Stefan Landolt sitzt auf seiner Terrasse in Gipf-Oberfrick. Im üppigen Garten um ihn herum blühen Büsche und Blumen. Fast 40 Jahre lang war der 64-Jährige Förster im Forstbetrieb Thiersteinberg. Dieser Posten war manchmal belastend und verlangte ihm viel Verantwortung ab. Nun ist Landolt seit bald drei Monaten pensioniert. Trotzdem: «Wir stehen immer spätestens um 6.30 Uhr auf», wirft seine Frau Edith ein. Schliesslich gebe es immer viel zu tun.

Ab morgen wird Stefan Landolt über die Bildschirme in Schweizer Stuben flimmern. In der vierteiligen Serie «Neustart Pensionierung» des Schweizer Fernsehens (SRF 1, 21.05 Uhr) gewähren Landolt und vier weitere Protagonisten mit unterschiedlichen Geschichten einen Einblick in ihr Leben und geben Antworten, welche Sehnsüchte, Ängste und Möglichkeiten die Freiheit im Alter mit sich bringt.

Ein Abschied ohne Tränen

Wegenstetten. Waldbereisung. Mitte Oktober 2017. Es ist der erste Schauplatz, an dem man Stefan Landolt in der Sendung sehen wird. «Sie haben insgesamt vier Mal gedreht», sagt er. «Das letzte Mal wurde an meinem Geburtstag und sogleich letzten Arbeitstag am 28. Februar gefilmt.»

Der Abschied aus dem Arbeitsleben sei ihm dabei nicht schwergefallen. «Ich war 48 Jahre lang im Wald. Und der Wald rennt ja nicht davon», sagt er. 39 Jahre hatte er als Betriebsleiter den Forstbetrieb Thiersteinberg geführt. Dazu gehören die Waldungen der Gemeinden Eiken, Frick, Gipf-Oberfrick, Münchwilen, Oeschgen, Sisseln, Stein, Wegenstetten und Wittnau sowie verschiedene Privatwaldungen.

Dass Landolt ein Jahr vor dem regulären Pensionsalter seinen Posten an seinen Nachfolger abtrat, hatte unter anderem mit dem neuen Gipf-Oberfricker Personalreglement zu tun. «Das Besoldungsreglement war nun zugunsten einer Frühpensionierung», erklärt er. Gemeinsam mit Ehefrau Edith habe er abgeklärt, ob das Ganze auch finanziell machbar wäre. Das war es. «Und als dann auch noch Schlag auf Schlag drei Enkelkinder da waren, entschied ich mich mit etwa 62, dass ich mit 64 aufhören werde», sagt Landolt.

Seine Enkel sind heute auch ein Grund, warum er das Rentner-Dasein erst recht geniesst. Einen fixen Hüte-Tag, an dem die Landolts Ersatz-Mami und -Papi spielen, gibt es aber nicht. «Das wollen wir nicht. Wir sind nur zur Not da und wenn das Bedürfnis da ist», sagt er.

Geprägt von Orkan Lothar

Wenn Stefan Landolt an die prägendsten Stunden während seiner Zeit als Förster zurückdenkt, erinnert er sich an jedes Detail. 26. Dezember 1999. Im Ofen ein Kalbsrollbraten. Er wollte gerade die Mutter in Bad Zurzach abholen. «Wir blickten zum Hügel und sahen, wie der halbe Wald vom Wind gefällt wurde.» Rund zehn Jahre lang hatte der Forstbetrieb mit den Folgeschäden des Orkans Lothar zu kämpfen. «Ich schlafe heute noch schlecht, wenn es draussen stark windet und regnet.»

Neben solchen Momenten gibt es aber auch andere, an die sich Landolt gern erinnert. «Zu sehen, wie die Bäume wachsen und der Wald sich entwickelt, war das Schönste an meinem Beruf», sagt er. Und doch ist er froh, dass er die Verantwortung heute nicht mehr tragen muss. «Mein Nachfolger ist ein ehemaliger Lehrling von mir und mit dem Vorarbeiter habe ich 20 Jahre lang zusammengearbeitet. Ich weiss, dass die beiden dem Wald so schauen, wie ich es auch machen würde.»

Dafür, dass Landolt sein Leben im Ruhestand heute richtig auskosten kann, hat er schon früh gesorgt. «Ich sagte schon immer: Die Pensionierung fängt mit 25 an», sagt er. Es sei zwar nicht immer einfach gewesen, mit drei kleinen Kindern noch in die dritte Säule einzuzahlen. Und manchmal habe er es sogar verflucht. Doch heute sei er froh, habe er es gemacht.

Eine der ersten Taten als Rentner war der Kauf von zwei E-Bikes. In den nächsten Jahren wollen die Landolts damit nach Hamburg fahren. Sie sind sich einig: «Uns wird es als Rentner definitiv nicht langweilig.»