«Die Ortsbürgergemeinden haben heute keine grosse Funktion mehr, es ist vielmehr einfach eine Tradition», sagt Werner Müller, Gemeindeammann von Wittnau. Hier gibt es zurzeit noch eine Einwohner- und eine Ortsbürgergemeinde.

Das soll sich nun ändern. Der Gemeinderat beabsichtigt, an den Ortsbürger- und Einwohnerversammlungen am 9. Juni den Zusammenschluss zu beantragen. «Auslöser, sich Gedanken über die Bedeutung und Zukunft der Ortsbürger zu machen, war die Diplomarbeit unserer Gemeindeschreiberin Christine Gottermann zu diesem Thema», erklärt Müller. Entgegen anderer Gemeinden, in denen die Ortsbürger über Land und Liegenschaften verfügen, besitzen jene von Wittnau kaum etwas. Der Wald wirft wenig Gewinn ab. «Wenn es gut läuft, ein paar tausend Franken», so der Gemeindeammann. Das Vermögen der Wittnauer beläuft sich zurzeit auf rund eine halbe Million Franken.

Sollte der Zusammenschluss zustande kommen, fliesst dieser Betrag in die Einwohnerkasse. Für Werner Müller ist aber wichtig, dass das Geld nicht einfach für das Alltägliche verwendet wird. «Wir müssen die Verwendung dann noch definieren. Eventuell könnte der Betrag etwas Kulturellem zugutekommen.»

Kaum Interesse

Für solche Überlegungen ist es aber noch zu früh. Erst einmal muss es überhaupt zur Abstimmung über den Zusammenschluss kommen. Bestärkt in seine Überlegungen, einen solchen Antrag an die Gemeindeversammlung zu bringen, wurde der Gemeinderat durch eine sehr schlecht besuchte Infoveranstaltung für die Ortsbürger im Mai 2015. Gerade einmal 12 der rund 300 Ortsbürger (sie machen rund ein Viertel der Einwohner aus) hatten damals an der Veranstaltung teilgenommen. «Wir haben jeden einzelnen Ortsbürger persönlich angeschrieben», sagt Werner Müller. Es sei dennoch kein Interesse spürbar gewesen. Wollen sie in der Gemeinde aber spürbar sein und auch weiterhin bestehen, so braucht es laut dem Gemeindeammann ein aktives Engagement der Ortsbürger. Manche Gemeinden hätten dafür eine Ortsbürgerkommission, nicht so Wittnau.

Werner Müller ist sich bewusst, dass die angedachte Auflösung der Ortsbürgergemeinde mit Emotionen verbunden und als Verlust empfunden wird. «Die Leute haben das Gefühl, sie verlieren ein Stück Identifikation». Er ist sich deshalb auch nicht sicher, ob der Antrag angenommen wird.

Den Puls spüren

Ob dieser Antrag dann auch wirklich auf der Traktandenliste der Sommergemeindeversammlung steht, entscheidet sich laut Werner Müller erst definitiv nach der nächsten Informationsveranstaltung. Diese findet am Donnerstag, 21. Januar, um 19 Uhr in der Mehrzweckhalle für alle Wittnauer – Einwohner wie Ortsbürger – statt. An dieser Veranstaltung wird nochmals über den Sinn und Bedeutung der Ortsbürgergemeinde informiert. Es geht aber insbesondere darum, den Puls der Bevölkerung zu spüren.