Frick
Neugestaltung der Hauptstrasse droht Interessenkonflikt zu provozieren

Die Hauptstrasse in Frick wird neu gestaltet, weil das Verkehrsaufkommen zunehmen wird. Das zeigt eine Prognose. Ein Interessenkonflikt könnte die Planung aber durcheinanderwirbeln.

Thomas Wehrli
Drucken
Teilen
Hauptstrasse Frick
3 Bilder
... und so soll sie nach der Umgestaltung aussehen: Mit Mittelinsel und einem Mehrzweckstreifen.
Die Staustelle bei der Einmündung der Kaistenbergstrasse kann nur punktuell entlastet werden.

Hauptstrasse Frick

Thomas Wehrli

Die Hauptstrasse durch Frick ist beliebt. Sie hat, auf gut Neudeutsch, viele Follower. Doch in ihrem Fall ist das gar nicht so erstrebenswert. Denn die Follower sind Motorfahrzeuge – und von denen quälen sich heute rund 15'000 pro Tag durchs Dorf. Bis ins Jahr 2030 könnten es, das zeigt eine Extrapolation der Zahlen, sogar gut 17'000 sein.

Kommt dereinst die Norderschliessung in Gipf-Oberfrick, kann zwar ein Teil des Verkehrs aus dem Benkental vor dem Fricker Dorfkern abgefangen werden; dennoch dürften es in zehn Jahren auch dann noch 15'000 Autos sein, die sich auf der Hauptstrasse bewegen.

Der Verkehr ist das eine. Doch die Hauptstrasse will mehr sein, will Lebens-, Handels- und Begegnungsraum sein. Kurz: Sie ist das eigentliche Dorfzentrum. Damit ist ein Interessenkonflikt indes programmiert.

Um diesen zu entschärfen, um die Hauptstrasse als Lebensader und -raum aufzuwerten, hat die Gemeinde vor einem Jahr eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Rechtzeitig vor der ohnehin fälligen Sanierung des Strassenabschnitts sollte die achtköpfige Gruppe mit Vertretern des Gewerbes, der Parteien, der Gemeinde und des Kantons Lösungen suchen.

Die Zielsetzung: «Wir wollen eine klare Aufwertung zugunsten der Fussgänger, der Aufenthaltsqualität sowie der Sicherheit», sagt Gemeinderat Thomas Stöckli gegenüber der az. Anders formuliert: Die erneuerte Hauptstrasse soll keine Ich-rase-mal-durch-Strecke werden; der Durchgangsverkehr hat nicht erste Priorität. Lebensqualität und Durchgangsverkehr – «das beisst sich», weiss Stöckli.

Dritte Bushaltestelle

Gestern Abend konnten nun die Fricker «anbeissen»: Gemeinde und Kanton präsentierten zusammen mit dem beigezogenen Verkehrsplaner, Thomas Belloli, das Konzept. Dabei zeigt sich dreierlei: Das Konzept hat, erstens, gute und durchaus auch originelle Ansätze, um das Dorfbild aufzuwerten und den Strassenraum sicherer zu machen.

Zweitens: Werden die Vorschläge umgesetzt, wird sich das Dorfbild erheblich verändern. Alle Wünsche lassen sich, drittens, nicht verwirklichen (siehe Box). Dafür müsste der Durchgangsverkehr massiv reduziert werden, was eine Utopie ist.

Stauproblematik kann nur entschärft, aber nicht gelöst werden

Viel zu diskutieren gaben in der Arbeitsgruppe die beiden Fricker Staustellen: die Einmündungen der Kaistenbergstrasse und der Geissgasse in die Hauptstrasse. Hier kommt es in den Stosszeiten zu Rückstaus. Daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern, denn das Konzept sieht nur punktuelle Verbesserungen vor; so können die Fahrer, die von der Kaistenbergstrasse nach links in Richtung Oberdorf wollen, den neuen Mehrzweckstreifen auf der Hauptstrasse als Einspurstrecke nutzen.
Aber eine echte Lösung, wie es ein Kreisel oder eine Lichtsignalanlage wären, ist aus Platz- oder Ortsbildschutzgründen nicht möglich. Und einen sogenannten U-Turn, also einen erzwungenen Umweg über die bestehenden Kreisel, will man nicht. Zum einen, weil dies zu Mehrverkehr führt; zum anderen, weil insbesondere der Kreisel im Oberdorf bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen stösst.

Thomas Stöckli relativiert zudem: «Ein Problem haben wir nur in der Rushhour.» Damit könne er leben. «Mir ist ein intakter Dorfkern wichtiger – und da passt ein Kreisel nicht hinein.» Nicht ins Konzept passt auch Stöcklis persönliche Präferenz, eine Tempo-30-Zone durch das Dorf. Dazu heisst es im Bericht: Eine Tempo-30-Zone sei aus heutiger Sicht «nicht zielführend».

