob im Dorf ausschliesslich arme Leute wohnten.

Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls eine Urkunde aus dem Jahr 1586, die den Höflingern das Betteln am Sonntag und Donnerstag erlaubte. Aber andere Fundstücke wie Ofenkacheln, Trinkgläser, Fensterglas oder Buchbeschläge sprechen eher für einen gehobenen, repräsentativen Lebensstil der Bewohner.

Das Museum zeigt daneben in einer zweiten Kabinettausstellung mit dem Titel «Blüte und Blatt» eine kleine Auswahl von Objekten mit Blütendekorationen aus der Sammlung – passend zum Jahresmotto «Rheinfelden floriert».

Die Präsentation wird ergänzt durch wertvolle, verzierte Textilien aus der Christkatholischen Kirche St. Martin in Rheinfelden. «Wir wollen Blumen sprechen lassen», sagte die stellvertretende Museumsleiterin Ute W. Gottschall.