Manchmal kommt es zu lustigen Situationen, wenn die «Kapelle Grüetzi Mitenand» in Australien aufspielt. Etwa bei einem Auftritt an einer Feier zum australischen Nationalfeiertag vor einigen Jahren. Weil damals gleichzeitig das Tennis-Turnier Australian Open stattfand, waren auch viele Schweizer vor Ort an der Feier in Melbourne – und verblüfft ob der Klänge, die sie da zu hören bekamen: Schweizer Volksmusik. Einige von ihnen fragten die Musiker nach dem Auftritt gar, ob sie sich verlaufen hätten. Kapellen-Mitglied Christian Thalmann lacht, als er die Anekdote erzählt. Einer seiner Band-Kollegen habe geantwortet: «Entschuldigung, ich habe mein Hörgerät vergessen.» – «Das war der einzige Satz, den er auf Schweizerdeutsch sagen konnte», sagt Thalmann.

Nein, verlaufen haben sich die Musiker nicht. Die Kapelle ist in Australien zu Hause. Die meisten Mitglieder haben mit der Schweiz – ausser der Begeisterung für die hiesige Volksmusik – nichts zu tun.

Einfach dageblieben

Christian Thalmann ist eine Ausnahme. Der heute 65-Jährige wuchs in Frick auf, absolvierte hier die Schule und eine KV-Lehre. Danach zog es ihn mit seiner damaligen Freundin nach Genf, «um Französisch zu lernen», wie er erzählt. Und danach, 1973, nach Australien, für das Englisch. Eigentlich, so erzählt Thalmann, hätten er und seine Freundin nur für zwei Jahre bleiben wollen – es kam aber anders. Aus der Freundin wurde die Ehefrau, Thalmanns bekamen Kinder, Australien wurde zur neuen Heimat. Um mit der Familie in Kontakt zu bleiben, schickten die beiden neben Briefen auch Tonbänder nach Hause. Heute, mit Internet und günstigeren Flügen, sei das etwas einfacher, sagt Thalmann und lacht.

Trotzdem sind Besuche in der alten Heimat natürlich schön. Die AZ trifft Christian Thalmann, als er mit Geschwistern, Onkeln und Tanten im Fricker Restaurant Adler zu Mittag isst. Er ist derzeit für einen mehrtägigen Besuch in der Schweiz. Und das aus gutem Grund: Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) hat «Grüetzi Mitenand» für die Sendung «Viva Volksmusik 2019» (Samstag, 20.10 Uhr, SRF 1) eingeladen. «Wir dachten erst, das sei ein Scherz», sagt Thalmann. War es nicht: Anfang Dezember besuchte eine Filmcrew die Kapelle in Melbourne. Neun Mitglieder haben nun für den Auftritt in der Sendung extra Ferien genommen und sind angereist. «Das ist eine einmalige und wunderschöne Gelegenheit, unsere Geschichte hier zu erzählen», sagt Thalmann. «Es ist eine Ehre.»

Über 20-jährige Geschichte

Die Geschichte der Kapelle beginnt vor über 20 Jahren. Die Idee dazu entstand am Schweizer Nationalfeiertag 1996 während der Festlichkeiten des «Swiss Club of Victoria» – eines Klubs, der in Australien bereits seit 1899 Schweizer Brauchtümer und Traditionen pflegt. Seither spielt die Kapelle einmal im Monat im Lokal des «Swiss Club» in Melbourne.

Die heutigen Mitglieder der Kapelle sind alles Australier zwischen 20 und 65 Jahren. «Ausser mir und meiner Tochter sind es alles professionelle Musiker», sagt Thalmann. Zwei Mitglieder etwa spielen im Orchester der australischen Luftwaffe. «Die Kapelle ist für sie Spass, Abwechslung und musikalische Herausforderung zugleich», sagt Thalmann. Insgesamt umfasst das Repertoire 150 Lieder, neben Schweizer Volksmusik auch aus den Genres Boogie-Woogie und Jazz. Viele der Stücke sind selber geschrieben. Etwa «Grüetzi Mitenand», das sie am Samstag beim Fernsehauftritt spielen werden.

«Für uns stehen immer die Freude und der Spass an der Musik im Vordergrund», sagt Thalmann. Er selber spielt Schwyzerörgeli. Das hat er sich vor Jahren selbst beigebracht. Sein Vater hatte das Örgeli einst bei einem Besuch in Australien da gelassen mit der nicht ganz ernst gemeinten Bemerkung, das Instrument sei zu schwer zu spielen für Thalmann. Dieser beweist nun mit seiner Kapelle das Gegenteil. Nervös vor dem grossen Auftritt in der alten Heimat ist er nicht: «In Australien spielen wir mit so viel Freude, dass diese immer auf das Publikum überspringt. Ich bin sicher, das schaffen wir auch hier.»