Als zielführend erachtet es die Arbeitsgruppe dagegen, den gesamten Strassenraumbereich – also bis zu den Häusern – aus einem Guss zu gestalten. Das bedingt, dass die Liegenschaftsbesitzer mitziehen. Die ersten Gespräche seien ermutigend, sagt Stöckli. «Es gibt kritische Stimmen, aber keine Fundamentalkritik.» Die entscheidende Frage wird sein, wie stark die Hausbesitzer zur Kasse gebeten werden. Stöckli plädiert für eine «kulante Lösung im Sinne des Ganzen». Die ganze Neugestaltung wird, so eine grobe Schätzung, rund fünf Millionen Franken kosten. (twe)

Die präsentierten Massnahmen sind nach Ansicht der Arbeitsgruppe das Optimum, was heute machbar ist. Dazu gehören die folgenden sieben einschneidenden Änderungen:

Neue Bushaltestelle: Im Dorfzentrum fehlt heute eine Bushaltestelle; es gibt heute nur die beiden Haltestellen bei der Migros und bei Möbel Brem. Eine dritte soll auf Höhe des Swisscom-Shops entstehen. Von der zusätzlichen Haltstelle verspricht sich die Arbeitsgruppe eine Belebung des Zentrums.

Neuer Fussgängerstreifen: Zwischen Migros und Kreisel Oberdorf gibt es fünf Fussgängerstreifen. Diese bleiben bestehen, werden aber teilweise verschoben. Bei der neuen Bushaltestelle gibt es einen zusätzlichen Fussgängerstreifen.

Mittelinseln: Alle Fussgängerstreifen bekommen eine Mittelinsel. Das ist laut dem Konzeptbericht bei diesem hohen Verkehrsaufkommen unabdingbar.

Zusätzlicher Mehrzweckstreifen

Verschiebung: Zwei Fussgängerstreifen werden verschoben. Jener bei der ehemaligen Papeterie Fricker kommt auf die Höhe des Güggeli-Pubs zu liegen. Hier liegt er besser am Schulweg. Zudem ist das Queren am alten Ort oft schwierig, da die Strasse vom Oberdorf her zusätzlich als Einspurstrecke Richtung Gipf-Oberfrick dient. Ebenfalls verschoben wird der Streifen bei der Metzgerei Blaser; er kommt vor den Kaistenberg-Abzweiger zu liegen. Damit kann der Verkehr besser «gebrochen» werden und die Fahrzeuge, die aus der Kaistenberg- in die Hauptstrasse einbiegen wollen, haben mehr Gelegenheiten zum Herausfahren.

Neuer Mehrzweckstreifen: Bereits heute gibt es auf Höhe Migros einen Mehrzweckstreifen. Dieser hat sich bewährt und soll bis zur Bäckerei Kunz verlängert werden. Im Unterschied zum bestehenden Mehrzweckstreifen wird sich der neue Streifen deutlich vom Fahrbahnbelag abheben. Vorgeschlagen wird im Bericht ein Betonbelag. Der Mehrzweckstreifen dient als Einspurstrecke – und als zusätzliche Möglichkeit, die Hauptstrasse ausserhalb der Fussgängerstreifen zu queren.

Die Parkierung: Auch künftig gibt es Parkplätze entlang der Hauptstrasse. Es werden allerdings nur noch 25 sein (heute sind es rund 35). Sie werden in Zweiergruppen so angeordnet, dass ein Hin-und-Her-Manövrieren nicht mehr notwendig ist. Und sie werden deutlich von der Fahrbahn zurückversetzt. Dies auch aus Sicherheitsüberlegungen: Es kommt heute immer wieder zu Beinahe-Kollisionen zwischen Autofahrern, die aussteigen wollen, und Velofahrern, die heranbrausen. Die wegfallenden Parkplätze habe man mit dem bewirtschafteten «Rebstock»-Parkplatz kompensiert, hält der Bericht fest.

Schmalere Fahrbahn: Die Fahrbahn ist neu nur noch 6,2 Meter breit. Damit wird die Fahrbahn vor allem im Oberdorf stark verengt. So soll eine Torwirkung nach dem Kreisel erzielen und das Tempo gedrosselt werden. An der engsten Stelle, bei der alten Schmitte, ist es bereits heute eng – und es wird nochmals enger, denn hier will die Arbeitsgruppe den Fussgängern noch etwas mehr Raum zugestehen. Zwei Sattelschlepper können damit wie bisher nicht direkt kreuzen. «Das nehmen wir bewusst in Kauf», sagt Stöckli. «Jeder Zentimeter, den wir hier für die Fussgänger gewinnen, ist wertvoll.»